Mensdorff: "Ich habe aufhören wollen mit Hendln und Froschschenkeln"

Mensdorff: "Ich habe aufhören wollen mit Hendln und Froschschenkeln"

"Ich gehe davon aus, dass ich die Vorwürfe widerlegen kann in den nächsten Tagen", stellte Alfons Mensdorff-Pouilly zu Beginn seiner Einvernahme klar. Im Anschluss schilderte er seine Herkunft und seinen beruflichen Werdegang: "Momentan bin ich ganz zufrieden als Bauer."

Er habe 1980 den elterlichen Hof im Südburgenland übernommen, der zu diesem Zeitpunkt "klein und schwer verschuldet" gewesen sei: "Meine Mutter hat den Vater in Pension geschickt und den Betrieb mir übergeben in der Hoffnung, dass ich den Betrieb auf neue Beine stellen und retten kann."

Im weiteren Verlauf habe er begonnen, "aus der Jagd Geld zu machen" und Flächen gepachtet und dazu gekauft. Er sei alsbald drauf gekommen, dass ohne "ein Gebäude, wo man gutzahlende Jagdgäste unterbringen kann, keine Geschäfte machen kann", erläuterte Mensdorff-Pouilly. Folglich habe er "das Haus, das sich der Staatsanwalt so wünscht" (das Schloss in Luising, Anm.) gebaut.

Befragt nach dem Wert der Liegenschaft, bemerkte der Angeklagte launig: "Das Glumpert ist schon einiges Wert. Vielleicht finden's jemanden, der's um eine Million kauft."

Sein Jagdgeschäft habe in den vergangenen Jahren 150.000 bis 200.000 Euro abgeworfen, verriet der 59-Jährige, der 1988 in Wien seine eigene Firma gegründet hatte. Ursprünglich habe er damit Handelsgeschäfte gemacht: "Froschschenkel gekauft und verkauft, Wild gekauft und verkauft, Schnecken von Ungarn nach Frankreich gebracht."

1978 habe er Timothy Landon kennengelernt, der ihm den Kontakt zu BAE Systems legte, erinnerte sich Mensdorff. 1985 habe ihn Landon nach London bestellt ("Ali, komm her") und ihn ersucht, sich zu informieren, weshalb in Österreich damals die Draken angekauft wurden und nicht die Abfangjäger, die der britische Konzern angeboten hatte. Die Recherchen und die Ergebnisse des Grafen verliefen offenbar zufriedenstellend - Mensdorff-Pouilly bekam einen Berater-Vertrag von BAE Systems, weil Landon "am gesamten ehemaligen Comecon-Bereich interessiert war und da jemanden in Wien sitzen haben wollte". Er sei gern in diesen Geschäftszweig eingestiegen, schilderte Mensdorff: "Ich habe aufhören wollen mit Hendln und Froschschenkeln."

Auf die Frage nach seiner wirtschaftlichen Ausbildung verwies der 59-Jährige auf "den alten Kommerzialrat Traxler, bei dem ich nach der Schule als Sekretär begonnen habe. Das war eine wunderbare Ausbildung für mich."

Keine Zetteln für BAE

Alfons Mensdorff-Pouilly hat den Rüstungskonzern BAE Systems nur mündlich beraten. Die Entscheidungsträger dort hätten seine Informationen gar nicht „auf Zetteln“ haben wollen. Die schriftlichen Berichte, die er ablieferte, hätten nur der Administration gedient und daher auch „Bla-Bla“ enthalten. Die habe er nicht einmal selbst geschrieben, sondern seine Mitarbeiter. „Ich kann quatschen, aber nicht schreiben“, sagte Mendorff bei seiner gerichtlichen Einvernahme.

Gefragt, wie viel so ein Ratschlag wert war, antwortete Mensdorff: „Er war im Monat immer ein paar Tausend Euro wert.“

Seine Aufgabe sei es gewesen, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs den osteuropäischen Markt aufzuarbeiten. Es habe ja damals Manager gegeben, die den Unterschied zwischen Slowenien und der Slowakei nicht gekannt hätten. Diesen Unterschied zu erklären, sei aber nicht seine Leistung gewesen. Er habe Kontakte geknüpft und Informationen gesammelt.

Warum BAE einen externen Berater benötigte, obwohl das Unternehmen eigene Büros etwa in Prag und Budapest hatte, erklärte Mensdorff damit, dass „fast alle Konzerne das so machen“. Sie hätten „offene“ und „versteckte Berater“. Die offenen seien firmeneigene Leute gewesen, „die Durchschnittsarbeit gemacht haben“. Seine Tätigkeit sei es u.a. auch gewesen zu schauen, was diese firmeneigenen Leute machen.

Nach einem konkreten Beispiel für einen Ratschlag gefragt, sagte Mensdorff, er habe BAE bei einem Kompensationsgeschäft in Ungarn von einem falschen Standort für eine Investition abgeraten und den richtigen herausgefunden. Qualifikationen für diese Beratertätigkeit habe er „keine“ gehabt, aber wenn man ein politisches Gespür habe, „nicht ganz deppert ist“ und ein paar Verwandte und Bekannte im Osten habe, habe man Verbindungen. „Diese Verbindungen waren mehr wert als vier akademische Abschlüsse“, so Mensdorff. Dadurch habe er Informationen und Kontakte bekommen, „die nicht so leicht zu kriegen waren“.

Dass er ab 2003 das Geld von BAE nicht mehr über sein Beratungsunternehmen MPA in Wien, sondern über die panamesische Valurex bekommen habe, begründete Mensdorff damit, dass der Konzern für Geschäfte außerhalb Österreichs das so gewollt habe: „Ich habe nicht gefragt, warum die das wollten.“

"Kein Lobbyist"

Die Frage von Richter Stefan Apostol, ob er ein Lobbyist sei, verneinte Alfons Mensdorff-Pouilly kategorisch: "Als Lobbyist muss ich zu einem Entscheidungsträger gehen. Meine Aufgabe war umgekehrt herauszufinden, was Leute wollen, und Ratschläge zu geben."

Mensdorff räumte ein, mit Entscheidungsträgern gejagt zu haben: "Ich habe ganze Jagden veranstaltet für BAE-Leute. 1988, 89, bis 2005." Mit Geldflüssen an Entscheidungsträger oder Dritte habe er aber nie etwas zu tun gehabt.

Für seine Beratertätigkeit sei er mit monatlichen Zahlungen entlohnt worden, die sich aus Fixbeträgen und Spesen zusammensetzten. In sogenannte Third Party Payments - im Gerichtsakt ist immer wieder davon die Rede, der Staatsanwalt geht davon aus, dass mit dem im BAE-Konzern geläufigen Terminus Bestechungsgelder gemeint waren - sei er niemals involviert gewesen, versicherte der Angeklagte.

Die Vermutung, Third Party Payments wären mit Bestechungsgeldern gleichzusetzen, sei "eine Interpretation. Ich kann sie nicht nachvollziehen", so Mensdorff. Er sei bei Drittzahlungen nie von Korruption ausgegangen. Seine Devise sei immer gewesen "Bestechungen sind zu gefährlich. Wir brauchen das nicht. Die Politiker brauchen das nicht. Die wollen politischen Erfolg haben, aber kein Geld", gab er zu Protokoll. Folglich habe er BAE auch immer mit der Begründung "Ich selber hab's nie gebraucht" von allfälligen Bestechungsversuchen abgeraten.

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