Test: Österreichs beste Onlinebanken

Test: Österreichs beste Onlinebanken

Onlinebanken punkten mit niedrigeren Kosten und höheren Sparzinsen. Außerdem ist das Angebot vielfältig: Vier von zehn Direktbanken eignen sich als vollwertige Alternative zu Filialbanken. Im Onlinebanken-Test von FORMAT gewinnt die easybank vor bankdirekt.at und direktanlage.at.

Top-Konditionen, hohe Sparzinsen, Wertpapiertransaktionen per Mausklick. Mit diesen Versprechen mischen in Österreich tätige Direktbanken den Wettbewerb in der Bankenlandschaft seit Mitte der 1990er-Jahre auf. Mit Kampfpreisen und teils umfassenden Angeboten ist es seither gelungen, Kundschaft von Filialbanken abzuziehen. Aber einige Fragen bewegen Konsumenten in Bezug auf Onlinebanken immer wieder: Gibt es versteckte Gebühren? Werde ich gut betreut, wenn ich ein Problem habe? Sind Bankgeschäfte im Internet generell sicher genug? Und welche Institute bieten insgesamt das beste Paket?

Antworten liefert die "Studie Direktbanken Österreich 2014“, die von der Gesellschaft für Verbraucherstudien (ÖGVS) im Jänner 2014 exklusiv für FORMAT durchgeführt wurde. Die ÖGVS-Tester haben es sich nicht leicht gemacht. Die Leistungen der Direktbanken wurden in den Kategorien Konditionen, Transparenz, Produktvielfalt, Kundendienst und Benutzerfreundlichkeit anhand von 185 Kriterien auf Herz und Nieren überprüft.

Nur vier Onlinebanken bieten umfassenden Ersatz einer Filialbank

In die Gesamtwertung der Studie schafften es nur jene Banken, die alle untersuchten Finanzprodukte anbieten: Dabei handelt es sich um Girokonto, Kreditkarte, Tagesgeld, Festgeld und Wertpapierdepot. ÖGVS-Projektleiterin Katja Likowski: "Dies ist von den in Österreich tätigen Direktbanken nur bei vier Unternehmen der Fall. Wer einen umfassenden Ersatz für sämtliche Leistungen einer Filialbank sucht, kann nur zwischen bankdirekt.at , direktanlage.at , easybank und Generali Bank wählen.“

Dagegen offerieren die übrigen sechs getesteten Institute AutoBank , Bankhaus Denzel , DenizBank , ING- DiBA , LiveBANK sowie Porsche Bank hauptsächlich Tages- und Festgeldkonten, teilweise auch Kredite. Dabei ist Spezialisierung durchaus Teil der Geschäftsstrategie. AutoBank-Vorstand Markus Beuchert: "Bei uns wird der Fokus auf Kfz-Finanzierung, Autohändler, Fuhrparkmanagement und Factoring erhalten bleiben.“

Das Abschneiden dieser Onlinebanken in den zahlreichen Kategorien ist aber für Kunden ebenso aufschlussreich wie das Gesamtergebnis.

Kopf-an-Kopf-Rennen

Mit einer Gesamtnote von 2,2 bietet die easybank, die Onlinetochter der Bawag, die beste Mischung aus Konditionen, Produktvielfalt und Service - sie geht damit als Testsieger der Direktbankenstudie hervor. ÖGVS-Expertin Likowski: "Die easybank überzeugt mit den besten Konditionen, hoher Transparenz und erfüllt in Summe die gesetzten Kriterien der Studie am besten.“ Nur knapp dahinter folgen bankdirekt.at, die Internetbank der RLB Oberösterreich, sowie direktanlage.at, die als Tochter der DAB Bank in München Teil der UniCredit Group ist. Likowski: "bankdirekt.at punktet bei Girokonto und Kreditkarte mit günstigen Konditionen und gutem Kundendienst; direktanlage.at, der Drittplatzierte, zeigt Bestwerte bei Depot-Konditionen und Produktvielfalt.“

Dass ein breites Angebot bei internet-affinen Bankkunden gut ankommt, belegt die wachsende Kundenschar. Sonja Sarközi, Vorstandsdirektorin der easybank: "2013 hat sich der Trend der Vorjahre fortgesetzt. Aktuell betreut die easybank über 460.000 Konten, das sind etwa 55.000 Konten mehr als im Jahr davor.“ Dass dabei das kostenfreie Gehalts- oder Pensionskonto namens "easy gratis“ als Türöffner bei der Neukundengewinnung dient, ist naheliegend und ruft die Mitbewerber auf den Plan. Paul Reitinger, Vorstand von direktanlage.at: "Im intensiven Wettbewerb wird es immer wichtiger, Girokonten mit Überziehungsrahmen sowie vollumfängliche Kredit- und Bankomatkarte anzubieten, auf die schlanken Kosten hinzuweisen und sich damit als Alternative zu Filialbanken zu präsentieren.“

Zum Teil keine Kontoführungsgebühren und gratis Kreditkarte

Wie bei Filialbanken lohnt sich auch bei Girokonten der Direktbanken der Preisvergleich. Kunden, die auf ihrem Girokonto monatliche Zahlungseingänge erhalten, zahlen bei bankdirekt.at, direktanlage.at und easybank keine Kontoführungsgebühren, während die Generali Bank monatlich 8,70 Euro verrechnet. Bei den Sollzinsen hat bankdirekt.at mit einem Satz von 7,25 Prozent das günstigste Angebot, die Generali Bank verrechnet mit einem Satz von 10,625 Prozent am meisten. Beim Preis für Kreditkarten, die an keine weiteren Bedingungen geknüpft sind, stellt direktanlage.at eine Kreditkartengebühr von 20,50 Euro pro Jahr in Rechnung. Bei den anderen ist die Kreditkarte gratis.

Dass mit Sparguthaben in der Phase des Zinstiefs nicht viel zu holen ist, ist hinlänglich bekannt. Aber immerhin kommen Sparer, die ihr Geld bei einer der zehn Direktbanken bunkern, besser weg als bei Filialbanken. So zahlen etwa Erste Bank, Bank Austria oder Raiffeisen auf täglich fällige Sparguthaben nur 0,125 Prozent Zinsen. Bei Bestandskunden von Direktbanken liegen die Zinssätze zwischen 0,8 und 1,15 Prozent (siehe Tabelle). Sparer, die ihr Geld fest binden wollen, erhalten bei der türkischen DenizBank ab einer Einlage von 10.000 Euro sowohl über ein, zwei als auch drei Jahre Laufzeit die höchsten Zinsen.

Kostenvorteil

Wer bei seiner Geldanlage auf Wertpapiere setzt, benötigt ein Depot. Ein solches wird von fünf der zehn getesteten Direktbanken angeboten. Bei den Gebühren eines Musterdepots, in dem zehn Aktien im Wert von insgesamt 100.000 Euro gehalten werden, herrscht mit einem jährlichen Satz von 100 Euro Waffengleichheit zwischen bankdirekt.at, direktanlage.at und easybank. Zum Vergleich: Die Erste Bank stellt Investoren für die Sammelverwahrung des gleichen Musterdepots jährlich 279 Euro in Rechnung, bei der RLB NÖ-Wien liegen die Kosten bei 259 Euro. Bei der Bank Austria betragen sie 250 Euro (wenn inländische Aktien am Depot liegen, ansonsten: 500 Euro).

Bei den Spesen für Wertpapierorders kommen Anleger bei direktanlage.at am günstigsten weg. Wer 30.000 Euro in Aktien investiert, zahlt beim Bestbieter unter den Direktbanken Ordergebühren zwischen 51,45 und 53,95 Euro. Bei den Filialbanken Erste Bank sowie RLB NÖ-Wien kosten Aktienkäufe im gleichen Umfang jeweils 330 Euro, bei der Bank Austria zwischen 330 und 450 Euro.

Bei der Produktvielfalt ist direktanlage.at am breitesten aufgestellt. Das umfassende Angebot an Konten, Karten oder Sparplänen wird durch eine Fülle an Wertpapieren von Aktien, Anleihen über Währungen, ETF bis hin zu diversen Derivaten abgerundet. Dazu kommt das Angebot von rund 7.000 Investmentfonds, bei denen die Kaufspesen bis zu einem Anlagebetrag von 25.000 Euro mit 50 Prozent Rabatt versehen sind. Ab 75.000 Euro Investment gibt es sogar 80 Prozent Bonifikation. direktanlage.at-Chef Reitinger: "Darüberhinaus können ohne Zusatzkosten mehr als 2.000 Aktien zu Realtime-Preisen gehandelt werden.“

Auch der Gesamtsieger easybank sowie bankdirekt.at schneiden bei der Produktpalette gut ab und sind ein vollwertiger Ersatz für die traditionelle Bankfiliale, wenn man auf persönlichen Kontakt verzichten kann.

In der Kategorie Transparenz schneidet die ING-DiBa am besten ab, die generell sehr gut bewertet wurde, etwa auch beim Kundendienst. In der Gesamtwertung fehlt sie nur wegen des eingeschränkten Produktangebots. Das Kriterium "Transparenz“ erfasst, wie klar und übersichtlich Kosten und Vertragsbedingungen auf der Website der Anbieter aufgeführt sind. Laut ÖGVS zeigen sich vor allem Mängel bei Kreditkarten und Depots. Angaben zu Gebühren für Auslandsabhebungen oder Spesen für Wertpapierkäufe sind bei drei Viertel der Anbieter erst beim Blick auf das detaillierte Preis-Leistungsverzeichnis ersichtlich.

Ist der Kunde König? Bei der Bewertung des Kundendienstes bezüglich Erreichbarkeit, Kompetenz und Freundlichkeit haben die ÖGVS-Tester jede Direktbank zehn Mal per Email-Anfrage und fünf Mal per Telefon kontaktiert. Projektleiterin Likowski: "Der telefonische Kundendienst war sehr gut erreichbar und ist meist freundlich und kompetent, wenn auch teils kurz angebunden.“ Der Support per Email stellte sich hingegen als unzureichend heraus, 15 Prozent der Anfragen blieben unbeantwortet. Löbliche Ausnahme: die Autobank mit dem besten Kundendienst. Dagegen besteht beim Schlusslicht DenizBank mit einer Note von 3,9 hier noch Aufholbedarf.

So wurden die Test-Sieger ermittelt

Die Gesellschaft für Verbraucherstudien ÖGVS hat für FORMAT die Leistungen von Onlinebanken analysiert. Insgesamt zehn Institute wurden auf 185 Kriterien hin abgeklopft.

Die Gesellschaft für Verbraucherstudien (ÖGVS) ist ein Schwesterunternehmen der renommierten deutschen DtGV , einem seit langem anerkannten Testinstitut. Der Schritt nach Österreich erfolgte erst kürzlich, für FORMAT werden künftig regelmäßig Untersuchungen gemacht. In der ersten wurden die Stärken und Schwächen der hier tätigen Direktbanken anhand von 185 Kriterien geprüft.

Die ÖGVS-Projektleiterin Katja Likowski erklärt: "In der Gesamtwertung sowie der Wertung der Kategorie Konditionen wurden nur jene Banken berücksichtigt, die alle im Test untersuchten Finanzprodukte anbieten.“ Dabei handelt es sich um Girokonto, Kreditkarte, Tagesgeld, Festgeld sowie Wertpapierdepot. Wie die Ergebnisse der Studie zeigen, offerieren nur vier Unternehmen alle diese Leistungen. Die übrigen getesteten Institute bieten hauptsächlich Tages- und Festgeldkonten und teilweise auch Kredite an.

Das Gesamturteil der " Studie Direktbanken Österreich 2014 “ setzt sich aus den Leistungen der Onlinebanken in fünf Hauptkategorien zusammen:

Mit 40 Prozent sind Zinsen und Gebühren bei Girokonto, Kreditkarte, Tagesgeld, Festgeld und Depot sowie zusätzliche Bedingungen am höchsten gewichtet. Mit 20 Prozent geht die Erfüllung des Kriteriums Produktvielfalt in das Testurteil von ÖGVS ein.

Ebenso 20 Prozent Gewicht wird dem Kriterium Transparenz eingeräumt, im Zuge dessen untersucht wurde, ob Kosten und Bedingungen klar ersichtlich und auf der Website des Anbieters einfach zu finden sind. Über das Kriterium Benutzerfreundlichkeit, das im Gesamtergebnis des Tests mit zehn Prozent gewichtet ist, wurde untersucht, ob die Website der zehn untersuchten Direktbanken einfach zu nutzen sind. Zusätzlich wurde über persönliche Kontaktaufnahmen das Kundenverhalten der Mitarbeiter getestet. Auch dieses "Kundendienst“-Kriterium fließt zu zehn Prozent in das Gesamturteil ein.

Weil es in Österreich relativ wenige Fullservice-Onlinebanken gibt, kommt auch den Top-Platzierten in den einzelnen Kategorien große Bedeutung zu.

Die gesamte, 166 Seiten umfassende "Studie Direktbanken Österreich 2014“ kann bei ÖGVS gegen eine Schutzgebühr von 1.490 Euro zuzüglich Umsatzsteuer unter info@qualitaetstest.at bezogen werden.

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