Hypo Alpe Adria: Klaus Liebscher sucht eine neue Führung

Hypo Alpe Adria: Klaus Liebscher sucht eine neue Führung

Aufgabe des neuen Hypo-Managers wird es sein, die Budgetbelastung aus der Abwicklung der Bank – Horrorsummen jenseits der zehn Milliarden Euro geistern herum – so gering wie möglich zu halten.

Die zentrale Rolle bei der Nachbesetzung spielt ein Mann, der die österreichische Bankenszene kennt wie kaum ein anderer: Hypo-Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Liebscher. Seit seinem Eintritt in die Genossenschaftliche Zentralbank im Jahr 1968 ist Liebscher im Finanzsektor tätig, unter anderem als General der Raiffeisen Zentralbank und später als Präsident der Nationalbank.

Als Aufsichtsratschef der Hypo Alpe-Adria ist Klaus Liebscher einer der entscheidenden Faktoren dafür, wieviel die Steuerzahler für die Abwicklung der Kärntner Bank bezahlen müssen. Es geht um ein paar Milliarden mehr oder weniger.

Liebschers Anforderungen an den kommenden Hypo-Chefabwickler formuliert er knapp: "Erstens soll er Bankerfahrung haben, zweitens über Osteuropa-Expertise verfügen, und drittens soll er Restrukturierungs-und Sanierungsarbeit leisten können.“

Dass Liebscher nur drei Monate nach der Verlängerung des Vertrages von Noch-Hypo-Chef Gottwald Kranebitter dessen Nachfolger suchen muss, dürfte den prominentesten Raucher des Landes - "Fotografieren dürfen´s mich aber nicht mit Zigarette, da hab ich schon Beschwerden bekommen“ - nur mäßig freuen. Dem Vernehmen nach gab es intensive Überredungsversuche, doch Kranebitter ließ sich von Liebscher nicht erweichen. Dessen Urlaubsplanung hat er damit gehörig durcheinander gebracht: "Meine Frau und ich haben den Urlaub abgeblasen. Jetzt gehen sich halt nur ab und zu zwei, drei Tage dazwischen aus.“ Bis zum Herbst wolle er jedenfalls die Weichen für die Kranebitter-Nachfolge stellen. Also eine Entscheidung noch vor den Wahlen? "Wahlen? Die sind für mich kein Thema. Da geht es um eine reine Sachentscheidung“. Allerdings wohl eine, bei der sich der künftige Finanzminister nicht eben zurückhaltend einbringen wird.

Liebscher, 74, der sich selbst als "nicht mehr ganz taufrischen Mann“ bezeichnet, kam selbst ziemlich überraschend zu seinem Hypo-Job, da Johannes Ditz den Aufsichtsratsvorsitz kürzlich entnervt zurückgelegt hat. Als Nachfolger muss nun der Ex-Notenbankpräsident die Kastanien aus dem Feuer holen. "Wir hatten beide das Glück, einen erfolgreichen Lebensweg gestalten zu können. Daraus ergibt sich eine gewisse Verpflichtung“, begründet Hannes Androsch, warum Liebscher sich das antut. Auch in der Finanzmarktbeteiligung AG des Bundes (Fimbag), die das staatliche Hilfspaket für die Banken koordiniert, haben die beiden das Sagen.

Heikle Gespräche. Seine exzellente Vernetzung weit über den Raiffeisensektor und ÖVP-nahe Kreise hinaus wird Liebscher in den kommenden Monaten gut brauchen können. Denn es geht auch darum, die EU für ein den Steuerzahler schonendes Hypo-Sanierungskonzept zu gewinnen. In Gesprächen mit Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia muss die Regierung verhindern, dass die EU eine rasche und verlustreiche Liquidierung der Bank verlangt. Liebscher: "Ich kenne Almunia noch aus meiner Zeit als Notenbankpräsident. Die bisherigen Gespräche sind konstruktiv verlaufen. Wir haben einen Plan vorgelegt, da wird es vielleicht noch einige Verhandlungsnotwendigkeiten geben, aber wir wollen auch das bis in den Herbst hinein finalisieren.“ Die Steuerzahler müssten beten, dass Liebscher Erfolg hat.

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