ÖGVS-Studie: Stromanbieter 2016

ÖGVS-Studie: Stromanbieter 2016

Die Liberalisierung des Strommarktes schreitet voran: Seit einiger Zeit kann der Anbieterwechsel nun komplett über Online-Formulare vollzogen werden, echte Unterschriften sind nicht mehr nötig. Gleichzeitig sinken die Energiepreise: Im Durchschnitt lagen sie 2015 um 7% höher als heute. Insgesamt 54 Stromanbieter hat die ÖGVS – Gesellschaft für Verbraucherstudien in Kooperation mit dem Wirtschaftsmagazin Trend in diesem Jahr genauer untersucht.

Von den 54 Versorgern wurden 37 aufgrund ihrer Verfügbarkeit im Großteil der österreichischen Netzgebiete als nationale Anbieter qualifiziert. Über die nationale Bewertung hinaus wurden zudem noch regionale Rankings für die zwölf wichtigsten Netzgebiete erstellt, in denen neben den nationalen auch rein regionale Versorger analysiert wurden.

Vier Testkategorien zur Einschätzung der Stromanbieter

In der ÖGVS-Studie Stromanbieter 2016 wurden die Testkriterien in vier unterschiedlich gewichtete Bereiche untergliedert:

  • 1. Preise: Konkret wurde ein Preisvergleich für die günstigsten Tarife der Anbieter auf Basis von drei Verbrauchsfällen (2.000 kwh, 3.500 kwh, 5.000 kwh pro Jahr) vorgenommen. Zusätzlich wurden angebotene Boni für Neukunden mit einem geringen Anteil von 5% in die Bewertung der Preise aufgenommen. Insgesamt machte der Bereich Preise 40% der Gesamtwertung aus.

  • 2. Service: Zur Beurteilung des Service wurden jeweils fünf Kundenanfragen via Telefon und E-Mail an die Anbieter gestellt und die Reaktionen bewertet. Darüber hinaus wurden die Möglichkeiten und Kosten des Kundenkontakts ermittelt sowie die Social Media-Auftritte der Anbieter analysiert (30% des Gesamtwertes).

  • 3. Tarifoptionen: In diesem Bereich wurde bewertet, welche unterschiedlichen Tarifarten die Versorger anbieten, insbesondere mit Bezug zur Laufzeitbindung (20% des Gesamtwertes).

  • 4. Internet: Der Internetauftritt der Stromanbieter wurde nach Funktionalität, Transparenz und Informationsgehalt untersucht (10% des Gesamtwertes).

Die Leistungen in den Kategorien Preise, Tarifoptionen, Internet und Teilen des Service wurden durch Experten analysiert. Der Kundendienst bei jedem Anbieter wurde durch gebriefte und geschulte Tester untersucht.

Preise

Wie bereits im Vorjahr zeigten sich auch heuer erhebliche Preisdifferenzen zwischen den einzelnen Anbietern: Die Energiepreisspanne zwischen dem günstigsten und dem teuersten Anbieter liegt in allen untersuchten Regionen und über alle untersuchten Verbrauchsfälle hinweg immer bei knapp 100%. Anders ausgedrückt: Im Vergleich zum günstigstes Versorger ist die Stromrechnung des teuersten Anbieters fast doppelt so hoch. Ein anderes Indiz für die ausgeprägte Preisvarianz: Der günstigste Anbieter liegt nahezu immer ca. 25% unter dem Mittelwert aller Anbieter. Und dies, obwohl hohe Erstjahresboni, die durchaus üblich sind, nur beschränkt beachtet wurden, da diese in den Folgejahren nicht mehr zur Anwendung kommen.

Über alle Verbrauchsfälle hinweg war switch der preiswertesten Versorger. Die Plätze zwei und drei in der Kategorie „Preise“ konnten sich E-DI Dein Energiediskonter und easy green energy sichern.

Tarifoptionen

Die an einen Tarif gestellten Ansprüche variieren gewöhnlich von Verbraucher zu Verbraucher, so dass es im Ausland zum Teil gängige Praxis ist, dass ein und derselbe Versorger mit mehreren unterschiedlichen Tarifen auftritt bzw. der Stromkunde sich aus einem Set von Tarifmerkmalen (Ökostrom-Tarife vs Tarife mit „herkömmlichem“ Strom, Tarife mit oder ohne Preisgarantie, Tarife mit oder ohne Grundgebühr, Mindestlaufzeiten, Mindestabnahmemengen etc.) seinen individuellen Zuschnitt wählt.

Diesbezüglich steht Österreich noch am Anfang: Die Tester fanden eine noch recht geringe Zahl von Tarifoptionen pro Anbieter – häufig gibt es nur einen Tarif überhaupt. Am ehesten wird noch bei der Laufzeitbindung variiert, die aber nicht immer mit einer Preisgarantie über die Laufzeit verbunden ist. Auch Unterschiede im Energiemix bei den Produkten sind noch die Ausnahme. Zusammengefasst heißt das: Die Kunden haben nun zwar mittlerweile mehr Anbieter zur Auswahl, jedoch noch immer recht wenig Tarifvarianten.

Die meisten Tarifoptionen fanden die Tester noch bei Naturkraft – und auch bei TIWAG und MAXENERGAY auf den Plätzen zwei und drei in dieser Teilkategorie zeigt sich ein erkennbarer Trend in Richtung Tarifvarianz.

Service

Der Preis ist bekanntlich nur die eine Seite der Medaille, wenn es um die Auswahl eines Anbieters geht. Wer schon einmal eine geschlagene halbe Stunde in der Warteschleife eines Anbieters hing oder per Mail eine Antwort erhielt, die so gar nichts mit der gestellten Frage zu tun hatte, der weiß, dass auch ein serviceorientierter Kundendienst von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist. In der ÖGVS-Studie wurde jeder Anbieter 5-mal via Telefon und E-Mail mit Testkunden-Anfragen konfrontiert und die entsprechende Reaktion ausgewertet. Daneben wurden erstmalig auch die Social Media-Aktivitäten untersucht sowie die generellen Möglichkeiten und Kosten der Kontaktaufnahme bewertet. Über alle Service-Kriterien hinweg konnte Unsere Wasserkraft den Spitzenplatz des Vorjahres in dieser Teilkategorie verteidigen, gefolgt von MeinAlpenStrom und oekostrom GmbH. Schlaustrom und easy green energy rangierten ebenfalls in den Top 5.

Internet

Vor allem beim Anbieterwechsel kommt dem Internetauftritt der Versorger eine wichtige Bedeutung zu, da der Verbraucher sich hier im Normalfall einfach und bequem über das Unternehmen und seine Angebote (Tarife) informieren kann. Insbesondere der Tarifrechner, über den man schnell und einfach passende Produkte finden und die Preise berechnen kann, spielt eine zentrale Rolle. Aber auch die transparente Darstellung von Konditionen und sonstigen Vertragsbestandteilen sollte im Idealfall gewährleistet sein. In der Kategorie „Internet“, die sich mit diesen Aspekten wertend auseinandersetzte, überzeugte die Tester der Auftritt von Montana ganz besonders. Die Plätze zwei bis fünf gingen an easy green energy, KELAG, E WIE EINFACH und TIWAG.

Switch erneut Gesamttestsieger

Wie bereits im Vorjahr ging am Ende die switch Energievertriebsgesellschaft mit dem besten Gesamtergebnis als Testsieger der nationalen Studie hervor, dicht gefolgt von der Naturkraft Energievertriebsgesellschaft und easy green energy.

In den untersuchten Netzgebieten zeigte sich, dass die nationalen Anbieter auch im regionalen Wettbewerb gut bestehen: Die nationalen Top-3 waren nahezu durchgängig auch regional die Top 3. Die lokalen Grundversorger bzw. andere regionale Anbieter fanden sich nur in Ausnahmefällen in Spitzenpositionen. Dafür haben aber viele lokale Versorger nun überregionale Marken geschaffen - zum Beispiel die Energieallianz aus Wien Energie, Energie Burgenland und EVN mit der Marke Naturkraft -, die national teils sehr gute Ergebnisse erzielten.

In Summe zeigt die Analyse, dass der Wettbewerb im österreichischen Strommarkt langsam intensiver wird. Insbesondere die Zahl der Anbieter steigt, während die in reiferen Märkten üblichen regionalen Differenzierungen oder passgenauere Tarifoptionen noch nicht umfangreich angeboten werden.


Die ausführlichen Ergebnisse des Tests sind gegen eine Schutzgebühr von 1.490 EUR zzgl. USt. bei der ÖGVS ( info <AT> qualitaetstest.at ) erhältlich.

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