Anton Zeilinger: Mehr Platz für Ideen in der Forschung

Anton Zeilinger, Physiker und Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Anton Zeilinger, Physiker und Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Gastbeitrag von Anton Zeilinger, Physiker und Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften: Die Internationalität der Forschung ist unentbehrlich für die Zukunft unseres Landes.

Anlässlich des kürzlich bekannt gegebenen Weggangs von Josef Penninger nach Kanada stellt sich die Frage, wie weit Österreich als Wissenschaftsstandort attraktiv ist. Zahlreiche Österreicher arbeiten ja erfolgreich als Wissenschaftler und Forscher im Ausland. Auch der Autor dieser Zeilen stand einmal vor der Frage, in den USA zu bleiben oder nach Österreich zurückzukehren. Diese Entscheidung war letztlich sehr persönlich. Einer der wesentlichen Punkte war, dass in den USA Forschung fast nur über Drittmittel möglich gewesen wäre und diese Drittmittel sehr oft anwendungsorientiert vergeben werden. In Österreich war es jedoch möglich, Grundlagenforschung in einem ausreichenden Rahmen zu finanzieren.

Die Österreichische Akademie der Wissenschaften ist sehr stolz auf die Leistungen des IMBA unter seinem Gründungsdirektor Josef Penninger. Das Institut ist wissenschaftlich hervorragend international positioniert. Dies ist auch auf die ausgezeichnete finanzielle Ausstattung zurückzuführen. So konnte erst kürzlich ein Stammzellenzentrum, das allen österreichischen Forscherinnen und Forschern auf dem Gebiet zur Verfügung stehen wird, gestartet werden. Natürlich gibt es in Österreich auch Grenzen der Möglichkeiten, die vielleicht manchmal etwas enger sind als in einem größeren Land. Aber man sollte sich etwa an der Schweiz ein Beispiel nehmen.

In Österreich haben wir auf einigen Gebieten hervorragende wissenschaftliche Leistungen. Neben der Molekularbiologie ist die Quantenphysik ein Beispiel. Aus den Geisteswissenschaften sind etwa Archäologie und Altertumskunde, Geschichtswissenschaften und Asienwissenschaften und Iranistik zu nennen, die international zur Spitze gehören. Dies sind aber nur Beispiele, wohl etwas willkürlich herausgegriffen.


Natürlich muss man die Besten in Österreich halten.

Eines der großen Spannungsfelder ist die Frage, wie weit die österreichische Forschung Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eine Dauerlaufbahn anbieten kann. Hier gibt es bereits einige Tenure-Track-Modelle, die eine Übernahme nach Evaluation in ein dauerndes Dienstverhältnis vorsehen.

Die Botschaft an junge Wissenschaftler muss sein, dass sich Einsatz und Qualität der Forschung in Österreich lohnen. Allerdings nur, wenn das Ergebnis höchsten internationalen Standards entspricht. Es ist ja so, dass jede Wissenschaftlerin und jeder Wissenschaftler, die sich einer österreichischen Universität oder anderen Institutionen um eine Dauerstelle bewerben, in direkter Konkurrenz mit weltweiten Spitzenleuten stehen. Dass dies eine große Herausforderung ist, sieht man auch an amerikanischen Universitäten, wo je nach Universität die Wahrscheinlichkeit, eine Dauerstelle zu bekommen, sehr stark variiert und keineswegs fix ist. Aber natürlich muss man die Besten in Österreich halten.

Die Entscheidung soll dann nach der Qualifikation erfolgen, und auch den nach Österreich Berufenen muss die Botschaft gegeben werden, dass sie eine reelle Chance haben, ihre Ideen umzusetzen. Hier gab es in den letzten Jahren zahlreiche Erfolge bei Berufungen nach Österreich. Da ist selbstverständlich das vor zehn Jahren neu gegründete Institute of Science and Technology Austria (IST Austria) zu erwähnen, auch mehrere Professuren an verschiedenen Universitäten sowie Positionen an Akademieinstituten.

Förderung der Grundlagenforschung stärken

Dass es gelingt, Topleute zu fördern bzw. nach Österreich zu holen, zeigen zahlreiche Preise, die österreichische Wissenschaftler in den letzten Jahren errungen haben, die zu den absoluten Spitzenpreisen weltweit zählen. Manche werden sogar mit dem Nobelpreis verglichen. Um jedoch noch mehr Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre Ideen umzusetzen, sollte die Förderung der Grundlagenforschung gestärkt werden. Der Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung FWF müsste über mehr Mittel verfügen. Ebenso die Stipendien für Doktoranden und Postdocs oder der Innovationsfonds der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.


Möglichkeiten der internationalen Zusammenarbeit, eine Win-win-Situation.

Herrn Penninger kann man gratulieren, dass er in Kanada zum Leiter eines Instituts mit mehr als 80 Forschergruppen berufen wird. Dies ist auch eine große Chance für Österreich. Wir hoffen, dass er weiter mit dem IMBA verbunden bleibt. Weiters bietet die Möglichkeit der Zusammenarbeit mit dem Life Science Institute an der University of British Columbia in Vancouver neue und hochinteressante Möglichkeiten der internationalen Zusammenarbeit. Dies kann man durchaus auch als Win-win-Situation sehen.

Wichtig für die Zukunft Österreichs ist der Fokus auf langfristige Entwicklungen der Wissenschaft und Forschung. Für Wirtschaft und Gesellschaft ist es wichtig, für die großen Entwicklungen in der Zukunft gut gerüstet zu sein. Ein kleines Land kann sicher durch Fokussierung auf ungewöhnliche Ideen und durch aktive Suche nach den besten Kandidatinnen und Kandidaten punkten.


Zur Person

ANTON ZEILINGER, 72, ist seit dem Jahr 2013 Präsident der Österreichischen Akademie für Wissenschaften. Seit 2004 ist der international renommierte Quantenforscher Senior Scientist des Institutes for Quantum Optics and Quantum Information in Wien.

Der Gastbeitrag ist ursprünglich in der trend-Ausgabe 7/2018 vom 16. Februar 2018 erschienen

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