Unfallversicherer: Tarife und Servicequalität im Vergleichstest

Unfallversicherer: Tarife und Servicequalität im Vergleichstest

Rund 70% aller Unfälle passieren in der Freizeit, im Haushalt oder beim Sport. Gegen finanzielle Belastungen im Falle von daraus resultierenden Verdienstausfällen oder notwendigen Umbaumaßnahmen an Haus oder Wohnung schützt die private Unfallversicherung. Welcher Unfallversicherer die beste Mischung aus Prämie und Leistung bietet, hat die ÖGVS – Gesellschaft für Verbraucherstudien jetzt in Kooperation mit dem Magazin trend und dem Tarifvergleichsportal durchblicker.at genauer untersucht.

Die folgenden 14 Versicherer wurden in die Tests eingeschlossen:

  • • Allianz
  • • ERGO
  • • Generali Versicherung
  • • Helvetia
  • • InterRisk
  • • Janitos
  • • Merkur Versicherung
  • • muki
  • • Oberösterreichische Versicherung
  • • UNIQA
  • • VAV
  • • Wiener Städtische Versicherung
  • • Wüstenrot
  • • Zurich.

Das Testurteil setzt sich aus den Leistungen der Versicherer in den folgenden drei Haupttestkategorien zusammen, die mit unterschiedlicher Gewichtung in die Gesamtwertung eingingen:

  • 1. Tarife: Wie hoch sind die Prämien für zwei Beispielkundenprofile? Welche Tarifleistungen sind inkludiert? (60% des Gesamtwertes)

  • 2. Transparenz & Komfort: Sind die wichtigsten Versicherungs- und Vertragsbedingungen klar ersichtlich? Wie komfortabel ist die Website? (20% des Gesamtwertes)

  • 3. Kundendienst: Wurden die Testkunden freundlich und zuvorkommend behandelt sowie um-fassend und kompetent beraten? (20% des Gesamtwertes)

Die Leistungen in den Kategorien Tarife sowie Transparenz & Komfort wurden durch Experten analysiert. Der Kundendienst wurde durch qualifizierte und verdeckte Tester bewertet. Dabei wurde jeder Anbieter 5-mal per Email und 5-mal telefonisch getestet.

Deutliche Unterschiede bei Prämien und Leistungen

Die private Unfallversicherung bietet im Gegensatz zur gesetzlichen Unfallversicherung, die nur bei Arbeits- und Arbeitswegeunfällen leistet, Schutz bei langfristigen Folgen durch Unfälle in der Freizeit, im Haushalt oder beim Sport. Dabei steht meist v.a. eine Einmalleistung im Vordergrund, deren Höhe sich nach dem Grad der durch den Unfall verursachten Invalidität richtet. Durch Zusatzbausteine ist zudem meist auch die Vereinbarung einer monatlich ausgezahlten Unfallrente möglich, ebenso wie die Absicherung von Bergungs- und Rettungskosten, die Zahlung von notwendigen kosmetischen Operationen oder die Erstattung von Reha-Kosten. Aufgrund der vielen Optionen gibt es bei den Versicherern allerdings meist keine festgeschriebenen Tarifvarianten, sondern es wird je nach Bedürfnissen des Kunden ein individuelles Paket geschnürt.

Zur Bewertung der Tarife im ÖGVS-Test wurden daher zwei konkrete Kundenprofile kreiert, für die Prämien und Leistungen erfasst wurden. Dabei handelte es sich zum einen um eine Bürokauffrau, die im Falle einer 100%igen Invalidität eine Einmalleistung von 500.000 € und im Todesfall 10.000 € er-halten wollte. Der zweite Beispielkunde war ein Maler, der ebenfalls eine Todesleistung von 10.000 € anzielte und eine Einmalleistung in Höhe von 250.000 € bei 100% Invaliditätsgrad. Die anhand dieser beiden Profile ermittelten Prämien wurden in Relation zu den entsprechenden Tarifleistungen wie z.B. den Leistungen bei unterschiedlichen Invaliditätsgraden, den erstatteten Unfallkosten oder den versicherten Ereignissen gesetzt. Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede in den Beitragshöhen der Versicherer: So kostete der günstigste Tarif für die Bürokauffrau mit 500.000 € Leistungsanspruch im Falle 100%iger Invalidität gerade einmal 88,40 € (VAV), der teuerste hingegen 313,53 € (InterRisk), d.h. mehr als das 3,5fache.

Diese großen Preisunterschiede gingen jedoch oft mit Unterschieden in den enthaltenen Tarifleistungen einher. Der teuerste Tarif leistete zwar nicht das 3,5fache, zahlte aber immerhin deutlich mehr für Suche und Bergung, bei kosmetischen Operationen oder Zahnersatz. Außerdem waren bei preis-intensiveren Tarifen oft Assistance-Leistungen wie z.B. eine Haushaltshilfe, psychologische Erstberatung oder gar eine Haustierversorgung inkludiert.

Weiters unterscheidet sich je nach Tarif auch die sogenannte Gliedertaxe. Darin ist definiert, welchem Invaliditätsgrad der Verlust von Gliedmaßen wie Arm, Finger oder Fuß, aber auch des Gehörs, eines Auges oder eines Organs wie Niere oder Milz entspricht. Für den Verlust eines Arms setzten die Versicherer beispielsweise zwischen 70% und 100% Invaliditätsgrad an, der Verlust der Sehkraft auf einem Auge wird mit 35% bis 60% Invalidität gleichgesetzt. Diese prozentualen Unterschiede machen sich letztendlich in der Einmalleistung bemerkbar, die die Versicherer zahlen. Diese Einmalleistung wurde für das angesetzte Kundenprofil der Bürokauffrau zwar stets auf 500.000 € im Falle eine Invaliditätsgrades von 100% festgesetzt, schwankte aber deutlich bei geringerer Invalidität. So würde man je nach Versicherer beispielsweise bei 70% Invalidität zwischen 142.500 € und 375.000 € erhalten, bei 30% zwischen 16.250 € und 93.800 €.

Wichtig: Nicht immer ist der Tarif mit der höchsten Leistung auch der teuerste Tarif. Daher gingen in der ÖGVS-Studie Prämie und Leistung zu je 50% in die Tarif-Bewertung ein. Die besten Tarife mit dem so errechneten besten Preis-/Leistungsverhältnis fanden die Tester bei muki, gefolgt von der Wiener Städtischen Versicherung und der Zurich.

Online-Beitragsrechner Mangelware, teils Defizite bei der Transparenz

In der Kategorie Transparenz & Komfort wurde v.a. erfasst, wie übersichtlich die zentralen Versicherungsbedingungen sowie die Beiträge bereits auf den Webseiten der Versicherer aufgeführt waren bzw. ob sie sich überhaupt dort wiederfanden. Ergebnis: Nicht bei allen Unternehmen waren Beschreibungen der angebotenen Tarife und Zusatzpakete mit den jeweils zentralsten Versicherungsleistungen bereits auf der Website ersichtlich. Und auch die detaillierten Versicherungsbedingungen zu den angebotenen Tarifen fanden sich nur bei der Hälfte der Anbieter. Einen Beitragsrechner zur Ermittlung der individuellen Prämie stellten nur fünf der 14 getesteten Unternehmen zur Verfügung, was jedoch bei einem beratungsintensiven Produkt wie der Unfallversicherung nicht allzu kritisch zu bewerten ist. Führend im Bereich Transparenz & Komfort war im Test die Generali Versicherung, die v.a mit einem sehr umfangreich informierenden Internetauftritt überzeugen konnte.

Defizite bei Kompetenz und Erreichbarkeit des Kundendienstes

Schließlich wurde noch der Kundendienst per Telefon und Email bezüglich Erreichbarkeit, Freundlichkeit und Kompetenz getestet. Dazu wurden telefonisch als auch per E-Mail Fragen zu Tarifwahl oder Leistungsumfang gestellt. Mängel zeigten sich hier v.a. im Bereich der Kompetenz der Kundendienst-Mitarbeiter und deren Bereitschaft, überhaupt per Email Antworten zu geben. So wurden auf beiden Kontaktwegen Fragen des Öfteren falsch oder gar nicht beantwortet - und auch bei Erhalt einer Antwort fiel diese zum Teil eher knapp aus. Während dabei zumindest die Hilfsbereitschaft der Mitarbeiter am Telefon überzeugen konnte, offenbarte sich der Email-Support als nicht gerade empfehlenswerter Kontaktkanal. Nur drei Viertel der Email-Anfragen wurden überhaupt mit einer Antwortmail bedacht, die wiederum häufig nicht die Lösung der Frage, sondern die Bitte um einen Rückruf zur Erstellung eines Angebots enthielt. Dies lag meist jedoch gar nicht im Interesse der Tester, die eigentlich nur eine konkrete Frage zum Leistungsumfang oder zum Verständnis der Tarife hatten. Doch nicht alle Unternehmen zeigten hier Schwächen. Es gab auch positive Kundendienstbeispiele wie z.B. die Zurich, den 1. Platz in dieser Kategorie erreichte.

muki Testsieger der Gesamtstudie, gefolgt von der Zurich und der VAV.

Der Anbieter muki erfüllte die gesetzten Kriterien insgesamt am besten und wurde Testsieger, gefolgt von der Zurich und der VAV. muki als Testsieger überzeugte dabei v.a. mit den besten Tarifen. Die Zurich punktete mit dem 1. Platz in der Kategorie Kundendienst und der Drittplatzierte VAV zeigte neben der besten Kundenhotline sehr günstige Prämien.


Die ausführlichen Ergebnisse des Tests sind gegen eine Schutzgebühr von 1.490 EUR zzgl. USt. bei der ÖGVS ( info <AT> qualitaetstest.at ) erhältlich.

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