Automatisierung: Warum wir mit Robotern leben müssen

Sebastian Ostrowicz

Sebastian Ostrowicz

SERIE MANAGEMENT COMMENTARY: Gastkommentar von Sebastian Ostrowicz, Automationsexperte bei der Managementberatung Horváth & Partners zum Fortschritt in der Prozess-Automatisierung.

"Robotic Process Automation" (RPA) ist der Fachbegriff für alle Unternehmensaktivitäten, Serviceprozesse durch künstliche Intelligenz und Software-Roboter zu vereinfachen und zu verbessern. Konkret geht es darum, schrittweise bessere kognitive Fähigkeiten zu entwickeln, was zur weiteren Steigerung des Anteils software-basierter Automationsquoten führt .

"Verstehen und lernen" ist der Schlüssel zur Künstlichen Intelligenz (KI). Roboter werden immer effizienter, indem sie mit diesem menschlichen Prinzip programmiert werden. Sie erlernen analog echter Mitarbeiter durch "Beobachtungstraining" eigenständig und erhöhen hierdurch ihre Effizienz, egal ob als Software, digitale Helferlein oder Bestandteil des gesamten Automationsprozesses. Mitarbeiter werden sich so künftig – neben ihrer Fachexpertise – verstärkt um die Programmierung, Steuerung und Weiterentwicklung von virtuellen Abläufen kümmern.

Die Verbreitung von Automationslösungen hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Laut einer Untersuchung der Managementberater Horváth & Partners nutzen bereits 75 Prozent der befragten Unternehmen solche Lösungen in unterschiedlichen Ausbaustufen – mit durchwegs positiven Ergebnissen. Die entsprechenden Erwartungen wurden nicht nur voll erfüllt, sondern oft sogar übertroffen, was die Automatisierungsaktivitäten zusätzlich beschleunigt. Das maßgebliche Potenzial liegt dabei in der Kombination der unterschiedlichen Automationstechnologien.

Doch ist nicht alles Gold was glänzt. Der größte Widerstand droht aus den eigenen Reihen. Die rasche und einfache Implementierung der neuen Technologien und die geforderte Umstellung von Tätigkeiten und Anforderungsprofilen wecken bei den Beschäftigten häufig große Angst, ersetzt zu werden, und das oft zu Unrecht. Da braucht es geschickte Kommunikation und behutsames Veränderungsmanagement, um alle relevanten Beteiligten an Bord zu holen, in den Wandel zu involvieren und damit den störungsfreien Übergang in neue Rollen und Tätigkeiten zu garantieren.

Gerade durch das Aufzeigen einer klaren Vision der Vorzüge von Automation und die Entwicklung und Umsetzung geeigneter Fortbildungsmaßnahmen können Bedenken der Mitarbeiter beigelegt und ihre Unterstützung gewonnen werden.

Eine zweite große Herausforderung sehen die Unternehmenschefs in der Verankerung der neuen Technologien im eigenen Geschäftsmodell. Dem breitflächigen Einsatz von Software-Robotern muss die Unternehmensteuerung und das Management der Wertschöpfungskette Rechnung tragen. Die digitalen Assistenten werden ja wie ihre echten Pendants aus Fleisch und Blut in Arbeits- und Schichtpläne integriert, erhalten Nutzerrechte und -profile und werden gemäß ihren Fähigkeiten in den Produktionsablauf eingebunden und ausgelastet. Erst die vollständige Integration in die Unternehmensprozesse und das Geschäftsmodell hebt und sichert langfristig die Effizienzpotenziale. Für die Planung und Implementierung empfiehlt sich dabei, erfahrene Experten hinzuzuziehen.

Fazit: Schon in wenigen Jahren werden digitale Helferlein jedem Beschäftigten in Servicebereichen zur Seite stehen und Fleißarbeiten wie Datenübertragung, Dokumentation oder Standardkommunikation abnehmen. Die gewonnene Zeit lässt sich dann für wirklich wertschöpfende Tätigkeiten nutzen, bei denen Fachwissen und Erfahrung zum Einsatz kommen. In jedem Fall werden wir den Roboter wohl eher als Unterstützer anstatt als Feind wahrnehmen müssen. Denn es ist nicht unrealistisch, dass die Kundenanforderungen und Umsatzziele weiter so steigen, dass wir deren Unterstützung langfristig dankbar annehmen.


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Die Serie "Management Commentary" ist eine Kooperation von trend.at und der Unternehmensberatung Horváth & Partners. Die bisher erschienen Beiträge finden Sie zusammengefasst im Thema "Management Commentary".


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