EXKLUSIV: Die irren Milliardengeschäfte der
Haider-Hypo mit dem Gaddafi-Clan

Die Skandalbank Hypo Alpe-Adria machte Millionengeschäfte mit dem Gaddafi-Clan. Streng vertrauliche Hypo-Protokolle geben Einblick in gewaltige Libyen-Deals der kleinen Haider-Hypo.

Der Trip nach Tripolis im Learjet war eine Wucht. Als Jörg Haider im Juni 2000 nach Klagenfurt zurückkehrte, kam er aus dem Schwärmen nicht mehr heraus: Der Couscous mit Hammelfleisch und der zuckersüße Pfefferminztee schmeckten einfach großartig. Beim Besuch im Beduinenzelt von Muammar al-Gaddafi hatte er eine neue Phase der Öffnung eingeleitet, schwadronierte Haider – und selbstverständlich werde Kärnten davon reichlich profitieren.

Für Letzteres sollte Wolfgang Kulterer Sorge tragen. Daher war der von Haider protegierte Chef der landeseigenen Hypo Alpe-Adria-Bank auch in Libyen mit von der Partie. Während der Landesvater mit dem Revolutionsführer Datteln kaute, bekam Kulterer schwere Kost serviert: die Anbahnung von Milliardengeschäften mit dem Gaddafi-Clan.

Die wirtschaftliche Dimension der Haider-Gaddafi-Connection und die Libyen-Deals der Hypo Alpe-Adria werden durch FORMAT exklusiv vorliegende Aktenvermerke, Vorstandsprotokolle und von Wolfgang Kulterer verfasste Reiseberichte dokumentiert. Zudem geben die vertraulichen Papiere Einblick in die über die Libyan Arab Foreign Bank (LAFB) abgewickelten Öl- und Bankgeschäfte in Europa und die via Libyan Investment Authority (LIA) gesteuerten Investitionspläne in Österreich.

Gaddafi-Millionen für Haider?

Die brisanten Unterlagen wurden bei den Ermittlungen rund um mutmaßliche Geldflüsse von Gaddafi an Jörg Haider im Vorjahr entdeckt – und werden seither streng unter Verschluss gehalten. Zur Erinnerung: Damals wurde kolportiert, dass Jörg Haider 45 Millionen Euro von Gaddafi erhalten hat. Geld, das in Liechtensteiner Stiftungen bunkern soll. Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt und die Soko Hypo im Bundeskriminalamt wollen sich gegenüber FORMAT dazu nicht äußern. „Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen, und zu Zwischenergebnissen geben wir keine Stellungnahme ab“, sagt Staatsanwalt Helmut Jamnig: „Der Abschlussbericht wird hoffentlich in den nächsten Monaten vorliegen.“ Soko-Hypo-Chef Bernhard Gaber: „Kein Kommentar.“

Dass der Sohn des Revolutionsführers, Saif Gaddafi , und der mittlerweile verstorbene Jörg Haider gut befreundet waren, ist kein Geheimnis. Dass Kulterer im Rahmen von Haiders Operation Wüstenzelt einen gewissen Mohammed H. Layas kennen lernte, wussten hingegen nur wenige. Bei Layas handelt es sich nicht nur um den mächtigen Chef des 50 Milliarden Euro schweren Staatsfonds LIA, sondern auch um den Vorsitzenden der staatlichen Außenhandelsbank LAFB.

Laut Kulterer-Reisebericht aus dem Jahr 2000 wollte Layas mit der Hypo Alpe-Adria in mehreren Bereichen kooperieren: Exportgeschäfte, Zahlungsverkehr, Veranlagung (Private Equity, Immobilien) und Investmentbanking (Beratung bei Privatisierungen). Kulterers Resümee nach dem ersten Meeting mit Layas: „Für die Hypo Alpe-Adria ergibt sich eine große Geschäftschance, insbesondere für unser Mutterhaus, weil es sich um risikoloses Abwicklungsgeschäft handelt – also kein Kreditgeschäft, sondern um Veranlagungs- und Zahlungsverkehrs- bzw. Akkreditivgeschäft. Wie viel Geschäftsvolumen wir diesbezüglich abwickeln, liegt an unseren Kapazitäten. Denn diese werden der beschränkende Faktor sein.“

Zudem erzählte Layas laut Papier, dass die LAFB schon damals alljährlich Öl- und Gasexportgeschäfte im Wert von über 16 Milliarden Euro abwickelte, wovon etwa 5,45 Milliarden Euro in Europa investiert wurden. „Veranlagt wird in Investmentfonds, in direkten Aktienbeteiligungen an Industrieunternehmungen sowie auch in entsprechend wertvollen Immobilien in den Hauptstädten Europas“ (Protokoll).

Zum „Geschäft mit Österreich“ heißt es konkret: „Die Bezahlung der Öl- und Gaslieferungen von etwa 2,5 Milliarden Schilling (Anm.: 181,7 Mio. Euro) pro Jahr sowie die Abwicklung des Gütereinkaufs in Österreich von zirka 500 Millionen Schilling (36,3 Mio. Euro) wird derzeit über Bank Austria und Raiffeisen Zentralbank abgewickelt. Etwa eine Milliarde Schilling (72,6 Mio. Euro) aus Exporterlösen wird (…) veranlagt, insbesondere in der Industrie sowie auch Cash.“ Auf Gaddafis Wunsch sollte die Hypo zum bevorzugten Bankpartner in Österreich avancieren – zulasten der Bank Austria. Den damaligen Bank-Austria-Chef Gerhard Randa soll das maßlos geärgert haben. Aktuell will die Bank Austria die Geschäftsbeziehung zur Libyan Arab Foreign Bank mit Verweis auf das Bankgeheimnis nicht kommentieren. Und Randa ist die Sache mittlerweile egal: „Gaddafi und Libyen waren nie ein Thema für mich.“

Banken als Embargobrecher

Tatsächlich wurden die ambitionierten Hypo-Pläne von Mohammed Layas rasch umgesetzt, wie aus einem Hypo-Protokoll hervorgeht: „Wir wurden eingeladen, mit der Libyan Arab Foreign Bank eine Kontoverbindung zu eröffnen, die insbesondere in den Währungen Euro, Schweizer Franken, Pfund und Dollar bestehen soll. Im Wesentlichen werden wir Veranlagungen in diesen Währungen erhalten. Des Weiteren wird uns angeboten, einen Teil des Akkreditiv- und Dokumentgeschäfts mit dem österreichischen Markt abzuwickeln, im nächsten Schritt auch für den Alpe-Adria-Markt.“

Für den An- und Verkauf von US-Dollar hatte Layas im Jahr 2000 laut Hypo-Akten besondere Ansprüche. Weil damals die US-Sanktionen gegen Libyen noch aufrecht waren, mussten Gaddafis Geldmanager tief in die Trickkiste greifen. Zitat aus dem Kulterer-Bericht: „Die amerikanische Notenbank hat in Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst ein Programm entwickelt, das sämtliche Dollar-Transaktionen, nicht nur innerhalb der USA, sondern auch darüber hinaus, im Bankenverkehr erkennt. Diese werden separiert und in weiterer Folge blockiert. Dollar-Veranlagungen werden daher so weit als möglich in Europa gehalten und zwar bei der Schweizer Creditanstalt Bankverein und bei der Hongkong Shanghai Bank in England. Sollten wir an Dollar-Veranlagungen interessiert sein, müssten wir bei diesen Banken entsprechende Konten eröffnen, so dass ein diskreter Kontoübertrag innerhalb der Bank stattfinden kann.“ Eine eingespielte Praxis, um das US-Embargo elegant zu umgehen.

In Kroatien und Österreich wollten die Gaddafis über die Hypo ebenfalls in großem Stil einsteigen. Das sollte laut FORMAT-Recherchen aber nicht direkt erfolgen, sondern verdeckt über Sondervehikel, Stiftungen oder Treuhandkonstruktionen. Die wichtigste Vorgabe: Der Name Gaddafi durfte nie offiziell aufscheinen. Der Verdacht der Hypo-Ermittler: Unter den mehr als 50 Stiftungen in Liechtenstein, wo ein Großteil der mehr als 600 Millionen Euro Hypo-Provisionen illegal gelandet sein soll, könnten auch libysche Hintermänner stehen ( FORMAT 31/10 berichtete ausführlich). Zitat aus dem Kulterer-Bericht: „Libyen ist massiv am Privatisierungsprozess in Kroatien interessiert, speziell im Bereich von Erdöl verarbeitender Industrie sowie der nachgelagerten Bereiche, wie Transporte, Tankstellennetz, Kunststoffverarbeitung aus Ölderivaten.“ Dass Libyen die wirtschaftlichen Beziehungen zu Kroatien ausbauen wollte, hat Gaddafi nie bestritten. Pikant: Ab 2000 ging die Expansion der Hypo Alpe-Adria in Südosteuropa so richtig los.

Gaddafi interessierte die ÖIAG

Auch für Gaddafi-Investments in Österreich war die Hypo unter Vorstandschef Kulterer erste Wahl, wie aus einem vertraulichen Vorstandsbericht zum „Libyenbesuch“ hervorgeht: „Jährlich veranlagt Libyen Beträge jenseits von einer Milliarde Dollar in Europa, investiert in diverse Fonds, direkt in Aktienbeteiligungen und in Liegenschaftsvermögen. Uns wurde angeboten, auch diesbezüglich die Kontaktadresse für österreichische Investments zu sein, wobei man insbesondere am Privatisierungsprozess der verstaatlichten Wirtschaft – also ÖIAG – interessiert ist.“ Konkretes Interesse gäbe es am „Aktienerwerb im Laufe der Privatisierung von Austrian Industries bzw. der ÖIAG-Betriebe“. Vorstellbar seien auch Investments in „Surrogatkapital unserer Hypo Alpe-Adria Bank Italia“ und in „konservative Bonds unseres Hauses“.

Um das Österreich-Business kümmerte sich Mustafa Zarti. Der Libyer mit österreichischem Pass wurde von seinem Freund Saif Gaddafi als Vizechef des LIA-Fonds installiert sowie als Layas-Stellvertreter. Zarti, dessen Konten in Österreich in der Vorwoche eingefroren wurden, bestätigte dem Nachrichtenmagazin „ NEWS “, dass der Gaddafi-Clan über viel Vermögen in Österreich verfügt: „Wir haben eine Beteiligung bei Wienerberger und Konten bei österreichischen Banken, die wir sehr schätzen.“ Laut der Tageszeitung „Die Presse“ liegen rund 30 Milliarden Euro zwischen Neusiedler See und Bregenzerwald. Zarti: „Ich bin am 24. Februar von meiner Position (Anm.: LIA-Vizechef) zurückgetreten. Ich weiß nicht, wer an das Geld kommen kann.“

In der Hypo Alpe-Adria weiß man das offensichtlich auch nicht. Die neue Führung unter Gottwald Kranebitter distanziert sich von der Ära Kulterer und lässt FORMAT über Pressesprecher Dominic Köfner ausrichten: „Auf Basis der derzeit vorliegenden Informationen und ‚Sanktions-Listen‘ sind uns keine Geschäftsbeziehungen zwischen Bank und sanktionierten Personen und Unternehmen bekannt.“ Die neue Hypo Alpe-Adria ist offiziell Gaddafi-frei.

Angesichts der neuen Enthüllungen klingt eine Hypo-Aussendung nach dem Haider-Trip nach Tripolis pikant: „Die Hypo Alpe-Adria-Gruppe versteht sich als atypisches Geldinstitut, das ihre Geschäftstätigkeit über die klassischen Geschäftsfelder hinaus betreibt. (…) Libysches Kapital ist bei diesen Absichten durchaus willkommen.“

– Ashwien Sankholkar

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