Das erste Buwog-Gutachten

Karl Petrikovics ist wohlhabend. Der Ex-Chef der Immofinanz kauft sich Appartements am Wörthersee, fährt einen schnittigen Aston Martin und speist oft in Nobelrestaurants. Seinen Reichtum verbirgt er nicht. Für Immofinanz-Anleger, die Geld verloren haben, ist das blanker Hohn.

Das erste Buwog-Gutachten

Vor der Justiz fürchtet sich Petrikovics nicht. Der Staatsanwalt fischt nach großen Hechten. Karpfen wie er bleiben da verschont. Eine erste Anklage wegen dubioser Optionsgeschäfte ist zwar fertig, doch die große Anklage gibt es nach vier Jahren Ermittlungen noch immer nicht.

Nun könnte es Petrikovics aber an einer Nebenfront erwischen, wo er bisher als Randfigur galt: der Buwog-Affäre.

Bekanntlich kam der Skandal erst durch eine von Petrikovics veranlasste Provisionszahlung an Peter Hocheggers zypriotische Briefkastenfirma Astropolis ins Rollen. Die Polizei interessierte sich in der Folge für Karl-Heinz Grasser und seine Freunde Walter Meischberger und Ernst Plech, die sich die Provisionen geteilt haben sollen. Petrikovics war zweitrangig. Doch nun ist alles anders.

Das erste Gutachten in der Buwog-Affäre ist fertig. Die FORMAT exklusiv vorliegende Expertise zum "Faktum Astropolis“ ist 108 Seiten stark und belastet Petrikovics. Zudem stützt der Sachverständige Gerhard Altenberger den Untreueverdacht der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKSta) gegen Karl-Heinz Grasser und Co.

Petrikovics dürfte laut Gutachten die freihändige Geldvergabe als gleichzeitiger Chef von Immofinanz AG, Immoeast AG und Constantia Privatbank (CPB) sowie deren Tochterfirmen zum Verhängnis werden. Zur Erinnerung: Petrikovics schloss als Immofinanz-Vorstand mit Hochegger eine Vereinbarung, die ihm bei der Privatisierung von 60.000 Bundeswohnungen 2004 zum Sieg verhelfen sollte. Petrikovics war erfolgreich. Das Erfolgshonorar von 9,61 Millionen Euro, ein Prozent des Kaufpreises, wurde an Astropolis gezahlt und von dort auf drei Konten in Liechtenstein verteilt, welche der Staatsanwalt mittlerweile KHG, Meischberger und Plech zuordnet.

Fatale Scheinrechnungen

Die Provision zahlte aber nicht die Immofinanz AG, sondern die ebenfalls von Petrikovics geführte CPB Corporate Finance Consulting (CPB-CFC) - und das ist laut Gutachten der springende Punkt. Was auf den ersten Blick wie eine juristische Spitzfindigkeit aussieht, könnte Petrikovics nun eine Gefängnisstrafe von bis zu zehn Jahren einbringen. Denn laut Gerichtsgutachten zahlte "die CPB-CFC auf Basis von ‚Scheinrechnungen‘ mit ‚erfundenen‘ Rechnungsinhalten Provisionen von insgesamt 9.912.812 Euro“.

Das war nicht okay. So kommt der Gutachter Altenberger zum Schluss, dass den zahlenden Gesellschaften am Ende zumindest "ein Vermögensnachteil von 7.582.287 Euro entstanden“ sei, den entweder die CPB-CFC oder die Immoeast AG zu beklagen habe. Letzterer wurden die Zahlungen an Astropolis widerrechtlich weiterverrechnet.

In einem vertraulichen WKSta-Bericht zum "Verkauf der Bundeswohnbaugesellschaften - Aktenzahl 12 St 8/11x“, der dem Justizministerium vorliegt, heißt es unmissverständlich: "Zusammengefasst erlangte die CPB-CFC durch die Begleichung dieser Rechnungen über insgesamt 9.912.812 Euro keine vermögenswerte Gegenleistung, sodass den Geschäftsführern Karl Petrikovics und Christian Thornton das Verbrechen der Untreue angelastet ist.“ Denn die CPB-CFC zahlte an Hochegger und Co, "obwohl die in Rechnung gestellten Leistungen nicht erbracht wurden“.

So kommen auch Hochegger und die drei Provisionsempfänger in Liechtenstein unter Druck. Sie alle werden als sogenannte Beitragstäter zur mutmaßlichen Straftat von Petrikovics und Thornton gesehen. "In diesem Zusammenhang wird auch gegen Karl-Heinz Grasser, Walter Meischberger, Ernst Plech und Peter Hochegger wegen Beteiligung an dieser Untreuehandlung ermittelt“ , heißt es im WKSta-Bericht. Sie sollen von Anfang an in Petrikovics’ Buwog-Plan eingebunden gewesen sein.

Im WKSta-Bericht wird der Masterplan so geschildert: "Anfang des Jahres 2004 wandte sich Walter Meischberger anlässlich der seitens der Republik Österreich bewirkten Verkaufsausschreibung der Bundeswohnbaugesellschaften an Peter Hochegger und schlug diesem vor, für das Bieterkonsortium, bestehend aus Raiffeisenlandesbank OÖ, Hypo OÖ, Wiener Städtische Versicherung, OÖ Versicherung und Immofinanz, eine Strategie zu entwickeln, um diese Ausschreibung zu gewinnen. Hochegger sollte den Kontakt zur Immofinanz bzw. Karl Petrikovics herstellen, während Meischberger sein ‚politisches Netzwerk‘ zur Verfügung stellen wollte. Von Ernst Plech wurde Meischberger und Hochegger empfohlen, einen Vertragsentwurf für das von beiden mit dem Konsortium beabsichtigte Geschäft bei einem Ernst Plech bekannten Anwalt entwerfen zu lassen.“

Das Buwog-Quartett organisierte sich früh: "Karl-Heinz Grasser als damaliger Bundesminister für Finanzen und seine Vertrauten Walter Meischberger, Ernst Plech und Peter Hochegger vereinbarten zu einem nicht mehr feststellbaren Zeitpunkt vor 2004, aus diversen von der Republik Österreich durchzuführenden Privatisierungen einen finanziellen Eigennutzen zu ziehen“ , so der Bericht der Staatsanwaltschaft. Der Verkauf der Bundeswohnungen gehörte dazu. Durch den Buwog-Zund überbot Petrikovics die Konkurrenz um eine Million Euro und zahlte 961 Millionen.

Der Buwog-Prozess kommt 2013

Das erste gerichtliche Buwog-Gutachten nährt den Verdacht, dass Plech und KHG vom Deal profitierten. Plech wird durch Bankunterlagen belastet, die ihn als Buwog-Kontoinhaber deklarieren. Aussagen von Treuhändern bringen Grasser unter Druck. Dass Buwog-Gelder an ihm zuordenbare Briefkastenfirmen geflossen sind, rundet das Bild ab.

Karl Petrikovics und alle anderen genannten Personen haben seit der Eröffnung des Buwog-Verfahrens im September 2009 alle strafrechtlichen Vorwürfe stets vehement zurückgewiesen. Das Altenberger-Gutachten spricht nun gegen die Beteiligten.

Damit scheint ein Buwog-Prozess im Jahr 2013 unausweichlich zu sein.

Ein Immobilienmakler sucht einen Käufer für die Villa von Walter Meischberger. Wie der bauernschlaue "Meischi“ den Millionendeal in Wien-Grinzing gerichtlich blockiert.
 

Walter Meischberger: Der Kampf um seine "Skandalvilla"

Der jüngste Streit des Walter Meischberger findet wieder einmal vor …

Am Freitag wurde im Immofinanz-Strafprozess im Wiener Landesgericht ein Urteil gefällt: Das Schöffengericht befand Petrikovics (sechs Jahre Haft), Schwager (4,5 Jahre Haft) und Thornton (drei Jahre bedingt) für schuldig.
 

Immofinanz-Prozess: Sechs Jahre Haft für Karl Petrikovics

Im Immofinanz-Prozess hat Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin …

Mit dem Ausbruch der Finanzkrise im Herbst 2008 fand der 15 Jahre lange Höhenflug der Immofinanz-Gruppe ein jähes Ende. Eine kurze Geschichte der größten Kapitalvernichtung der II. Republik. Allerdings: Ein Happy-End für Anleger zeichnet sich ab.
 

Aufstieg, Fall und Comeback des Immofinanz-Konzerns

Mit dem Ausbruch der Finanzkrise im Herbst 2008 fand der 15 Jahre lange …

Am 22. Jänner beginnt der lang erwartete Immofinanz-Prozess. Doch nach vier Jahren Ermittlungen rund um die Mutter aller heimischen Anleger-Affären geht es bloß um ein umstrittenes Aktien-Optionsgeschäft der fünf Beschuldigten.
 

Brennpunkt Immofinanz – Abrechnung mit dem "System Petrikovics"

Nur durch das Platzen der Immofinanz-Blase wurden die dubiosen …