ÖVAG wird zum Albtraum für Maria Fekter

Sie bilden eine Schicksalsgemeinschaft: Maria Fekter und Stephan Koren. Die Finanzministerin schätzt den konservativen Banker sehr. Im Jahr 2011 köderte sie ihn mit dem Posten des Präsidenten der Fimbag. Diese republikeigene Banken-Beteiligungsgesellschaft überwacht die Staatsanteile an Hypo Alpe Adria, Kommunalkredit und ÖVAG sowie das staatliche Partizipationskapital bei Bawag PSK, Erste Group und Raiffeisen Zentralbank.

ÖVAG wird zum Albtraum für Maria Fekter

Am Anfang erschien die Fimbag als ideales Sprungbrett für Koren, um später Nationalbank-Gouverneur zu werden. Doch Korens Rechnung ging vorerst nicht ganz auf. Im Frühjahr 2012 wurde der frühere Bawag-PSK-Vizegeneral von Fekter regelrecht in den Chefsessel der ÖVAG gedrängt. Sein Auftrag: die Sanierung des im April 2012 teilverstaatlichten Spitzeninstituts des Volksbanken-Sektors.

Vom ÖVAG-Turnaround hängt viel ab: auch die politische Zukunft von Maria Fekter - im Herbst ist Nationalratswahl - und das berufliche Fortkommen von Stephan Koren.

Für Fekter steht fest, dass kein weiteres Steuergeld in die Volksbanken AG gepumpt werden darf. Doch genau das kann Koren nicht garantieren. Denn laut FORMAT vorliegenden ÖVAG-Papieren ist die Bank in einem schlechteren Zustand als bekannt. Eine Zukunft ohne weitere Staatshilfe erscheint höchst unwahrscheinlich. Insider gehen von einer weiteren Milliarde Euro aus, die von der Republik bereitgestellt werden muss - vielleicht sogar mehr.

Ein erhebliches Milliardenrisiko schlummert in Rumänien. Darüber hinaus wird die ÖVAG von enormen Schulden erdrückt. Hohe Zinszahlungen und geringe Erträge belasten die Bank. Interne und externe Ermittler, die im Geldhaus herumschnüffeln (es geht um dubiose Beraterverträge, mögliche Kickbacks und fragwürdige Kreditvergaben im Volksbanken-Sektor), stören den laufenden Betrieb. Dieser Mix ist Gift für jede Bank, wie Manager der mit ähnlichen Troubles konfrontierten Staatsbank Hypo Alpe Adria wissen.

Im Finanzministerium besteht die Angst, dass sich die ÖVAG zu einem ähnlichen Milliardengrab wie die Kärntner Hypo entwickeln könnte. Die hat den Steuerzahler bereits 1,85 Milliarden Euro gekostet - Tendenz: steigend. Auch die ÖVAG entpuppt sich als gefräßiges Finanzmonster: Bis dato hat sie bereits 1,25 Milliarden Euro Staatsgeld verschlungen. Rechnet man die Rettung der ÖVAG-Tochter Kommunalkredit und alle Haftungen dazu, dann haben die Volksbanken der Republik ein Verlustrisiko von 11,6 Milliarden Euro umgehängt.

Ungestillter Gelddurst

Der Kapitaldurst der ÖVAG ist aber noch lange nicht gestillt. In den nächsten Jahren braucht sie noch mehrere Milliarden. Allein für das Jahr 2013 muss die ÖVAG rund 3,8 Milliarden Euro an Krediten zurückzahlen. Im März wird eine staatsgarantierte Anleihe über eine Milliarde Euro fällig. Wie das bezahlt werden soll? "Wir haben einen Liquiditätspolster von 4,5 Milliarden Euro“, sagt Karl Kinsky, der in der ÖVAG für Institutional Investor Relations zuständig ist. Weil der heuer aufgebraucht sein wird, dürfte es in den folgenden Jahren dann wirklich eng werden: Von 2014 bis 2017 muss ein Schuldenberg von rund sechs Milliarden Euro abgetragen werden, wie aus dem bankinternen Tilgungsplan hervorgeht. Dafür liegt noch kein Geld auf der Seite.

Große Sorgen macht die Tochter in Bukarest. "Rumänien ist ein Fixpunkt jeder Aufsichtsratssitzung“, sagt ÖVAG-Präsident Hans Jörg Schelling. Die VB Romania gehört der ÖVAG zu 51 Prozent und hat an Privat- und Firmenkunden etwa drei Milliarden Euro verliehen. Laut bankinternen Berechnungen liegt die sogenannte NPL-Quote bei über 30 Prozent (NPL steht für Non-Performing Loans). Im Klartext: Jeder dritte rumänische Kredit ist notleidend. Konkret werden die NPLs in der VB Romania mit 1,2 Milliarden Euro taxiert. Im ÖVAG-Konzern schlummern faule Kredite von insgesamt 2,8 Milliarden Euro. General Stephan Koren: "Rumänien ist sicher eine schwierige Beteiligung.“

Die besorgniserregende Entwicklung im Karpatenland, die auch große Konkurrenten wie Erste Group und Raiffeisen Bank International beschäftigt, könnte jederzeit nach Österreich durchschlagen. Denn die ÖVAG hat der VB Romania 1,5 Milliarden Euro geborgt, die Restlaufzeit der Kredite liegt bei fünf Jahren und mehr. Kann die Bank in Bukarest ihre ÖVAG-Kredite bedienen? Diese Frage werden sich Riskmanager in Wien und Beamte des Finanzministeriums künftig Jahr für Jahr stellen. Sie nennen das "rumänisches Roulette“.

Probleme in der Primärstufe

Auch am Heimmarkt ist die Lage angespannt. Laut ÖVAG-Informationen bestehen gegenüber Banken der "Primärstufe“ Kreditlinien in der Höhe von rund fünf Milliarden Euro. Die Primärstufe umfasst 51 regionale Volksbanken, sieben Spezialbanken (Apothekerbank, Ärztebank, Gärtnerbank, Immo-Bank, WKS Bank sowie zwei Sparda-Banken) und vier Hauskreditgenossenschaften. Zwar haben die Primärbanken in Summe rund sechs Milliarden bei der ÖVAG geparkt. Doch dieser Kapitalpolster bei der ÖVAG wird so nicht bleiben. Hans Hofinger, Chef des Sektor-Verbunds, betont zwar stets die "Ertragskraft der Volksbanken“. Doch als ÖVAG-Aufsichtsratschef haben Hofinger und sein damaliger Vorstandsvorsitzender Gerald Wenzel Mitte 2010 auch den "ÖVAG-Turnaround“ vollmundig verkündet. Zwei Jahre später wurde die Bank teilverstaatlicht.

Fakt ist: Nicht alle Genossenschaftsbanken erwirtschaften Überschüsse. So gab die Volksbank Vorarlberg, die zu den größten Sektormitgliedern zählt, Anfang Februar eine überraschende Gewinnwarnung heraus. Aufgrund von Risikovorsorgen und Abschreibungen aus der ÖVAG-Beteiligung sei für 2012 "ein negatives Ergebnis nicht ausgeschlossen“. Dementsprechend schließt auch ÖVAG-Boss Koren nicht aus, dass es bis 2017 zu Fusionen unter den 62 Mitgliedern der Primärstufe kommen wird.

Aktien auf Kredit

Auch interne und externe Ermittler haben die Volksbanker im Visier. Derzeit wird die ÖVAG von Forensikern der Wirtschaftsprüfungskanzlei Ernst & Young abgeklopft. Es geht um Malversationen in den letzten zehn Jahren. Zudem prüft die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft den Verdacht der strafbaren Untreue sowie der mutmaßlichen Verletzung des Aktien-, Bankwesen- und Börsegesetzes (exklusiv in FORMAT 5/13).

Ein früherer ÖVAG-Topmanager sagte als Zeuge vor dem Staatsanwalt, dass der Vorstand Ende 2011 wusste, dass "eine Verstaatlichung nicht mehr zu vermeiden“ sei, den Volksbanken aber trotzdem "Kredite für die Zeichnung neuer Aktien bei zukünftigen Kapitalerhöhungen“ genehmigte. Mit dem Geld sollten vor allem klamme Sektormitglieder unterstützt werden. Der vom Staatsanwalt geprüfte Verdacht: Die ÖVAG habe sich Kapitalerhöhungen selbst gezahlt - was allerdings zurückgewiesen wird. ÖVAG-Sprecher Walter Gröblinger: "Wir können diesen Vorwurf nicht nachvollziehen und sehen auch keine Hinweise dafür.“

So wie die Fakten liegen, wird es ohne weiteres Steuergeld für die ÖVAG wohl nicht gehen. Für Finanzministerin Maria Fekter wäre das im Wahlkampf ein Horrorszenario. Ihr Glück: Bis zur Nationalratswahl im September wird es wahrscheinlich keine bösen Überraschungen geben. Da kann sie auf Bankchef Koren vertrauen. Der große Knall wird erst danach kommen.

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3,8 Mrd. € muss die ÖVAG heuer an Krediten zurückzahlen. Von 2014 bis 2017 sind weitere 6 Milliarden Euro zu tilgen. Sollten die Volksbanken das nicht stemmen können, muss der Staat einspringen.

1,9 Mrd. € an ÖVAG-Finanzierung stecken in der kaputten Volksbank Romania. Dort ist jeder dritte Kredit notleidend (1,2 Mrd. Euro). In der ÖVAG-Bilanz bunkern faule Kredite von in Summe 2,8 Mrd. Euro.

11,6 Mrd. € beträgt das Risiko des Staats bei ÖVAG und deren Ex-Tochter Kommunalkredit. Davon sind 8,9 Mrd. Euro Haftungen und der Rest Kapitalspritzen.

Durch die "Anstaltslösung" muss der österreichische Staat auch für alle Haftungen aus dem Bundesland Kärnten aufkommen. Die Staatsschulden und Risiken für den Bund steigen dadurch unmittelbar.
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