BUWOG-Deal: Der Immobilienverkauf war eine Goldgrube für die Freunde von Grasser

Der BUWOG-Deal war eine Goldgrube für die Freunde von Karl-Heinz Grasser. Provisionen wurden heimlich über Briefkastenfirmen in Zypern verteilt. Beim Lobbyisten Peter Hochegger landeten so mehr als zehn Millionen Euro.

Sie waren dicke Freunde. Zwischen Karl-Heinz Grasser und Peter Hochegger passte kein Blatt Papier. Ob Umgang mit Medien, Kontakte zu Topmanagern oder die Erstellung einer privaten Homepage: Der mediengewandte Finanzminister konsultierte stets den umtriebigen PR-Experten. Doch das ist Vergangenheit. Seit über einem Jahr wechseln die beiden kein Wort mehr. Der Grund: Als Berater rebellischer Meinl-Investoren ließ die Agentur Hochegger Negativstorys über Julius Meinl V. lancieren. Auch Meinls Geschäftspartner Grasser war Ziel der Attacken. Grassers Empörung quittierte Hochegger achselzuckend. Einerseits, weil die Meinl-Rebellen sehr gut zahlten. Andererseits, weil die Quelle KHG für Hochegger längst versiegt ist.

Lukrative Männerfreundschaft
Das war nicht immer so. Die Männerfreundschaft mit Österreichs jüngstem Finanzminister (Amtszeit: 2000–2006) brachte Hochegger viel Geld. Das geht aus FORMAT exklusiv vorliegenden Rechnungen hervor, die dubiose Provisionszahlungen im Zusammenhang mit dem BUWOG-Deal des Jahres 2004 dokumentieren. Demnach flossen an eine von Hochegger eingerichtete Briefkastenfirma in Zypern mehr als zehn Millionen Euro für „Vermittlungshonorare“. Doch der 60-jährige PR-Berater ist nicht der einzige Grasser-Intimus, der vom Verkauf der Bundeswohnungen profitierte. Auch der Investmentbanker Karl-Heinz Muhr und der Immobilienmakler Ernst Karl Plech zählen zu den heimlichen Gewinnern. Ob Hochegger die Honorare geteilt hat, steht nicht fest. Plech streitet vehement ab, BUWOG-Provisionen kassiert zu haben. Muhr war bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Auslöser Immofinanz-Affäre
Die Hochegger-Provisionen wurden jedenfalls bei der gerichtlichen Aufarbeitung der Immofinanz-Affäre aufgedeckt. „Im Zusammenhang mit dem Erwerb der BUWOG wurden tatsächlich Vermittlungsleistungen verrechnet“, gab Ex-Immofinanz-Vorstand Christian Thornton gegenüber dem Staatsanwalt zu Protokoll. „Ich war mit dem Erwerb der BUWOG nicht befasst, musste aber nach Abschluss der Transaktion auf Weisung von Karl Petrikovics mit einem Herrn Hochegger von der PR-Agentur Kontakt aufnehmen. Es wurden Rechnungen von zypriotischen Gesellschaften gelegt.“ Bis zu Thorntons Aussage wusste keiner, dass Grassers Freunde beim BUWOG-Deal mitgenascht hatten. Hoch­egger macht kein Hehl daraus, Geld erhalten zu haben. Er habe Petrikovics eine Information zum BUWOG-Deal verschafft, die matchentscheidend gewesen sein soll. „Nachdem die Immofinanz als Höchstbieter den Zuschlag erhalten hat und ich der Meinung war, dass meine Information dabei mitgeholfen hat, habe ich bei der Immofinanz angeklopft, um eine Erfolgs­prämie zu bekommen“, sagt Hochegger im „WirtschaftsBlatt“.

Millionenflüsse nach Zypern
Den Vorwurf, er sei von Grasser mit Informationen über das BUWOG-Bieterverfahren versorgt worden, will Peter Hochegger gegenüber FORMAT nicht kommentieren: „Ich sage Ihnen gar nichts. Sie können mit meinem Anwalt reden.“ Rechtlich vertreten wird Hochegger von der Kanzlei Lansky, Ganzger und Partner. Advokat Gerald Ganzger: „Derzeit kein Kommentar, weil ich mir die Angelegenheit erst ansehen muss.“ Für den Starlobbyisten Peter Hochegger – seine Agentur berät etwa die Republik Kasachstan – ist die BUWOG-Bombe mehr als ärgerlich. Finanz und Justiz sitzen ihm bereits im Nacken. Seine Astropolis Investments Consulting Limited in Zypern erhielt laut FORMAT vorliegenden Dokumenten im Jahr 2006 rund sieben Millionen Euro und Ende 2007 weitere 3,5 Millionen Euro von der CPB Corporate Finance Consulting, damals eine Tochter der Constantia Privatbank. Das Finanzamt will nun wissen, ob alles ordentlich versteuert wurde. Ansonsten drohen Geldstrafen und ein Finanzstrafprozess.

Provisionen ohne Leistungen?
Am Straflandes­gericht sind Hochegger und der BUWOG-Deal längst Thema. Staatsanwalt Norbert Haslhofer hegt den schweren Verdacht, dass Scheinrechnungen ausgestellt wurden. Ein Zeuge, der unter Wahrheitspflicht aussagte, machte Haslhofer darauf aufmerksam. Der musste Ende 2006 eine Lis­te erstellen, „für welche zugekauften Objekte keine Provisionen bezahlt“ wurden. Auf Basis seiner Aufstellung hätten Petrikovics und Thornton Provisionsleistungen für Hochegger ausgetüftelt. Dessen Astropolis schickte dann die entsprechenden Rechnungen der CPB Corporate Finance Consulting, die das Geld umgehend überwies. Zitat des Zeugen: „Meines Wissens standen dahinter keine Leistungen.“ Ein anderer Zeuge brachte seine BUWOG-Erfahrung vor dem Staatsanwalt folgendermaßen auf den Punkt: „Es wurden Vermittlungsleistungen im Zusammenhang mit der Anschaffung der BUWOG durch die CPB Corporate Finance Consulting verrechnet, obwohl die BUWOG im Zuge eines Tenderverfahrens ohne Vermittlungsleistungen verkauft wurde.“

Kritik des Rechnungshofs
Die neuen Enthüllungen rücken nicht nur Hochegger, sondern den gesamten BUWOG-Deal in ein schiefes Licht. Sozialdemokraten und Grüne hatten den Verkauf schon immer schwer kritisiert: Die Bundeswohnungen seien zu billig und überhastet verkauft worden. Der Rechnungshof teilt diese Meinung und „beanstandete die mangelhafte Vorbereitung der Veräußerung“ (RH-Bericht 2007/4). Bei Entscheidungen rund um die BUWOG waren wirtschaftliche Fragestellungen zweitrangig. Wichtiger war es, die Freunde des Finanzministers unterzubringen. So wurde Ernst Karl Plech an die Spitze des BUWOG-Aufsichtsrats gehievt. Das ist jener Wiener Immobilienmakler, der im Juli mit einer GPS Immobilien GmbH durchstartete – prominenter GPS-Dritteleigentümer: Karl-Heinz Grasser.

Millionen für Verkaufsberater Lehman
Als Aufsichtsratspräsident spielte ­Plech bei der Auswahl der BUWOG-Investmentbank eine entscheidende Rolle. Auf Grassers ausdrücklichen Wunsch soll er Lehman Brothers als Verkaufsberater durchgeboxt haben. Zwar legte die CA IB das bessere Angebot und hatte auch weitaus mehr Erfahrung, dennoch machten die Amerikaner das Rennen. Der Grund: Lehman hatte den Grasser-Spezi Karlheinz Muhr an Bord – und das wirkte. Plech weist die Vorhaltungen zurück: „Ich er­innere mich an einen transparenten Verkaufsprozess. Auch die Vergabe an Lehman war transparent.“ Dass Lehman dafür rund zehn Millionen Euro kassierte, regte damals nur die Opposition auf. Peter Hochegger und Karlheinz Muhr sollen in der heißen Phase des BUWOG-Deals regelmäßig Kontakt gehalten haben, erinnert sich ein damals in den Prozess involvierter Investmentbanker. In der letzten Runde waren nur drei Bieter übrig geblieben: das Immofinanz-Konsortium (mit Wiener Städtische, RLB OÖ, OÖ Landesbank und OÖ Versicherung), die Gruppe Black­stone/conwert und die CA Immo. Letztere fühlte sich bereits als Sieger, weil sie das höchste Angebot gelegt hatte.

Wurden Gelder weiterverteilt?
Doch da änderte Muhr kurzfristig die Spielregeln und führte eine weitere Bieterrunde ein. Die Immofinanz-Gruppe bot 961,3 Millionen Euro und siegte mit einem hauchdünnen Vorsprung von 1,3 Millionen Euro. Die CA-Immo-Manager waren fassungslos. So knapp am Erfolg vorbeigeschrammt zu sein schmerzte sehr. Unter den Beratern der CA-Immo machten wilde Spekulationen die Runde, wer Petrikovics’ kongenialer Tippgeber gewesen sein könnte. Ein Investmentbanker: „Dass Petrikovics uns um Haaresbreite schlug, war kein Zufall. Das habe ich nie geglaubt.“ Angesichts der neuen Erkenntnisse könnte die Vermutung naheliegen, dass Hochegger das Missing Link ist. Der frühere Petrikovics-Vertraute Thornton macht in seiner Aussage vor dem Staatsanwalt eine inter­essante Bemerkung: „Es wurden Rechnungen von zypriotischen Gesellschaften gelegt; wer außer Hochegger dahinterstand, war bzw. ist mir nicht bekannt. Es muss sich aber um eine kleinere Gruppe gehandelt haben.“ Ob Provisionsmil­lionen über Astropolis weiterverteilt wurden, wollen Hochegger und sein Anwalt nicht kommentieren. Ankläger Norbert Haslhofer wird sich damit nicht begnügen. Die Anklagebehörde geht davon aus, dass Peter Hochegger auspacken wird – vor allem auch über sein Verhältnis zu KHG. Letzteres dürfte ihm nicht schwerfallen, denn Freunde sind sie ja nicht mehr.

Von Ashwien Sankholkar

Diese Woche startet der Prozess Karl-Heinz Grassers gegen seine Steuerberatung Deloitte.
 

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