Neuer Zoff im Hause Meinl

Die Staatsanwaltschaft Wien hat Erhebungen gegen Meinl-Bank-Vorstand Robert Kofler wegen möglichem Insider-Missbrauch eingeleitet.

Gigantische 17,8 Millionen Euro waren die drei im Vorjahr wert. Umgerechnet in Schilling, kassierten Julius Meinl, Robert Kofler und Peter Weinzierl 245 Millionen als Vorstände der Meinl Bank. Der größte Teil davon – kolportiert werden rund 7,3 Millionen Euro – soll auf dem Konto von Kofler gelandet sein. Warum der so viel erhielt? Im Bankvorstand ist Kofler für die Betreuung institutioneller Kunden zuständig.

In dem Zusammenhang hatte der 51-jährige Finanzmanager 2007 alle Hände voll zu tun: Die Affäre rund um die börsennotierten Meinl-Gesellschaften MAI, MEL und MIP schreckte nicht nur mehr als 100.000 Kleinanleger auf, sondern auch die großen Fische, wie millionenschwere Investmentfonds, Pensionskassen, Privatstiftungen und Versicherungen. Kofler musste sie in unzähligen Privatgesprächen besänftigen. Für den Meinl-Vorstand war das hart verdientes Geld.

Handverlesene Klienten besuchte Kofler offensichtlich nicht erst nach Ausbruch der Meinl-Affäre im August 2007, sondern viel früher. In den Monaten davor klapperte er Finanzinvestoren in Wien, Frankfurt und London gezielt ab, um für die Börsengänge von Meinl Airport International (MAI) und Meinl International Power (MIP) Stimmung zu machen. Dabei soll er auch ausführlich über kursstützende Aktivitäten bei der Meinl European Land (MEL) geplaudert haben.

Erhebungen wurden ausgeweitet. Rückblickend betrachtet dürfte Kofler aber übers Ziel hinausgeschossen sein. Nun wird ihm vorgeworfen, gesetzliche Insiderregeln verletzt zu haben. Immerhin waren die MEL-Rückkäufe der Öffentlichkeit nicht bekannt und sehr wohl kursrelevant.

Ausführlich untersucht wurde die Gesprächsfreude des Meinl-Bankers in den vergangenen Monaten durch die Finanzmarktaufsicht (FMA). Das Ergebnis der brisanten FMA-Prüfung liegt FORMAT nun exklusiv vor: „Die FMA hat (...) im Jänner 2008 eine Untersuchung wegen möglichem Missbrauch von Insiderinformationen eingeleitet. (...) Am 20. März 2008 wurde eine Anzeige an die Staatsanwaltschaft Wien erstattet“, heißt es in einem FMA-Bericht ans Finanzministerium vom 20. August 2008. „Mit weiteren Aufträgen seitens der Staatsanwaltschaft ist zu rechnen.“ Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien, Gerhard Jarosch, bestätigt: „Uns liegt eine Anzeige gegen Robert Kofler vor. Die FMA wurde beauftragt, die Erhebungen auszuweiten.“ Geprüft wird der Insiderverdacht (Aktenzahl 608 St 2/08t) vom leitenden Wirtschaftsstaatsanwalt Karl Schober höchstpersönlich. „Ich wurde noch nicht einvernommen“, lässt Kofler – für ihn gilt die Unschuldsvermutung – via Pressestelle ausrichten. Die Insidervorwürfe gegen ihn weist die Meinl Bank zurück.

Parallel zum Insiderthema läuft das Meinl-Hauptverfahren (AZ: 608 St 1/08 w). Dort hat die Justiz Julius Meinl, Peter Weinzierl und Karl-Heinz Grasser – auch für sie gilt die Unschuldsvermutung – wegen Betrugs und Untreue im Visier. Auch hier dreht sich alles um die ominösen MEL-Zertifikatsrückkäufe im Wert von 1,8 Milliarden Euro.

Strenge Insiderregeln. „Wer als Insider eine Insider-Information mit dem Vorsatz ausnützt, sich oder einem Dritten einen Vermögensvorteil zu verschaffen, indem er (...) diese Information einem Dritten zugänglich macht“, dem drohen laut Gesetz Strafen von bis zu fünf Jahren Gefängnis. Nach Einvernahme von mehreren Zeugen sah die FMA bei Robert Kofler zumindest den Missbrauchsverdacht bestätigt.

Dass das Management der Meinl Bank, also auch Kofler, über die MEL-Rückkäufe früh informiert war, steht mittlerweile außer Streit. In einem FMA-Strafbescheid wegen Marktmanipulation, der vom Unabhängigen Verwaltungssenat vollinhaltlich bestätigt wurde, wird auf ein internes Papier verwiesen, das den Informationsvorsprung dokumentiert: „Aus der Aufstellung geht hervor, dass die Meinl Bank im Auftrag der MEL für die Somal Avv zwischen 9. 2. und 1. 8. 2007 insgesamt 88,8 Millionen Zertifikate für den Emittenten rückerwarb. Dies geschah, ohne die Öffentlichkeit zu informieren.“ Die späte Meldung am 23. 8. 2007 löste einen Kurssturz von fast 20 Prozent aus. „Der Inhalt dieser Nachricht ist somit eindeutig als kursrelevant einzustufen.“ Informationen, die Robert Kofler laut FMA für ausgewählte Kunden zu nutzen wusste.
Neuer Zoff im Hause Meinl

Meinl-Bank-Vorstand Robert Kofler wurde von der Finanzmarktaufsicht angezeigt. Der Staatsanwalt ermittelt nun wegen mutmaßlichen Insiderhandels.

Gigantische 17,8 Millionen Euro waren die drei im Vorjahr wert. Umgerechnet in Schilling, kassierten Julius Meinl, Robert Kofler und Peter Weinzierl 245 Millionen als Vorstände der Meinl Bank. Der größte Teil davon – kolportiert werden rund 7,3 Millionen Euro – soll auf dem Konto von Kofler gelandet sein. Warum der so viel erhielt? Im Bankvorstand ist Kofler für die Betreuung institutioneller Kunden zuständig.

In dem Zusammenhang hatte der 51-jährige Finanzmanager 2007 alle Hände voll zu tun: Die Affäre rund um die börsennotierten Meinl-Gesellschaften MAI, MEL und MIP schreckte nicht nur mehr als 100.000 Kleinanleger auf, sondern auch die großen Fische, wie millionenschwere Investmentfonds, Pensionskassen, Privatstiftungen und Versicherungen. Kofler musste sie in unzähligen Privatgesprächen besänftigen. Für den Meinl-Vorstand war das hart verdientes Geld.

Handverlesene Klienten besuchte Kofler offensichtlich nicht erst nach Ausbruch der Meinl-Affäre im August 2007, sondern viel früher. In den Monaten davor klapperte er Finanzinvestoren in Wien, Frankfurt und London gezielt ab, um für die Börsengänge von Meinl Airport International (MAI) und Meinl International Power (MIP) Stimmung zu machen. Dabei soll er auch ausführlich über kursstützende Aktivitäten bei der Meinl European Land (MEL) geplaudert haben.

Erhebungen wurden ausgeweitet. Rückblickend betrachtet dürfte Kofler aber übers Ziel hinausgeschossen sein. Nun wird ihm vorgeworfen, gesetzliche Insiderregeln verletzt zu haben. Immerhin waren die MEL-Rückkäufe der Öffentlichkeit nicht bekannt und sehr wohl kursrelevant.

Ausführlich untersucht wurde die Gesprächsfreude des Meinl-Bankers in den vergangenen Monaten durch die Finanzmarktaufsicht (FMA). Das Ergebnis der brisanten FMA-Prüfung liegt FORMAT nun exklusiv vor: „Die FMA hat (...) im Jänner 2008 eine Untersuchung wegen möglichem Missbrauch von Insiderinformationen eingeleitet. (...) Am 20. März 2008 wurde eine Anzeige an die Staatsanwaltschaft Wien erstattet“, heißt es in einem FMA-Bericht ans Finanzministerium vom 20. August 2008. „Mit weiteren Aufträgen seitens der Staatsanwaltschaft ist zu rechnen.“ Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien, Gerhard Jarosch, bestätigt: „Uns liegt eine Anzeige gegen Robert Kofler vor. Die FMA wurde beauftragt, die Erhebungen auszuweiten.“ Geprüft wird der Insiderverdacht (Aktenzahl 608 St 2/08t) vom leitenden Wirtschaftsstaatsanwalt Karl Schober höchstpersönlich. „Ich wurde noch nicht einvernommen“, lässt Kofler – für ihn gilt die Unschuldsvermutung – via Pressestelle ausrichten. Die Insidervorwürfe gegen ihn weist die Meinl Bank zurück.

Parallel zum Insiderthema läuft das Meinl-Hauptverfahren (AZ: 608 St 1/08 w). Dort hat die Justiz Julius Meinl, Peter Weinzierl und Karl-Heinz Grasser – auch für sie gilt die Unschuldsvermutung – wegen Betrugs und Untreue im Visier. Auch hier dreht sich alles um die ominösen MEL-Zertifikatsrückkäufe im Wert von 1,8 Milliarden Euro.

Strenge Insiderregeln. „Wer als Insider eine Insider-Information mit dem Vorsatz ausnützt, sich oder einem Dritten einen Vermögensvorteil zu verschaffen, indem er (...) diese Information einem Dritten zugänglich macht“, dem drohen laut Gesetz Strafen von bis zu fünf Jahren Gefängnis. Nach Einvernahme von mehreren Zeugen sah die FMA bei Robert Kofler zumindest den Missbrauchsverdacht bestätigt.

Dass das Management der Meinl Bank, also auch Kofler, über die MEL-Rückkäufe früh informiert war, steht mittlerweile außer Streit. In einem FMA-Strafbescheid wegen Marktmanipulation, der vom Unabhängigen Verwaltungssenat vollinhaltlich bestätigt wurde, wird auf ein internes Papier verwiesen, das den Informationsvorsprung dokumentiert: „Aus der Aufstellung geht hervor, dass die Meinl Bank im Auftrag der MEL für die Somal Avv zwischen 9. 2. und 1. 8. 2007 insgesamt 88,8 Millionen Zertifikate für den Emittenten rückerwarb. Dies geschah, ohne die Öffentlichkeit zu informieren.“ Die späte Meldung am 23. 8. 2007 löste einen Kurssturz von fast 20 Prozent aus. „Der Inhalt dieser Nachricht ist somit eindeutig als kursrelevant einzustufen.“ Informationen, die Robert Kofler laut FMA für ausgewählte Kunden zu nutzen wusste.

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#Meinl Bank
 

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