Hypo Alpe Adria: Die Schattenbank in Liechtenstein

Hypo Alpe Adria: Die Schattenbank in Liechtenstein

Eine rasche Liquidation schaut anders aus. Im April 2009 beendete die Hypo Alpe-Adria ihr Engagement am Bankenplatz Liechtenstein. Das war fünf Monate, nachdem der Staat erstmals 900 Millionen Euro in die Finanzgruppe gepumpt hatte und acht Monate vor der spektakulären Notverstaatlichung der Skandalbank. Die frühere Hypo Alpe-Adria Bank (Liechtenstein) AG firmiert seither als „Alpe Adria Privatbank in Liquidation“ (AAP).

Geschichte ist der Geldbunker in Schaan aber nach vier Jahren noch immer nicht, was kurios ist. Zwar gehört das kleine Geldhaus zu 100 Prozent der Kärntner Hypo und damit mittelbar der Republik. Doch keiner will sich am „Clusterthema Liechtenstein“, wie die Causa bankintern bezeichnet wird, die Finger verbrennen.

Was verwunderlich ist. Immerhin dokumentieren FORMAT vorliegende Polizeiberichte aus dem Hypo-Gerichtsakt (AZ: 10 St 276/09g) einen schweren Verdacht: Über die kleine Bank in Liechtenstein sind große Geldsummen geflossen – und zwar illegale Provisionen aus milliardenschweren Balkangeschäften.

Die Ermittler der Soko Hypo beziehen sich in einem Bericht an die Staatsanwaltschaft auf „Untreue- sowie Betrugshandlungen“. Die Malversationen werden „mit einer Schadenshöhe von geschätzten mehreren hundert Millionen Euro“ taxiert. Die beschuldigten Personen – die Polizei verfügt über eine Liste von mehr als 50 Verdächtigen – sollen sich „widerrechtlich und in Form von Provisionszahlungen bereichert“ haben.

500 Mille für „genannte Herren“

Der verschlungene Geldstrom nach Liechtenstein, die dubiosen Geschäfte in Ex-Jugoslawien und die Rolle der AAP als Drehscheibe wurden der Polizei von Insidern ausführlich beschrieben. Ein Zeuge laut Soko-Bericht: „Man könnte die Liste noch lange fortsetzen, kommt aber auf die Schadenssumme von vermutlich weit über sechs Milliarden Euro, wovon 400 bis 500 Millionen Euro direkt an die genannten Herren geflossen sein dürften.“ Über die AAP wurde alles das abgewickelt. Die Namen der „genannten Herren“ werden gut gehütet. Für alle gilt die Unschuldsvermutung. Die Justiz will das Verfahren nicht kommentieren.

Fakt ist: Die Klagenfurter Staatsanwaltschaft verfügt seit zwei Jahren über eine Namensliste von 52 Briefkastenfirmen in Liechtenstein, die in Zusammenhang mit der AAP gebracht werden. Auch die Hypo kennt die Namen. Zudem sitzt Hypo-Alpe-Adria-Risikovorstand Wolfgang Edelmüller seit 2010 im Verwaltungsrat der AAP. Bis dato hat Edelmüller keinen sachdienlichen Hinweis zur Aufklärung recherchiert. „Da hätten wir gleich einen Blumentopf zur AAP schicken können“, sagt ein involvierter Spitzenjurist.

Aufräumen beginnt

In der Hypo weiß daher keiner, was mit den illegalen Provisionen geschehen ist. Ein Blick in die AAP-Konten würde rasch klären, ob das Geld weiter nach Belize, Jersey oder Zypern geflossen ist. Das soll nun nachgeholt werden. Laut Liechtensteiner Firmenbuch wurden vor kurzem der Forensiker Christian Böhler und der Wirtschaftsprüfer Günther Havranek als neue Hypo-Vertreter in den AAP-Verwaltungsrat entsandt. Sie sollen nachholen, was bisher verabsäumt wurde: die Aufräumarbeit am Tatort Liechtenstein.

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