Causa Hypo: Die Fuchs-Haider-Rumpold-Connection

Causa Hypo: Die Fuchs-Haider-Rumpold-Connection

Bei 16 Kindern sind Krawalle programmiert. Das gilt auch für den 83-jährigen Ernst Fuchs. Den preisgekrönten Architekten, Bildhauer und Malerfürsten plagen momentan väterliche Sorgen der besonderen Art.

Sohn Michael Messner, 36, und dessen Halbbruder Stefan Messner-Nagy, 40, haben Ernst Fuchs in einen prominenten Wirtschaftsskandal hineingezogen: die Affäre Hypo Alpe-Adria.

Konkret sollen die Gebrüder Messner ein Millionenvermögen aus der Kärntner Landesbank herausgezogen haben, indem sie den prominenten Namen ihres Vaters für kriminelle Zwecke nutzten, so der Verdacht. Über die Vermittlung von Gernot Rumpold, durch die Hilfe von Jörg Haider und auf Anweisung von Wolfgang Kulterer erhielten sie 7,5 Millionen Euro Blankokredit. Für die Hypo ist das Geld wohl für immer verloren.

Die Anklage

Die FORMAT vorliegende Anklageschrift vom 3. Mai 2013 dokumentiert nicht nur das „verbrecherische Vorhaben“ beim Phantasieprojekt Paradiso, sondern zeigt, wie drei Glücksritter mit politischer Rückendeckung die Hypo geschädigt haben sollen.

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Die abenteuerliche Kreditgeschichte beginnt im Jahr 2004. Damals keimte bei den Messner-Brüdern die Idee eines Museums- und Kulterparks auf, wo die Werke ihres Vaters sowie österreichische Gegenwartskunst ausgestellt werden sollten. Als Standort wählten sie die Paradiso-Gründe aus, die in der Nähe der Fuchs-Villa in Wien-Hütteldorf liegen. In der Folge wurde die Paradiso Privatstiftung zur „Förderung der phantastischen und visionären Künste“ ins Leben gerufen. Mit der Idee im Kopf suchten sie für die Stiftung nach Kreditgebern. Doch „ sämtliche von ihnen kontaktierten Banken im Raum Wien “ weigerten sich laut Anklage das Vorhaben „wegen der mangelnden Bonität“ zu finanzieren. Daraufhin wandten sich die Messner-Brüder an Ex-FPÖ-Geschäftsführer Gernot Rumpold. Er solle doch bei einem einflussreichen Freund ein gutes Wort einlegen: Jörg Haider, damals Landeshauptmann von Kärnten und oberster Machthaber über die Landesbank Hypo Alpe-Adria.

Anruf bei Haider

„ Ungeachtet der auffallend mangelhaften Bonität der Kreditwerberin und des Umstandes, dass diese über keinerlei werthaltige Sicherheiten verfügte, erklärte der Angeklagte Gernot Rumpold den Brüdern Messner sogleich, ihnen dennoch die gewünschten Kreditmittel von über sieben Millionen Euro von der Hypo Alpe-Adria verschaffen zu können “, heißt es laut Anklage. Rumpold stellte aber eine Bedingung: „ Im Falle des Zustandekommens der Finanzierung sollen ‚Agenturleistungen‘ für dieses Projekt in Höhe von jährlich 320.000 Euro (zuzüglich Umsatzsteuer) sowie eine Kreditprovision von 2,5 Prozent direkt aus der Kreditvaluta an ihn bezahlt werden. “ Die Messners willigten ein.

Danach ging alles recht flott. Rumpold kontaktierte Haider im Herbst 2004. Der wiederum rief Hypo-Boss Kulterer an, worauf die Bank das Geld im November 2004 freigab. Formhalber wurden Kreditanträge aufgesetzt, ein Vorstandsbeschluss gefasst und das Riskmanagement befasst. Alles unnötig, denn mit Haiders Intervention war alles erledigt.

Ausgezahlt wurde das Geld im Folgejahr. Von der ersten Kredittranche von 750.000 Euro soll mehr als die Hälfte an Rumpold geflossen sein. Anklageschrift: „ Rumpold wusste, dass die Zahlung von 417.000 Euro an ihn aus der Vorauszahlung der Hypo Alpe-Adria an die Paradiso-Stiftung von 750.000 Euro stammte und er damals im Herbst 2005 davon ausging, der Teilbetrag von drei Millionen Euro der gesamten Kreditsumme von 7,5 Millionen Euro werde ohnehin nicht für den Bau des Museums, sondern für ‚Rohmaterialien, mit denen der Edelrohbau von Künstlern wie Prof. Ernst Fuchs verdelt wird‘ benötigt. “ Tatsächlich wurde kein einziger Cent aus der Hypo-Finanzierung in den Museumsbau gesteckt. Auf dem Grund in Wien-Hütteldorf wurde nie gebaut.

Das Geld ging offenbar im Traumland Paradiso verschollen. Die Staatsanwaltschaft weiß, dass die Paradiso Privatstiftung „ an das Atelier des Professor Ernst Fuchs insgesamt 1,95 Millionen Euro “ nach Monaco überwiesen hat. 254.000 Euro stellten zwei Architekten in Rechnung. Zudem gingen 222.290,21 Euro für „ Notar, Rechtsanwalt, Stadt Wien, Projektplanung “ und 298.066 Euro für „ Zinsen und Spesen “ drauf. In Summe wurden laut Anklage 3,25 Millionen Euro „ tatsächlich verbraucht “. Ob das Geld für Paradiso verwendet wurde, ist fraglich. Denn die Messner-Brüder dürften bei ihren Geschäften ordentlich getrickst haben. So gab Vater Fuchs zu Protokoll, dass er von den Millionen fürs Atelier nie etwas gesehen hat. Zeichungsberechtigt auf den Monaco-Konten waren die Messners und die haben das Geld nach Thailand geschleust, wo die Brüder leben.

Wertloses Pfand

Die Hypo musste den 7,5 Millionen Euro Kredit am Ende abschreiben – mit überraschenden Zusatzkosten. Als die Paradiso-Stiftung im Herbst 2006 ihre Kredite nicht mehr bedienen konnte, wollte die Hypo Sicherheiten verwerten: Das Baurecht im Wert von 5,85 Millionen Euro und neun Fuchs- Skulpturen, die laut Schätzgutachten bis zu 3,6 Millionen Euro wert sein sollten. Das Hypo-Problem: Die Kunstwerke lagerten in Bangkok. Weil die Paradiso-Stiftung Pleite war, musste die Hypo 70.000 Euro für den Transport nach Wien zahlen. Doch es kommt noch besser: Die Versteigerung im März 2012 brachte läppische 20.000 Euro. Zudem war das „ Pfandrecht auf ein Baurecht “ im Paradiso-Garten „ völlig wertlos “.

Der Hypo entstand aus dem Abenteuer ein Schaden von 7,26 Millionen Euro. Darum wurden die Messners, Rumpold und Kulterer wegen Untreue angeklagt. Sie weisen alle Vorwürfe zurück. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Der spektakuläre Prozess in Klagenfurt soll im Frühjahr 2014 losgehen. Künstlervater Fuchs bleibt auch diesmal nichts erspart: Der Staatsanwalt will ihn als Zeugen der Anklage vorladen.

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