Bettina Glatz-Kremsner: A schware Partie

Als in Ungarn aufgewachsene Österreicherin stecke ich in einem Dilemma. Aber ich habe eine Lösung.

Bettina Glatz-Kremsner

Bettina Glatz-Kremsner, Finanzvorständin der Casinos Austria AG, ist auch bei der Lotterien GmbH für Finanzen zuständig.

Bettina Glatz-Kremsner, Finanzvorständin der Casinos Austria AG, hat vor dem Fußballspiel Österreich gegen Ungarn für die Print-Ausgabe des trend einen Kommentar verfasst. Wir bieten diesen hier zur Nachlese an.


Es kennt wohl jeder Fußballfan dieses Gefühl der Zerrissenheit: Wenn zwei Teams aufeinandertreffen, die man beide schätzt, und man nicht weiß, zu wem man halten soll. Bei mir als in Ungarn aufgewachsener Österreicherin ist es natürlich das ewige Duell Österreich gegen Ungarn. Und so werde ich wohl am 14. Juni ganz besonders gebannt zusehen, wenn diese beiden Nationen in Bordeaux aufeinandertreffen und es um nichts weniger geht als den Aufstieg. A schware Partie, könnte man sagen.

Ich bin wohl für eine Frau durchaus überdurchschnittlich fußballaffin, bin oft und gerne im Stadion, um unser Nationalteam anzufeuern. Auch beruflich gibt es einige Schnittpunkte: Da wäre zunächst unser traditionsreiches Fußball- Spiel "Toto", dann haben wir anlässlich der EM ein eigenes Rubbellos unter dem Titel "Wir sind Österreich" aufgelegt, und das Sportwettenangebot unserer Tochter tipp3 hat auch überwiegend Fußballspiele im Angebot.

Ganz besonders freut mich, dass tipp3 unseren Teamchef Marcel Koller als Testimonial gewinnen und mit ihm eine ganz außergewöhnliche Werbelinie kreieren konnte, die mich - und wohl viele andere - immer wieder zum Schmunzeln bringt.

Außergewöhnlich ist auch Marcel Koller selbst, und sicher so ziemlich das Beste, was Österreichs Team passieren konnte. Wir hatten das Glück, Koller als Interviewgast bei einem Manager-Meeting von Casinos Austria und Österreichischen Lotterien zu haben. Er hat uns sehr eindrucksvoll erklärt, wie er geschafft hat, was er geschafft hat: nämlich aus einer guten Mischung von Hartnäckigkeit und Konsensbereitschaft, von Chefsein und konstruktivem Miteinander Erfolge zu schaffen, die niemand für möglich gehalten hätte. Er hat aus einer Truppe von Einzelkämpfern ein schlagkräftiges Team geformt. Mit Individualisten, denen ihr kreativer Freiraum eingeräumt wird, die sich aber andererseits entsprechend dem Kollektiv, dem Teamspirit unterordnen müssen.

Denn auch für herausragende Fußballer gilt: Sie brauchen jene Mannschaft zur Ausübung ihrer Kunst, die zu ihnen passt. In der "falschen" Elf sind sie nicht gut aufgehoben, das haben wir schon des Öfteren erlebt. Marcel Koller hat uns auch gezeigt, wie eng Sport und Unternehmertum beisammen liegen. Was nützt die beste Sturmspitze, wenn die Flanke nicht kommt? Was soll ein einzelner Topplayer im Unternehmen ausrichten, wenn er nicht von den Kollegen unterstützt wird?

Das Management agiert gewissermaßen als Trainer, stellt die Mannschaft auf, engagiert gegebenenfalls neue Spieler oder schickt sie mitunter auch einmal auf die Bank. Es definiert die Ziele und gibt die Devise aus. Dann ist das Team dran, in diesem gesteckten Rahmen bestmöglich zu agieren. Am Ende wird es möglicherweise ein Einzelner sein, der, einem Schuss ins Kreuzeck gleich, den Erfolg präsentieren kann. Es ist und bleibt aber der Erfolg des gesamten Teams.

Viel Gemeinsames -und doch gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen Fußball und Wirtschaft: Im Unternehmen gibt es nämlich vergleichsweise wenig Zeit für Trainings, es muss also in der echten Spielzeit, im Match um die Punkte für den Aufstieg erprobt werden, wie die Dinge am besten funktionieren. Ein Freundschaftsspiel gegen den härtesten Mitbewerber? Schwer vorstellbar. Es geht um jeden einzelnen Punkt.

Freilich kann man nicht immer gewinnen. Auch Marcel Koller nicht. Wofür er aber mittlerweile ein Garant zu sein scheint, ist die Kultur im Team. Der untrügliche Eindruck, dass jeder für den gemeinsamen Erfolg rennt und nicht allein für den eigenen Ruhm. Das ist wohl auch maßgeblich mit dafür verantwortlich, dass unsere Kicker heute auf einer Welle der Sympathie durchs Land getragen werden.

Vielleicht liegt darin auch die Lösung für mein Dilemma mit dem 14. Juni. Ich sollte wohl einfach beide Daumen drücken -einen für Rot-Weiß-Rot, einen für Rot-Weiß-Grün - und mich einfach darauf freuen, dass zwei tolle Mannschaften ein schönes Match liefern.


Der Artikel ist in der trend-Ausgabe Nr. 23/2016 erschienen.
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