Bernhard Ecker: Auf ungut österreichische Art

Bernhard Ecker: Auf ungut österreichische Art

Bernhard Ecker

ORF-DEBATTE. Schade, dass der ORF die Idee mit dem Faymann-Solo nicht schon früher hatte, meint Bernhard Ecker.

"Starmania" war die Antwort auf "DSDS", die "Vorstadtweiber" sind den "Desperate Housewives" nachempfunden. Da ist es nur folgerichtig, dass die Infoabteilung einen TV-Act im Nachbarland kopiert: Dem Interview mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel zur Flüchtlingspolitik in der öffentlich-rechtlichen ARD (bei "Anne Will") folgte zwei Wochen später ein Kanzler-Interview im ORF ("Im Zentrum"). Werner Faymann musste Interviewerin Ingrid Thurnher erklären, warum er von der Merkel-auf die ÖVP-Linie umgeschwenkt ist.

Dass ebendiese ÖVP nun beklagt, das Polit-Talkshow-Format sei für parteipolitische Zwecke gekapert worden, ist lächerlich.

Noch lächerlicher ist, wenn nun auf ungut österreichische Art eine parlamentarische Medien-Enquete einberufen wird, in der über den Programmauftrag des ORF diskutiert werden soll.

Kurz vor den Generaldirektorswahlen im August kann man sich ausrechnen, wie substanziell-sachlich die Beiträge einer solchen Veranstaltung sein werden.

Nein, vorwerfen kann man dem ORF nur, dass er die Idee nicht früher hatte: Faymann hätte schon "Im Zentrum" auftreten sollen, nachdem er sich im Jänner dazu entschlossen hatte, seinen ursprünglichen Kurs zu ändern.

Die Zeiten sind außerordentliche, das Land wird sich mit den Flüchtlingen, die bleiben werden, verändern - und setzt im Umgang mit jenen, die nicht kommen dürfen, Standards. Daher war eine Erklärung des Regierungschefs dringend nötig - ob in der " Pressestunde" oder "Im Zentrum", ist sekundär.

trend. Ausgabe 11/2016 - 18. März 2016

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