Voll entflammt - Österreichs beste Gasanbieter

Voll entflammt - Österreichs beste Gasanbieter

Österreichs Gasanbieter im FORMAT-Test: Montana ist die Nummer eins unter den nationalen Gasanbietern. Die Anbieter beeindrucken generell beim Telefon- und E-Mail-Service. Tarifrechner fehlen vielfach. Endlich trauen sich auch die Konsumenten über einen Anbieterwechsel, heuer gab es einen Rekord bei den Wechseln.

Stell Dir vor, es gibt billigeres Gas, aber keiner will es: So lässt sich der 2002 liberalisierte Gasmarkt in Österreich beschreiben. 87 Prozent der Haushaltskunden haben noch nie ihren Lieferanten gewechselt. Dabei warten Hunderte Euro Sparpotenzial.

Die ÖGVS (Gesellschaft für Verbraucherstudien) hat in Kooperation mit FORMAT im Sommer den Gasmarkt unter die Lupe genommen - und dabei die regionalen und nationalen Anbieter punkto Konditionen, Angebot und Service getestet. Das aufschlussreiche Urteil: Untersucht wurden 29 Anbieter, die im Gesamtranking schließlich auf jene 14 eingegrenzt wurden, die im Großteil des Landes liefern - und damit als nationale Anbieter einzustufen sind.

Der Markt ist zweigeteilt, so die Experten: Es gibt ein paar nationale Anbieter, die umfassenden professionellen Service anbieten, ihre Preise aktiv managen und den Kunden das Wechseln erleichtern. Auf der anderen Seite gibt es etliche lokale und regionale Anbieter, die meist zwar guten Telefonservice bieten, Tarife und Konditionen aber kaum online einsehbar machen und bei denen ein Wechsel generell mühevoller ist.

Obwohl die rechtlichen Rahmenbedingungen für mehr Wettbewerb gegeben sind, agieren viele Anbieter noch immer wie Monopolisten. "Die Preisspannen der Angebote schwanken oftmals um mehrere Hundert Euro,“ sagt ÖGVS-Testleiter Henrik Peperkorn. "Verbraucher können in den meisten Fällen umfangreiche Einsparungen erzielen.“

Sparpotenzial. Der Test zeigt beachtliche Preisdifferenzen. Eine Wohnung mit 100 Quadratmetern Wohnfläche benötigt etwa 15.000 kWh/Jahr

Folgerichtig waren die Testsieger dann auch die national orientierten Anbieter, und hier wiederum meist die Österreich-Töchter deutscher Gashändler. "Der Markt steht sicher vor einem größeren Umbruch, und die Anbieter müssen deutlich kundenorientierter werden“, so Peperkorn. Die gute Nachricht für die Verbraucher: Durch die getrennte Abrechnung der Netzkosten sind die reinen Energiekosten einfach zu vergleichen.

Testsieger wurde Montana, Tochtergesellschaft eines bayrischen Mittelständlers. Österreich-Chef Clemens Wodniansky-Wildenfeld freut sich: "Wir definieren uns nicht über die Diskontschiene, sondern über einen fairen Preis und vor allem über den sehr guten Service. Die Preisgarantien, die wir geben, halten wir auch auf einem volatilen Markt.“

Mit ein paar Prozentpunkten weniger präsentiert sich auch die Goldgas als überzeugender Anbieter. Die Frankfurter punkten vor allem beim Angebot - ex aequo mit Vitalis und PST. André Burkhardt, Österreich-Chef von Goldgas: "Wir informieren Kunden gratis über unsere telefonische Servicehotline. Da merken wir, dass sie, wenn sie sich mit dem Thema Anbieterwechsel auseinandersetzen, das auch meist in die Tat umsetzen.“

Problemzone Websites

Überprüft wurde von den Testern auch der Service (siehe Folgeseite). Mit der EVN belegt hier ausnahmsweise ein regionaler Anbieter den ersten Platz. Am Telefon ist Unsere Wasserkraft Klassensieger, beim E-Mail-Service die Firma MyElectric. Was einigermaßen erstaunt, ist die Qualität der Websites - und das ist nicht positiv gemeint. Es fällt teilweise sehr schwer, die Angebote zu identifizieren und die Vertragskonditionen und Preise zu finden. Unverständlich, wo eine Website heute doch meist den ersten Kundenkontakt herstellt: "Tarifrechner sind noch kein Standard. Hier gibt es umfangreichen Nachholbedarf für viele,“ sagt Testleiter Peperkorn. Die besten Websites haben auch hier wieder die überregionalen Anbieter, konkret: Montana, PST und Switch.

Anders als im Mobilfunkmarkt keimt die Wechsellust der Österreicher bei der Gasversorgung erst seit 2013 so richtig. Vor wenigen Wochen bilanzierte die Aufsichtsbehörde E-Control 204.500 Anbieterwechsel bei Strom und Gas für das erste Halbjahr: ein Plus von 155 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. "Es gibt mehr Bewegung am Markt, der Wettbewerb ist intensiver geworden“, sagt E-Control-Vorstand Walter Boltz.

Hauptverantwortlich für diesen "Rekord“ war die VKI-Aktion "Energiekosten-Stopp“, die allein 100.000 Haushaltskunden zum erstmaligen Wechsel animierte. Das war auch die Feuertaufe für die im Herbst aufgesetzte Wechselplattform der Verrechnungsstellen, die im Hintergrund läuft. "Da unter den VKI-Leuten viele das erste Mal gewechselt haben, war es uns ein großes Anliegen, dass das reibungslos läuft“, sagt der zweite E-Control-Vorstand Martin Graf. Am wechselfreudigsten zeigten sich Oberösterreichischer, gefolgt von Wienern und Steirern. Die hohe Aktivität in OÖ hat mit dem Preisniveau zu tun: Hier sind die Preise am höchsten.

Dass Tiroler und Vorarlberger bislang zurückhaltend waren, hat mit ihrer geografischen Lage zu tun. Die Marktgebiete Tirol und Vorarlberg werden ausschließlich über Deutschland mit Gas gespeist. "Vor Einführung des neuen Marktmodells im Oktober 2013 war der Zugang zum Endkundenmarkt für alternative Anbieter aufgrund eines vertraglichen Kapazitätsengpasses an den Übergabepunkten zwischen Tirol, Vorarlberg und Deutschland sehr schwierig“, heißt es aus der E-Control. Das hat sich geändert, und die Anzahl der Gaslieferanten hat sich mit der Einführung des neuen Marktmodells auch im Westen deutlich erhöht, die Wechselzahlen sind deutlich gestiegen.

Wer wechseln möchte, sollte jedenfalls den Tarifkalkulator der E-Control-Website konsultieren. Nach Eingabe von Postleitzahl, Haushaltsgröße und Jahresverbrauch listet der auf Knopfdruck alle Anbieter. Die Produkte können nach Kriterien gefiltert werden (Rechnungsart, Preisgarantie et cetera). Pfennigfuchser werden via "Watchdog“ proaktiv informiert, wenn der Preis gefallen ist. Der Kalkulator ist eine Kooperation von E-Control, WKO und AK - und wird von den alternativen Anbietern geschätzt. "Er ist sehr gut ausgearbeitet und neutral,“ sagt Clemens Wodniansky-Wildenfeld, der Montana-Chef. Für die Alternativen ist er auch eines der wichtigsten Vertriebsinstrumente. "Wir bekommen bis zu zwei Drittel unserer Kunden über den Tarifkalkulator,“ sagt er. Auf der E-Control-Website gibt es auch Hintergrundinformationen zum Markt - einfach und verständlich aufbereitet.

Dass die Verbraucher noch immer einigen Nachholbedarf haben, ist evident. Wodniansky-Wildenfeld erzählt: "Bei unserer Hotline rufen immer wieder Leute an, die fragen, wann wir denn die Leitung von Bayern nach Wien gelegt hätten.“ Von den 1,3 Mio. Gaskunden haben im ersten Halbjahr 3,5 Prozent den Anbieter gewechselt. In Deutschland sind es schon fast doppelt so viele. Da liegen noch viele Kubikmeter Gas und Euro Sparpotenzial ungehoben in der Leitung.

Die Detailergebnisse (inkl. der 19 lokalen Rankings) gibt es um eine Schutzgebühr von € 1.490,- bei der ÖGVS: info <AT> qualitätstest.at.

Gesamtergebnis Nationale Gasanbieter

  1. MONTANAGAS Seit 2012 beliefert das bayrische Familienunternehmen Österreich mit Gas, überzeugte in jeder Hinsicht. 79 %
  2. GOLDGAS Die Österreich-Tochter der Frankfurter Firma versorgt in Wien schon 49.000 Gaskunden. 76 %.
  3. ENERGIE-PST Die Münchner PGNIG Sales & Trading (kurz PST) punktete bei Angebot und Service. 68 %
  4. REDGAS Die Tochter der Linz AG war beim Service gut und hat einen reduziert-informativen Internetauftritt. 64 %
  5. GASDISKONT Die Onlinemarke der OÖ. Gas-Wärme GmbH hinterließ beim Angebot einen guten Eindruck. 62 %
  6. KELAG Die Kärntner Elektrizitäts-AG bietet Gas und guten Service, und das eben nicht nur im Süden. 59 %
  7. ENERGIE KLAGENFURT Auch die Klagenfurter Stadtwerke verkaufen ihr Gasangebot überregional. 55 %
  8. SCHLAUSTROM Der Ex-Gas-Chef der Linz AG hat mit Gewerbekunden begonnen, beliefert nun auch Private. 54 %
  9. VITALIS-AUSTRIA Der Anbieter mit rheinländischer Mutter zielt vor allem auf Industrie- und Gewerbekunden. 51 %
  10. ERDGAS OÖ Locken Wechselwillige mit drei Tarifen und Biogas-Anteil aus der Landwirtschaft. 47 %
  11. WASSERKRAFT Nicht mehr unter die Top 10 schaffte es Energie Steiermark. Aber: super Telefonservice. 45 %
  12. SWITCH Dahinter steckt die Energieallianz (EVN, Energie Burgenland, Wien Energie). Preislich noch Spielraum. 45 %
  13. MY ELECTRIC Die Energieversorger Tiwag und Salzburg AG bieten gemeinsam Gas an, fielen mit gutem Service auf. 41 %
  14. LINZ AG Beim Lokalmatador in Linz ist das Service gut, die Konditionen können noch besser werden. 39 %

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