Klagen für den Puppenspieler

Die erste Schadenersatzklage gegen Julius Meinl und Co liegt bei Gericht. Weitere sollen folgen. Der Meinl Bank drohen Milliardenforderungen.

Stefan Kreitner ist ein viel beschäftigter Mann. Zu Wochenbeginn erhöhte sich das Arbeitspensum des am Wiener Handelsgericht tätigen Richters schlagartig. Der Grund: Die österreichweit erste Schadenersatzklage in der Affäre Meinl European Land (MEL) wurde bei ihm eingebracht und läuft seither unter der Aktenzahl 48 Cg 3/08p. Die klagende Partei – ein Privatanleger, dessen im August 2006 getätigtes MEL-Investment binnen eines Jahres 15.983,63 Euro Verlust gebracht hat – wird durch Rechtsanwalt Dieter Böhmdorfer vertreten. Der Exjustizminister klagt nicht nur die Meinl Bank sondern deren gesamten Dreiervorstand, bestehend aus Julius Meinl V., Robert Kofler und Peter Weinzierl zur ungeteilten Hand. Er verlangt, seinem Mandanten die 15.983,63 Euro Schaden zuzüglich vier Prozent Zinsen sowie die Kosten des Verfahrens zu ersetzen. Böhmdorfer: „Binnen 14 Tagen bei sonstiger Exekution.“
Obwohl die Streitsumme für die Millionäre der Meinl Bank mickrig ist, birgt Böhmdorfers Vorgehen hohe Brisanz. Es handelt sich um eine Art Musterverfahren, dem wohl viele Klagen folgen werden. Der Advokat selbst vertritt zahlreiche weitere MEL-Anleger.
Böhmdorfer listet in der FORMAT exklusiv vorliegenden Klagsschrift auf insgesamt 28 Seiten (exklusive 56 Beilagen) zahlreiche Vorwürfe gegen Julius Meinl auf. Außerdem wird dieser als zentrale Figur bei der börsennotierten MEL dargestellt, die alle Fäden in der Hand hielt. „Julius Meinl war der Strippenzieher bei Meinl European Land“, sagt Böhmdorfer, „die Manager waren und sind Marionetten, die der Puppenspieler Meinl meisterhaft zu bedienen weiß.“

Der Böhmdorfer-Vorstoß könnte eine Lawine auslösen. Ein Rundruf unter potenziellen Meinl-Klägern bestätigt, dass bald mit weiteren Zivilrechtsklagen zu rechnen ist. Advofin-Chef Franz Kallinger, der laut eigenen Angaben 3.500 MEL-Geschädigte vertritt: „Wir haben zwei Gutachten in Auftrag gegeben, die kapitalmarktrechtliche Verfehlungen der Meinl-Gruppe untersuchen. Wenn die fertig sind, reichen wir unsere Klagen ein.“ Kallingers Advokat Ulrich Salburg präzisiert: „3.000, 10.000 oder 50.000 Euro – die Schadenssummen variieren.“
Der Grazer Rechtsanwalt Harald Christandl, der für rund 300 Personen Klagen gegen die Meinl Bank vorbereitet: „Einem Mandanten ist ein Schaden von rund einer Million Euro entstanden. Das wird teuer für die Meinl Bank.“ Bei einer Gesamtzahl von mehr als 100.000 MEL-Aktionären muss die Meinl Bank mit kumulierten Schadensforderungen in Milliardenhöhe rechnen.
„Heute steht fest, dass dieses Vertrauen der Anleger das Ergebnis einer raffinierten Irreführung war, die durch gemeinsames gesetzwidriges Vorgehen von den beklagten Parteien herbeigeführt wurde“, heißt es im Papier des früheren Justizministers: „Motiv (…) war es, über den Kapitalmarkt Finanzmittel (…) zu lukrieren und (…) überhöhte Entgelte für die erstbeklagte Partei und die von ihr gegründeten Tochterfirmen (insbesondere die Managementgesellschaften) für erbrachte Dienstleistungen zu verrechnen.“

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Neues Privatgutachten zum Risikoverhalten der MEL vorgestellt. Meinl-Anwalt: "Natürlich haben wir eine Klassenjustiz".
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