Alois Czipin: Noch besser geht’s immer!

Alois Czipin, Gründer "Czipin Produktivitätssteigerungs-GmbH"

Alois Czipin, Gründer "Czipin Produktivitätssteigerungs-GmbH"

Alois Czipin, Consulter mit dem Schwerpunkt Produktivität, teilt in der trend-Serie "BusinessCLASS" seine Erfahrungen. Sie können daraus schlauer werden.

Health Check. „2017 wird das beste Jahr unserer Firmengeschichte. Wir wollen diesen Erfolg nutzen, um zu prüfen, ob wir noch besser werden können, um für schlechtere Zeiten gerüstet zu sein.“ So lautet der Kurztext einer Projektbeschreibung, die wir vor 18 Monaten erhalten haben. Gemeinsam mit anderen, meist internationalen Bewerbern werden wir von dem Unternehmen eingeladen, einen Vorschlag zu präsentieren.

Ohne viel weitere Informationen zu haben, bereiten wir einen spannenden Pitch vor. Zwei Kollegen und ich wollen eindringlich darstellen, wie wir uns in den letzten Jahren verändert haben. Wir beginnen unsere Präsentation mit Sakko und Krawatte und zeigen, wie wir früher ein Projekt zum Erfolg geführt haben. Bevor wir dann auf unsere neue Vorgehensweise übergehen, ziehen wir uns Sakkos, Krawatten und Hemden vor den Zuhörern aus. Und wir gewinnen diesen Auftrag!

Der Healthcheck beim neuen Kunden bringt es dann zu Tage. Trotz der erzielten Rekordergebnisse finden wir große Potenziale zur Verbesserung: Die Abläufe sind nur schlecht automatisiert, die Planung der Produktion ist von ständigen Änderungen gekennzeichnet. Die Maschinenkapazitäten sind nicht optimal genutzt, die indirekten Ressourcen sind als echte Fixkosten verankert, und die Führung dieser Betriebsbereiche versteht sich mehr als Senior Experts denn als Ressourcenmanager. Unter dem Strich stehen Leistungsverluste von knapp über 50 Prozent in den indirekten Bereichen und 30 Produktion in der Produktion.

Der Vorstand ist positiv überrascht und gibt auch die Umsetzung dieser Potenziale frei. Um sicherzustellen, dass wir das Ziel auch erreichen, wird das Projekt in zwei voneinander unabhängige Phasen geteilt: Potenzialvereinbarung und Umsetzung. Mit einem Wort: Risikominimierung.

Im Kern stellen wir fest, dass die Reserven auf zwei Gründen beruhen: auf schlecht strukturierten Prozessen und auf der Tatsache, dass alle diese Abteilungen fixe Personalstände aufweisen, die von Jänner bis Dezember gleich sind (mit Ausnahme von Krankheiten, Urlauben und Kündigungen). Die Führungskräfte verfügen über keinerlei Werkzeug, um zu wissen, wie viele Arbeitsstunden bzw. Mitarbeiter sie tatsächlich auf Basis des vorhandenen Arbeitsvolumens von Tag zu Tag und von Woche zu Woche brauchen. Und Fakt ist: Nirgendwo braucht man jeden Tag gleich viel Stunden!

Fake-Doktoren?

Die Stimmung ist zunächst etwas getrübt, da mein Beraterteam zunächst als Fake-Doktoren angesehen wird, die eine völlig falsche Diagnose gestellt haben. Es gelingt aber recht schnell, an Hand detaillierter Aufnahmen zu beweisen, dass die Leistungslücken tatsächlich vorhanden sind. Aber Beweise reichen nicht, wo Einsehen, Betroffenheit und Perspektive notwendig sind, um Veränderungen zu ermöglichen. Darum inszenieren wir das Projekt in Form eines Fitnesstrainings. Es geht darum, gezielt die zur Verbesserung notwendigen Fähigkeiten zu entwickeln. Wir beginnen wie im Fitnessstudio, jeden Fortschritt penibel zu dokumentieren. Und wir betreuen die Mitarbeiter wie gute Fitnesstrainer: Erfolge werden belobigt, Rückschritte untersucht.

Wir machen uns daran, Potenziale anhand von Aktivitätsgerüsten und Planzeiten mit den Führungskräften verbindlich zu vereinbaren. Parallel dazu legen wir aber auch fest, wie sie gehoben werden können: Was kann vereinfacht werden? Wie funktioniert zukünftig die Ressourcenplanung und -steuerung? Die Führungskräfte präsentieren das dem Topmanagement und verpflichten sich damit auch zur Umsetzung.

Unsere Aufgabe ist es dann, auch die Vorstellung von einem optimalen Zusammenarbeiten mit möglichst wenigen Fehlern in den Mittelpunkt zu rücken. Denn gute Zusammenarbeit im Team entsteht nur, wenn tatsächlich wenige unnötige Fehler auftreten.

Irgendwann ist es soweit: Es wurde genug entwickelt und trainiert. Jetzt geht es um das Tun im Tagesbetrieb. Auch da sind meine "Fitnesstrainer" mit an Bord und helfen ihren "Schützlingen", die gewonnene Fitness rasch unter Beweis zu stellen. Die Erfassungen geben auf Tagesbasis Feedback über die erzielten Leistungen. Und diese werden natürlich besprochen.

Bei der Umsetzung der Potenziale werden 60 Prozent in Aktivitäten investiert, die dem Wachstum dienen, und 40 Prozent werden kostensenkend abgebaut.

Die Leistung aller Bereiche ist in Summe um 30 Prozent gestiegen - kein schlechter Wert nach einem Rekordjahr!



Kommentar
Peter Pelinka

Standpunkte

Wer und was könnte die SPÖ noch retten?

Kommentar
Christoph Kotanko, Korrespondent der Oberösterreichischen Nachrichten (OÖN) in Wien

Standpunkte

Verlustanzeige: Wo bleibt die SPÖ?

Kommentar
Andreas Salcher

Standpunkte

Andreas Salcher - Die Bildungs-Champions-League

Kommentar
Hannes Androsch ist Industrieller und ehemaliger SPÖ-Finanzminister sowie Vizekanzler der Ära Kreisky.

Thema Ibiza-Krise: Österreich im Polit-Chaos

Hannes Androsch: Wie weiter angesichts der Krise?