EXKLUSIV: Ex-Flughafen-Chef Kaufmann droht Anklage

Mehr als zehn lange Jahre war Herbert Kaufmann an der Spitze der Flughafen Wien AG – bis ihn Anfang 2011 der Skandal rund um die Errichtung des Terminals „Check-in 3“ (vormals „Skylink“) den Job kostete. Seit Juli 2009 wird in der Sache gegen Kaufmann und andere frühere Flughafen-Manager ermittelt. Bislang ohne Ergebnis. Jetzt droht dem SPÖ-Manager in einer anderen Causa eine Anklage.

EXKLUSIV: Ex-Flughafen-Chef Kaufmann droht Anklage

Wie im Februar 2011 exklusiv berichtet, wurde der 63-Jährige von der ÖVP NÖ wegen umstrittener PR-Kampagnen angezeigt. Der Vorwurf: Die von Kaufmann als Flughafen-Chef veranlassten Maßnahmen hätten mehr ihm selbst als dem Unternehmen gedient.

„Dringend verdächtig“

Ein FORMAT vorliegender rund 800 Seiten umfassender „Abschluss-Bericht“ des Landeskriminalamts NÖ (GZ: B/39993/09) vom 27. November 2012 erhärtet diesen Verdacht nun. Laut den Ermittlern ist Kaufmann „dringend verdächtig, für den Zeitraum November 2003 bis Juli 2009, im Zusammenhang mit der Beauftragung der Firma Hochegger/Com, sich einen persönlichen Vorteil verschafft zu haben, (…) wodurch die FWAG einen Vermögensnachteil von zumindest 202.250 Euro erlitten haben dürfte.“ Die Staatsanwaltschaft Korneuburg prüft nun eine Anklage. Deren Sprecher Friedrich Köhl sagt: „Wir prüfen den gesamten Skylink-Komplex genau und werden danach entscheiden.“

Laut dem Bericht sei die genannte Summe zum persönlichen Vorteil von Kaufmann transferiert worden, um dessen Vorstandsmandat zu verlängern. Dafür stellte Hochegger neun Rechnungen – in Höhe von 1.500 bis 48.000 Euro. Für zwei Rechnungen gab es überhaupt keinen nachvollziehbaren Anlass („Rechnungen ohne Beauftragung“), heißt es.

Kaufmann, der als Flughafen-Berater jährlich 180.000 Euro kassiert, dementiert ein Fehlverhalten vor den Ermittlern: „Das ist deswegen falsch, weil es hat ein Erfolgsergebnis nach dem anderen gegeben. (…) Meine Verlängerung wurde im Präsidium beschlossen, da war Hochegger noch nicht an Bord beziehungsweise habe ich ihn nicht gekannt.“

Auf FORMAT-Anfrage bleibt Kaufmann, der nach wie vor im Verbund-Aufsichtsrat sitzt, bei seiner Aussage und wiederholt, dass die Vorwürfe schlicht falsch seien. Doch die Ermittler halten fest, dass Kaufmanns Angaben der Aufsichtsratssitzung vom 2. Dezember 2003 widersprechen.

Lobbying beim Bürgermeister?

Hochegger scheint Kaufmann bei der Verlängerung seines Mandats tatsächlich äußerst dienlich gewesen zu sein. Laut den Ermittlern bestand die Aufgabe von Hocheggers mittlerweile aufgelöster Agentur vor allem darin, bei den beiden Syndikatspartnern Land NÖ und Land Wien sowie bei den Medien Lobbying für die einstigen Airport-Vorstände Kaufmann und Gerhard Schmid (beide SPÖ) sowie Kurt Waniek (ÖVP) zu betreiben. Zitat aus dem Bericht: „Speziell jedoch für die Person Mag. Herbert Kaufmann bei der SPÖ und dem Land Wien (Landeshauptmann Dr. Michael Häupl), zwecks Absicherung/Verlängerung des Vorstandsmandates.“

So sagte Hochegger etwa auch aus, dass es mit Häupl „fortlaufend Gespräche“ in der Sache gegeben habe, um Kaufmann im Amt zu halten. Auf Anfrage weist Häupl Hocheggers Behauptung zurück: Solche Gespräche habe es nie gegeben.

Schmutzkübelkampagne

Für viel Aufsehen sorgte vor allem die von Kaufmann initiierte Kampagne gegen den früheren Flughafen-Händler Rakesh Sardana. 10.554 Euro musste der Airport auf Kaufmanns Geheiß zahlen, um den gebürtigen Inder von Detektiven bespitzeln zu lassen. Ziel dieser Aktion war es, den Geschäftsmann in Misskredit zu bringen. Die nüchterne Schlussfolgerung der Ermittler: „Dieser Aufwand war nicht von Nutzen für die FWAG.“

Der Ex-Airport-Händler ist mittlerweile pleite. Wie Sardana sagt, sei die Insolvenz seiner Firmen ein Ergebnis der „intriganten Hetzjagd“ gewesen, die man über viele Jahre hinweg gegen ihn abgehalten habe: „Ich arbeite jetzt daran, die Angelegenheit rasch aufzuklären und vom Flughafen Schadenersatz zu erhalten. Dies ist im Sinn der Partner und Lieferanten meines Unternehmens, die durch die vom Flughafen verursachte Pleite geschädigt wurden.“

Laut Hochegger ist auch der heutige Flughafen-Chef Julian Jäger in die Intrige gegen den gebürtigen Inder Sardana involviert. In einem Entschuldigungsschreiben von Hochegger an Sardana, datiert mit 19. März 2012, heißt es, dass Jäger in der Sache als Schnittstelle zwischen dem Flughafen Wien und seiner früheren Agentur fungiert habe. „Ziel war es, (…) Dich loszuwerden“, schreibt Hochegger an Sardana.

Jäger dementiert die Darstellung gegenüber den Ermittlern schriftlich: Richtig sei nur, dass er (Jäger) Hochegger ein- oder maximal zweimal mit dem damaligen Vorstand der Flughafen Wien AG und weiteren Mitarbeitern getroffen habe. Bei den Treffen ging es um die AUA.

Wie die Ermittler in ihrem Bericht festhalten, soll auch Jäger an Hocheggers Diensten interessiert gewesen sein: „Ein weiteres Indiz für den Einfluss des Dr. Hochegger ist der, dass selbst der heutige Vorstand Mag. Julian Jäger damals (2009) Dr. Peter Hochegger fragte, ob er ihn bei der Ablöse von Mag. Herbert Kaufmann und Bestellung zum Vorstand unterstützen würde.“ Jäger scheint diese Behauptung gelassen zu sehen und lässt ausrichten: „Behaupten kann Herr Hochegger viel, aber in diesem Fall stimmt es bestimmt nicht.“

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