EXKLUSIV: Neue Details zu den Eurofighter-Ermittlungen der Polizei

Hunderte Eurofighter-Gegengeschäfte werden nun auf Schmiergeldverdacht geprüft. Die internationale Suche nach den heimlichen Empfängern dubioser Vermittlungsprovisionen ist angelaufen.

Amag Ranshofen, Alubleche für Airbus, 75 Millionen Euro, Incuco LLC. In langen Excel-Sheets wurden die Gegengeschäfte (GG) seit 2003 feinsäuberlich aufgelistet. In der Tabellenkalkulation stehen nicht nur Partnerfirma, Auftragsbeschreibung und Vertragswert, sondern auch „involvierte Berater“.

Im konkreten Fall Amag ist das die auf der Isle of Man domizilierte Briefkastenfirma Incuco. Alle beschriebenen Projekte stehen im Zusammenhang mit dem Eurofighter-Kauf des Jahres 2003. Damals verpflichtete sich der Rüstungskonzern EADS zu Kompensationsgeschäften von insgesamt vier Milliarden Euro in 15 Jahren.

Brisant ist das lange Excel-Sheet aber aus ganz anderen Gründen: Einerseits, weil der „involvierte Berater“ immer eine fette Provision kassiert hat. Andererseits, weil die Tabelle bei einer Razzia in Rom beim mutmaßlichen EADS-Geldwäscher Gianfranco Lande sichergestellt wurde. Landes Aufzeichnungen werfen nicht nur ein schiefes Licht auf die umstrittenen Offset-Vereinbarungen, sondern lassen sie als schmierige Luftgeschäfte erscheinen.

„ Im Zuge des italienischen Ermittlungsverfahrens wurden Unterlagen aufgefunden, die einzelne Gegengeschäfte samt Vertragswert auflisten “, heißt es in den FORMAT exklusiv vorliegenden „ Anordnungen der Durchsuchung “ vom 30. Mai 2011. „ Bei einigen ist der Name jenes Subberaters angeführt, der offenbar den Vertrag vermittelt haben soll .“ Nachsatz zum Fall Amag: „ Es ist in keinster Weise erkennbar, wie ein auf der Insel Man etabliertes Briefkastenunternehmen in der Lage sein soll, ein derartiges Vertragsverhältnis anzubahnen. “

Darum hat Staatsanwalt Michael Radasztics, der die Razzien beantragt hat und der auch seit über zwei Jahren gegen den Waffenlobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly ermittelt, nun gegen die drei EADS-Lobbyisten Klaus-Dieter Bergner, Alfred Plattner und Walter Schön ein Strafverfahren wegen des Verdachts der Bestechung und der Geldwäscherei eröffnet. Auf dem Prüfstand stehen hunderte Gegengeschäfte, über 50 Partnerfirmen sowie über ein Dutzend Briefkastenfirmen und Stiftungen in Dubai, England, Liechtenstein und Slowenien, die auf der Excel-Liste benannt werden. Sie dürfen sich auf behördliche Besuche gefasst machen.

Die zentrale Frage: Was war die konkrete Leistung des „involvierten Beraters“? Die Liste der betroffenen Firmen wird von den Anklagebehörden in Rom und Wien wie ein Staatsgeheimnis gehütet.

Dem Geld auf der Spur

Die Ermittler in der neuen Causa Eurofighter (Aktenzahl: 604 St 6/11f) verfolgen nun die Geldspur, um mutmaßliche Schmiergeldempfänger aufzustöbern. Ausgangspunkt der Spurensuche ist jedenfalls eine im Jahr 2004 auf Veranlassung von EADS gegründete Vector Aerospace Ltd. mit Sitz in London ( FORMAT 23/11 berichtete ). Aus Ermittlersicht ist Vector eine Gelddrehscheibe. Denn an diese Briefkastenfirma flossen laut dem mittlerweile in U-Haft sitzenden Lande insgesamt 84 Millionen Euro. Davon sollen 55,16 Millionen Euro von EADS Deutschland stammen.

„ Vector hat in der Folge mehrere Beraterverträge mit diversen Unternehmen abgeschlossen und aufgrund dieser Verträge Zahlungen in Millionenhöhe geleistet “, heißt es in der Razzia-Anordnung. Die „ involvierten Berater “ tragen so klingende Namen wie Centro Consult Ltd., Orbital Business Development KB, Columbus Trade Services Ltd. oder Incuco. Dahinter werden „ Scheinverträge (...) für korrupte Zwecke “ vermutet. Laut FORMAT-Informationen sind daher Rechtshilfeersuchen (Stichwort: Kontenöffnungen) in Vorbereitung, um die wahren Geldempfänger zu outen.

Konkrete Ansätze haben die Behörden jedenfalls. Die in Italien sichergestellten Unterlagen enthalten Namen und Bankverbindungen. Zitat aus dem Hausdurchsuchungsbefehl: „ Columbus ist ein auf der Insel Man etabliertes Unternehmen. Laut den sichergestellten Rechnungen der Columbus an Vector verfügt dieses Unternehmen über eine Kontenverbindung bei der Royal Bank of Scotland auf der Insel Man. “ Columbus ist kein kleiner Fisch. Am 10. Mai 2005 stellte sie Vector 11,7 Millionen Euro in Rechnung.

Vom Wirtschaftsministerium wurden zwischen 2003 und 2008 insgesamt 1.065 Projekte von 251 Firmen mit einem Volumen von rund 2,29 Milliarden Euro als Gegengeschäft anerkannt – darunter auch der Amag-Deal mit Airbus. Ob Incuco zu Recht mitgeschnitten hat, wird sich wohl bald weisen.

– Ashwien Sankholkar

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