Direktbanken: Test von Konditionen und Service

Direktbanken: Test von Konditionen und Service

Bewegung im Direktbankenmarkt: Mit der ING-DiBa Austria bietet nun seit kurzem eine fünfte Direktbank in Österreich auch ein reines Online-Girokonto an, die Direktanlage.at heißt mittlerweile Hello bank! und wirbt mit teils günstigeren Konditionen um Kunden - und auch beim Rest der Branche hat sich einiges getan. Die ÖGVS – Gesellschaft für Verbraucherstudien mbH hat nun in Kooperation mit dem Magazin trend untersucht, welche Direktbanken in diesem Jahr die beste Mischung aus Konditionen und Service bieten.

Folgende österreichische Direktbanken wurden in die Tests eingeschlossen:

  • • AutoBank AG
  • • Amsterdam Trade Bank
  • • bankdirekt.at AG
  • • Denzel Bank
  • • easybank AG
  • • Generali Bank AG
  • • Hello bank!
  • • ING-DiBa Direktbank Austria
  • • LiveBANK
  • • MoneYou
  • • Porsche-Bank

Das Testurteil setzt sich aus den Leistungen der Direktbanken in den folgenden vier Haupttestkategorien zusammen, die mit unterschiedlicher Gewichtung in die Gesamtwertung eingingen:

  • 1. Konditionen: Wie hoch sind Zinsen und Gebühren bei den Produkten Girokonto, Kreditkarte, Tagesgeld, Festgeld und Depot? Welche zusätzlichen Bedingungen gibt es? (40% des Gesamtwertes)

  • 2. Transparenz & Komfort: Sind die wichtigsten Kosten und Bedingungen klar ersichtlich? Wie komfortabel ist die Website gestaltet? (20% des Gesamtwertes)

  • 3. Produktvielfalt: Wie breit ist das Produktangebot? (20% des Gesamtwertes)

  • 4. Kundendienst: Welche Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme gibt es? Wurden die Testkunden freundlich und zuvorkommend behandelt und umfassend und kompetent beraten? (20% des Gesamtwertes)

Die Leistungen in den Kategorien Konditionen, Transparenz & Komfort und Produktvielfalt wurden durch Experten analysiert. Der Kundendienst wurde durch qualifizierte und verdeckte Tester bewertet. Dabei wurde jeder Anbieter 5-mal per Email und 5-mal telefonisch getestet.

Umfassendes Produktspektrum inklusive Girokonto mittlerweile bei fünf Banken

Für die Bildung der Gesamtwertung sowie die Wertung in der Hauptkategorie „Konditionen“ wurden nur Banken berücksichtigt, die alle im Test untersuchten Finanzprodukte (Girokonto, Kreditkarte, Tagesgeld, Festgeld, Depot) anboten. Dies war nur bei fünf Unternehmen der Fall. Wer in der Direktbank also einen umfassenden Ersatz für seine Filialbank sucht, kann generell nur zwischen bankdirekt.at, easybank, Generali Bank, Hello bank! und ING-DiBa wählen. Die übrigen Kreditinstitute im Test bieten hauptsächlich Tages- und Festgeldkonten, teils auch Kredite an. Bei der ING-DiBa muss man zurzeit außerdem noch mit zwei Einschränkungen leben: Zum einen wird hier nur ein Depot angeboten, in dem ausschließlich Fonds gehandelt werden können. Zum anderen ist das Girokonto, das erst seit kurzem zum Portfolio der Bank gehört, bisher nur für Bestandskunden verfügbar. Wer dieses als Neukunde trotzdem nutzen möchte, kann sich entweder auf eine Warteliste setzen lassen oder eröffnet einfach ein Tagesgeldkonto, auf das er mindestens einen Euro überweist und gilt damit als Kunde.

Deutliche Unterschiede bei den Konditionen

In der Kategorie Konditionen zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den Banken. Während z.B. die easybank, die, wie in den Jahren zuvor, mit dem besten Girokonto überzeugen konnte, Guthaben mit immerhin 0,25% verzinst, bieten andere nicht einmal unter bestimmten Bedingungen einen Habenszins an. Zudem schwankten die Soll- und Überziehungszinsen mit 6,80% bis 13,375% teils erheblich. Und auch die Kontoführungsgebühren unterschieden sich: Während das Girokonto bei regelmäßigem Gehaltseingang bei fast allen Anbietern kostenfrei ist, verlangten die Banken ohne die Gegebenheit dieser Voraussetzung bis zu 9,02 € monatlich. Einzig die Hello bank! bietet ein ohne jedwede Bedingungen kostenloses Konto an, das allerdings ohne Kreditkarte auskommen muss.

Auch wenn auf einem Tagesgeldkonto aktuell immer noch nicht mit allzu hohen Erträgen zu rechnen ist, lohnt doch ein Vergleich der Zinssätze unter den elf getesteten Anbietern. MoneYou, der Anbieter mit dem besten Tagesgeldkonto im Test, lag hier mit einem Zins von 1,3 % ganz vorn. Die Zinssätze der anderen Banken rangierten zwischen 0,4% und 1,1%. Wer sein Geld bei MoneYou anlegt, sollte sich allerdings bewusst sein, dass die Bank ihren Sitz in den Niederlanden hat und daher keine Kapitalertragssteuer in Österreich abführt. Somit ist man als Kunde selbst für die Versteuerung seiner Zinserträge verantwortlich. Zudem ist Vorsicht bei den Versprechungen von Tagesgeldzinsen im Allgemeinen geboten, denn meist handelt es sich hier um variable Zinssätze, die keiner Garantie unterliegen und sich im nächsten Monat schon wieder ändern können.

Wer sein Geld für mehrere Jahre sicher, aber auch fest anlegen und dafür von höheren als den Tagesgeldzinsen profitieren möchte, entscheidet sich meist für ein Festgeldkonto. Die getesteten Direktbanken boten hier je nach Anlagedauer und –betrag zwischen 0,30% und 1,51%. Für den letztgenannten Bestzinssatz musste man sein Geld allerdings auch für fünf Jahre verbindlich parken. Wer z.B. einen Betrag von 10.000 € für drei Jahre anzulegen bereit war, konnte mit 0,55% bis 1,31% Verzinsung rechnen. Die besten Konditionen im Bereich Festgeld bot die AutoBank AG.

Wer bereit ist, ein höheres Risiko bei der Geldanlage einzugehen, benötigt ein Wertpapier-Depot. Ein solches wird von fünf der elf getesteten Direktbanken angeboten. Zum Vergleich der Konditionen wurden hier sowohl die Depotgebühren, als auch Ordergebühren an verschiedenen Börsenplätzen sowie Ausgabeaufschläge für Fonds und weitere Kosten (wie z.B. die Konditionen des Verrechnungskontos) betrachtet. Die beste Bewertung im Test erhielt dabei das Depot der Hello bank!.

Nicht alle Banken überzeugen mit größtmöglicher Transparenz

In der Kategorie Transparenz wurde erfasst, wie klar und übersichtlich zentrale Kosten und Vertragsbedingungen der fünf betrachteten Produkte auf der Website der Anbieter aufgeführt sind. Mängel zeigten sich hier v.a. bei den Produkten Kreditkarte und Tagesgeld. So waren beispielsweise Gebühren für Auslandsabhebungen bzw. –zahlungen mit der Kreditkarte bei 80% der Anbieter erst beim Blick in das Kleingedruckte, d.h. das detaillierte Preis-/Leistungsverzeichnis ersichtlich. Zudem fehlten z.T. Angaben zu Mindest- und Maximalanlagebeträgen bei Tagesgeldkonten. Und auch der eindeutige Hinweis, dass es sich beim Tagesgeldzinssatz um einen variablen Zins handelt, wurde bei fünf der elf Banken vergeblich gesucht. Den transparentesten Internetauftritt bot nach Ansicht der Tester die easybank.
In puncto Website-Komfort überzeugte hingegen die Generali Bank. In dieser Teilkategorie wurden Aspekte wie die Übersichtlichkeit und Struktur der Website erfasst. Ebenso wurde geprüft, welche Zusatzservices die einzelnen Banken anbieten.

Bei der Produktvielfalt zeigte sich, wie schon zuvor erwähnt, dass viele der getesteten Direktbanken nur über ein sehr eingeschränktes Spektrum verfügen. Am breitesten aufgestellt mit einem umfassenden Angebot an Konten & Karten, Sparkonten und –plänen sowie handelbaren Wertpapieren war die Hello bank!.

Kundendienst zum Teil mit Kompetenzdefiziten

Schließlich wurde in der Kategorie Kundendienst noch die Erreichbarkeit sowie Freundlichkeit und Kompetenz des Kundendienstes getestet. Vielfältige Kontaktmöglichkeiten sind bei einer Direktbank, bei der man als Kunde nicht einfach in eine Filiale gehen kann, besonders relevant. Entsprechend bieten vier der elf getesteten Banken neben der üblichen telefonischen Hotline und einer Emailadresse bzw. einem Kontaktformular auch einen Rückrufservice an. Die Zeiten, zu denen die telefonische Hotline kontaktiert werden kann, unterscheiden sich zudem stark. Während die ING-DiBa 24 Stunden rund um die Uhr sowohl werktags als auch am Wochenende erreichbar ist, kann man sein Anliegen bei anderen nur von Montag bis Freitag zwischen 8 und 17 Uhr vortragen.

Unabhängig von der Erreichbarkeit zeigte sich der telefonische Kundendienst in den meisten Fällen bei allen aber sehr freundlich und kompetent, wenn auch teils kurz angebunden. Der Email-Support präsentierte sich hingegen nicht immer ganz so perfekt. Hier erhielten die Tester nur auf 87% der Emailanfragen überhaupt eine Antwort - und diese war in vier von fünf Fällen leider falsch. Am besten in der Kategorie Kundendienst schnitt die LiveBank ab.

easybank Testsieger der Gesamtstudie, gefolgt von der ING-DiBa Direktbank Austria und der Generali Bank AG

Die easybank erfüllte die gesetzten Kriterien insgesamt am besten und wurde Testsieger, gefolgt von der ING-DiBa Direktbank Austria und der Generali Bank AG. Die drei Führenden bieten dabei ein ausreichend breites Produktspektrum von Girokonto bis Depot, um als vollwertige Alternative zur herkömmlichen Filialbank gelten zu können. Die easybank überzeugte zudem v.a. mit dem besten Girokonto sowie der höchsten Transparenz. Die ING-DiBa Direktbank Austria punktete mit rundum guten Konditionen sowie einem sehr guten Kundendienst. Die drittplatzierte Generali Bank AG zeigte ebenfalls einen sehr guten Kundendienst sowie eine sehr übersichtliche Website und ein umfassendes Angebot.


Die ausführlichen Ergebnisse des Tests sind gegen eine Schutzgebühr von 1.490 EUR zzgl. USt. bei der ÖGVS ( info <AT> qualitaetstest.at ) erhältlich.

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