Die heimlichen Geschäfte des Herrn Kulterer

Die heimlichen Geschäfte des Herrn Kulterer

Wolfgang Kulterer sieht sich gerne in der Opferrolle: "Ich habe ein Leben der Bank geopfert und das eigene dabei vergessen. Jetzt stehe ich vor dem Nichts und muss mit 1000 Euro im Monat auskommen, während andere an meinem Lebenswerk viel Geld verdient haben."

Auf diese Weise versuchte der Ex-General der Klagenfurter Hypo Group Alpe-Adria (HGAA) auch bei seinem letzten Strafprozess im März 2012, das Schöffengericht für sich einzunehmen. Doch die Richterin ließ sich nicht beeindrucken und verdonnerte Kulterer in der Causa "Hypo-Vorzugsaktien“ zu dreieinhalb Jahren Haft, die er demnächst antreten muss.

Seitdem versteht Kulterer die Welt nicht mehr und schiebt die Schuld am größten Finanzskandal der Zweiten Republik anderen zu. Nicht zu Unrecht auch dem verstorbenen Landeshauptmann Jörg Haider. "Ich habe mich nie zum Nachteil der Hypo bereichert und auch keine verdeckten Firmen oder Stiftungen in Liechtenstein oder sonst wo“, so lautet eine der Aussagen von Kulterer.

Doch genau diese Verteidigungslinie des früheren Star-Bankers erscheint laut Gerichtsunterlagen, die dem trend vorliegen, in einem ganz anderen Licht. Offiziell hat Kulterer in seiner 15-jährigen Amtszeit "nur“ fünf Millionen Euro netto verdient (inklusive rund 820.000 Euro Aufsichtsratsprämien). Laut Ermittlern der Soko-Hypo sind aber starke Hinweise aufgetaucht, dass er sich die Entschädigung für sein Lebenswerk durch Nebengeschäfte im Umfeld der Bank sehr wohl aufgebessert hat.

Umwidmung

Am konkretesten ist die Verdachtslage bei einem Immobilien-Deal in Istrien aus dem Jahr 2003, der bereits im August 1999 eingefädelt wurde: Damals erwarben zwei kroatische Firmen in einem Naturschutzgebiet gegenüber der Brioni-Inseln zu einem Spottpreis 114 Hektar Küstenland, das danach prompt von den lokalen Gemeindevätern zu einer touristischen Nutzfläche umgewidmet wurde. Ein dort geplantes Luxusresort, das von der heute verstaatlichten Klagenfurter Skandalbank mit über 50 Millionen Euro vorfinanziert worden ist, kam zwar nie zustande.

Aber die Eigentumsrechte an den beiden Projektgesellschaften wanderten an zwei Aktiengesellschaften im steuerschonenden Schweizer Kanton Zug - und hinter einer vermutet die Soko-Hypo auch Kulterer, da ihr etliche Unterlagen vorliegen, "aus denen eine 1/3-Liegenschaftsbeteiligung (Wert € 11 Mio) des Dr. Wolfgang Kulterer mit einer Schweizer AG (…) am Projekt Brioni/Darija in Istrien (Gesamterlös ca. € 33 Mio) unbedingt abzuleiten ist“. So steht es in einem Zwischenbericht vom Februar 2011 an die Klagenfurter Staatsanwaltschaft.

Im Klartext: Am Weiterverkauf der Liegenschaft sollen die Schweizer Gesellschaften 33 Millionen Euro - und Kulterer demnach elf Millionen verdient haben. Dessen Anwalt Ferdinand Lanker weist die Vorwürfe zurück: "Herr Dr. Wolfgang Kulterer war nie an dem sog. Istiren-Immobilienprojekt Brioni/Darija direkt oder indirekt beteiligt.“ Nun ist der Staatsanwalt am Zug. Er muss klären, ob ein strafrechtlich relevanter Sachverhalt vorliegen könnte.

Hochgekommen ist das Ganze, weil Kulterer nicht nur mit seiner Bank, sondern auch mit seiner Frau Brigitte verheiratet war. Die wollte sich 2004 - als die Balkangeschäfte der Kärntner Hypo gerade boomten - mit ihrer Rolle als Zweitfrau aber nicht mehr abfinden und reichte die Scheidung ein. Weil sich ihr Mann bei der Aufteilung des ehelichen Vermögens dem Vernehmen nach sehr knausrig zeigte, griff die Dame Jahre später zu einer weiblichen List und bot (über ihren Bruder) der BayernLB - deren Kauf der Hypo sich als desaströs erwiesen hatte - um 1,2 Millionen Euro einschlägige Beweismittel an. Diese sollten belegen, "dass die HGAA (...) durch manipulative Eingriffe ihre Bilanzen bzw. die Eigenkapitaldecke falsch dargestellt hat“ (Soko-Hypo-Zwischenbericht).

Aus dem erhofften Deal mit den Bayern wurde nichts. Doch irgendwie bekam auch die Soko-Hypo Wind von der Sache und stellte die brisanten Unterlagen im Zuge einer Hausdurchsuchung bei Kulterers Ex-Schwager sicher, wobei die heikelsten Dokumente am Boden eines vollgestopften Mörteleimers in einem Abstellraum gefunden wurden. Jetzt stehen sie der Justiz zur Verfügung.

Es handelt sich vorwiegend um Unterlagen aus Kulterers Scheidungsverfahren, aber auch um private E-Mails und handschriftliche Notizen von ihm persönlich - die auf allerlei private Geschäfte im Umfeld der Hypo hindeuten.

Abgesehen davon stießen die Ermittler bei ihrer Razzia auch auf Kontounterlagen von der Schweizer Schroders & Co Bank AG sowie der Raiffeisen-Bezirksbank Klagenfurt (RBB). Nach bisheriger Auswertung dürften über das Schweizer Konto zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Villacher Bauunternehmer und Großkreditkunden der Hypo, Jakob Kuess, Zahlungen gelaufen sein. Bei der Klagenfurter RBB stießt die Kripo auf ein verdächtiges Wertpapierdepot mit Aktien einer ehemaligen Hypo-Beteiligung (Agrokor d.d.). Für die Ermitller stellt sich laut ihrem Bericht die Frage, "warum Dr. Wolfgang Kulterer als Hypo-Vorstandsdirektor mit seiner Ehefrau im Jahr 2003 über die RBB-Klagenfurt private Geschäfte abwickelt“. Sie hegen den Verdacht des Insiderhandels. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Interessant ist auch die Rolle der WBG Business Service GmbH aus St. Veit an der Glan sein, die im August 2001 vom Villacher Geschäftsmann Gerhard Prasser gegründet wurde. Laut einem Schreiben von Brigitte Kulterer sollte über die WBG hauptsächlich die Sanierung und Übernahme der - von der Hypo finanzierten - kroatischen Geflügelfarm Puris durchgeführt werden, die über einen ansehnlichen Immobilien-Besitz verfügte: "Da Wolfgang, aus welchen Gründen auch immer, nicht aufscheinen wollte, wurde mit G.P. eine Vertrauensperson gesucht.“ Sie selbst sei später als zweite Gesellschafterin vorgeschoben worden. Der tatsächliche Chef des Ganzen sei von Anfang an Kulterer gewesen - "das W im Firmennamen“. Laut Anwalt Lanker sind alle diese Behauptungen frei erfunden und bösartige Unterstellungen.

Wolfgang Kulterer steht im Fokus der Hypo-Ermittlungen. Bei anderen prominenten Beschuldigten legt die Justiz nicht so ein Tempo an den Tag.
#Hypo Alpe Adria #Kulterer
 

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