Wolfgang Kulterers bittere Hypo-Tränen

Wolfgang Kulterers bittere Hypo-Tränen

Ex-Hypo-Chef Wolfgang Kulterer wird von einem Gerichtsprozess zum nächsten gereicht. Andere prominente Verurteilte gibt es im Fall Hypo nicht. Ist er ein Bauernopfer?

Wenn Wolfgang Kulterer über den Wiener Graben spaziert, wo er ganz in der Nähe die Wohnung eines Freundes bewohnt, dann kann es schon einmal vorkommen, dass er wüst angepöbelt wird. "Du Schwein, gib uns unser Geld zurück!“ ist so ziemlich das harmloseste, was der frühere Hypo Kärnten-Chef zu hören bekommt.

Deshalb lebt der 60-Jährige jetzt sehr zurückgezogen. Keine Restaurantbesuche, keine Abendveranstaltungen - Kulterer hat mit der Öffentlichkeit abgeschlossen. Auch Interviews will der frühere Bankmanager nicht geben, das habe ohnehin keinen Sinn mehr, ist er überzeugt. Den Großteil seiner Zeit verbringt der einst mächtigste Banker Kärntens auf dem Hof seiner Eltern in St. Veit an der Glan, berichten Freunde Kulterers.

Abgestrafter Manager

Dennoch, ganz entkommt Kulterer der Öffentlichkeit nicht, denn die Gerichte reichen ihn von einem Prozess zum nächsten (siehe rechts). Saß er letzte Woche noch auf der Anklagebank im Hypo-Vorzugsaktien-Prozess II, so ging es diese Woche als Beklagter in der Causa "Sonderdividende“ munter weiter. Rund 50 Prozent seiner Zeit verbringt er momentan mit Gerichtsfragen. Die Justiz-Aufarbeitung der Hypo-Misere hat Kulterer bislang zwei Haftstrafen von insgesamt 5,5 Jahren, eine Geldstrafe von 140.000 Euro - alles rechtskräftig - und eine dreimonatige Untersuchungshaft eingebracht. Eine ansehnliche Bilanz, bedenkt man, dass die Justiz in anderen Fällen, wie etwa Meinl, seit vielen Jahren ermittelt und nicht einmal eine Anklage vorweisen kann. Auch im großen Kreis der Hypo-Beschuldigten hat Kulterer mit seinen drei Verurteilungen einen Sonderstatus. Zwar schwirren auch gegen seine Nachfolger Franz Pinkl, Tilo Berlin oder Gottwald Kranebitter Strafanzeigen herum, von einer Anklage ist man auch hier noch meilenweit entfernt.

Kogler fordert weitere Strafen

Diese Tatsache hat jüngst sogar Werner Kogler , den Finanzsprecher der Grünen, erzürnt: "Es gehören sicher mehr ins Gefängnis als der Herr Kulterer“, meinte er in einer ORF-Diskussion.

Auch sonst finden sich immer öfter Leute in der heimischen Finanzszene, die hinter vorgehaltener Hand Sympathien für Kulterer erkennen lassen. Er sei ein "Bauernopfer“, komme allein zum Handkuss und müsse stellvertretend für die anderen Hypo-Totengräber seinen Kopf hinhalten.

Kulterer selbst hat sich wiederholt als Opfer politischer Machenschaften und einer polit-willfährigen Justiz skizziert. Die wirklich großen Fehler sind seiner Meinung nach erst nach seiner Hypo-Zeit passiert: So hätte sich die Höhe der Problemkredite unter bayerischer Regentschaft nahezu verdoppelt und bei der Notverstaatlichung habe man sich bestenfalls über den Tisch ziehen lassen, betonte Kulterer in der Vergangenheit immer wieder.

Er selbst habe auch Schuld auf sich geladen, weil er den falschen Leuten vertraut und den ein oder anderen Managementfehler begangen habe. Aber Verbrecher sei er keiner, sagt der Ex-Banker. Letzte Woche erst gestand Kulterer bei Gericht unter Tränen, dass er sich für die Ereignisse in der Bank bis 2006, als er Hypo-Chef war, verantwortlich fühlt. Bei der Justiz findet er damit wenig Gehör, denn diese Woche kämpft er bei Gericht gegen eine Klage, wonach Kulterer der Bank im Jahr 2008 - als er nicht mehr im Aufsichtsrat saß - durch Auszahlung der Sonderdividende Schaden verursacht habe. Der Vorwurf: Kulterer sei für die Erstellung der Bilanz 2007 zuständig gewesen, aufgrund der später die Ausschüttung passierte. Im schlimmsten Fall könnte ihn das zwei Millionen Euro kosten.

Finanziell und körperlich ruiniert

Geld, das der Banker, der früher sechsstellige Gagen gewohnt war, heute angeblich nicht mehr hat. Er sei finanziell und körperlich ruiniert, erklärte Kulterer letzte Woche vor Gericht. Tatsächlich musste sich der Ex-Banker in den letzten Jahren von seiner Pferdezucht und einem Büro in London trennen. Allein letztes Jahr haben die Kosten für seine Anwälte fast eine Million Euro verschlungen. Auch der Hof von Kulterers Eltern ist schwer belastet. In nächster Zeit wird er seine Beratungsfirma NDM verkaufen. Das soll wieder ein bisschen Geld in die Kassen spülen. So wie der kürzlich über die Bühne gegangene Steinhoff-Deal, in dem Kulterer als Investmentberater für Ex-Kika/Leiner-Eigentümer Herbert Koch tätig war.

Sollte Kulterer aber beim anhängigen Schadenersatz-Prozess verlieren, wird dieses Geld wohl nicht ausreichen. Angeblich denkt er sogar - so wie sein Ex-Vorstandskollegen Gert Xander kürzlich - an Privatkonkurs.

Auch wenn Kulterer gebrochen wirkt, ganz aufgeben will er nicht. Gegen das "Styrian Airways“-Urteil plant er ein Wiederaufnahmeverfahren und auch für seine Zeit im Gefängnis wälzt er Pläne: Er will ein Buch schreiben.

Wann genau seine Zeit in der Haft anfängt, ist aber noch nicht bekannt, denn Kulterer laboriert an einer hartnäckigen Schulterverletzung, die er sich bei einem Sturz von einem Lkw zugezogen hat. Klar ist nur: Genug Zeit zum Schreiben wird er auf jeden Fall haben.

Hintergrund: Wolfgang Kulterers Justiz-Troubles

Gerichtsverfahren machen Ex-Hypo-Chef Kulterer auch finanziell zu schaffen. Letztes Jahr gab er eine Million Euro für Anwälte aus.

1. Der Fall "Styrian Airways“
Der Oberste Gerichtshof bestätigte im Oktober 2013 Kulterers Verurteilung wegen Untreue. Haftstrafe zwei Jahre. Kulterer hätte der maroden Fluglinie einen Kredit gewährt trotz mangelnder Bonität und fehlender Sicherheiten.

"Vorzugsaktien I“
Der OGH bestätigte im Juli 2013 das Urteil gegen Kulterer wegen Untreue. Haftstrafe: 3,5 Jahre. Diese Haftstrafe hätte der Ex-Hypo-Chef diesen Jänner schon antreten müssen, hat aber wegen Erkrankung Haftaufschub bekommen.

"Vorzugsaktien II“
Dieser Prozess ist in Klagenfurt gerade im Gange. Ein Urteil wird in den nächsten Tagen erwartet. Kulterer hat hier gestanden, seine Befugnis missbraucht zu haben, indem er über Nebenabreden bei den Vorzugsaktien nicht informiert habe.

Zivilprozess "Sonderdividende“
Die Hypo Kärnten fordert von Ex-Eigentümern und Organen, darunter auch Kulterer, 50 Millionen Euro. Der Vorwurf: Die Sonderdividende hätte im Jahr 2008 nicht ausgeschüttet werden dürfen. Verliert er den Prozess, könnte das Kulterer zwei Millionen Euro kosten.

"Swap-Verluste“
Bereits 2008 fasste Kulterer seine erste Strafe aus, kam aber glimpflich davon. Wegen Bilanzfälschung im Zusammenhang mit den Swap-Verlusten aus dem Jahr 2006 musste der Ex-Hypo-Chef eine Geldstrafe in Höhe von 140.000 Euro zahlen.

"Kreditausfälle“
Die Hypo forderte wegen Kreditausfällen und Schäden aus dem Vorzusgaktiendeal I 48 Millionen Euro von Kulterer & Co, scheiterte aber in zwei Instanzen. Der Fall liegt beim OGH.

Durch die "Anstaltslösung" muss der österreichische Staat auch für alle Haftungen aus dem Bundesland Kärnten aufkommen. Die Staatsschulden und Risiken für den Bund steigen dadurch unmittelbar.
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