Einführung der Registrierkasse - ein Zwischenstand

Ab 1. Jänner 2016 gilt für Unternehmer in Österreich die Registrierkassenpflicht. Tausende Unternehmer bringt die Einführung der Registrierkasse zur Verzweiflung. FORMAT gibt einen aktuellen Zwischenstand und Praxistipps vom Experten. Und beantwortet Ihre Fragen.

Einführung der Registrierkasse - ein Zwischenstand

Viele Unternehmer wissen noch nicht, wie sie die Registrierkassenverordnung richtig umsetzen.

Vom Gutschein bis zur Goldkette: Wie ist das jetzt genau? Fragen über Fragen haben noch immer unzählige Unternehmen, die per Gesetz zum 1. Jänner 2016 eine Registrierkasse einführen müssen. Landwirte, Schmuckdesigner, Therapeuten oder Hüttenwirte haben Ihre Fragen gestellt.

FORMAT beantwortet die Fragen der Leser. Und gibt Tipps, wie man die Einführung der Registrierkasse richtig angeht. Stellen auch Sie Ihre fragen - wir werden antworten.

Margarete Z. aus Salzburg: Wir haben einen Bauernhof mit Übernachtungsmöglichkeit und einen Lebensmittelverkauf. Müssen wir zwei separate Kassensysteme anschaffen?
Sollten Sie als Landwirtin voll pauschaliert sein, fallen Sie nicht unter die Registrierkassenpflicht, sonst aber schon, sofern die Umsatzgrenzen überschritten sind. Zwei separate Kassensysteme brauchen Sie aber nicht, selbst wenn es sich um getrennte Unternehmen handeln sollte, könnten Sie mit einer Kasse arbeiten. Wichtig ist nur, dass am Beleg das jeweils leistende Unternehmen steht und ab 2017 auch jedes Unternehmen eine eigene Signaturkarte hat.

Thomas R. aus Wien: Ich arbeite als Therapeut in einer Gruppenpraxis, wo wir uns die Infrastruktur (Büro, Telefon, Computer) teilen, aber jeder für sich Einzelunternehmer ist. Reicht ein System oder muss jeder für sich etwas anschaffen? Brauchen wir auch einen Bondrucker?
Es reicht ein PC oder Tablet für alle. Auch ein Bondrucker ist nicht unbedingt notwendig. Wichtig ist, dass jeder seine eigene Smartcard hat, die er dann über USB ansteckt, wenn er "seine" Umsätze einträgt. Die müssen genau zuordenbar sein.

Petra S. aus Wien: Ich bin Schmuckdesignerin und möchte wissen, wie detailliert die Produktkategorien sein müssen, die das Finanzamt akzeptiert. Und ich frage mich, welche App- Kassen vom Finanzamt anerkannt werden, also zertifiziert sind?
Nach derzeitigem Stand wird "Schmuck" als Warenbezeichnung nicht reichen, es muss zwar nicht "Goldkette" oder "Silberring" sein, aber "Kette" oder "Ring" wird als handelsübliche Bezeichnung am Kassenbon nötig sein. "Zertifizierte" Kassensysteme wird es seitens des Bundesfinanzministeriums (BMF) nicht geben, es wird aber Prüfprogramme seitens des BMF geben, mit denen jeder im Rahmen der Inbetriebnahme überprüfen kann, ob seine Kasse grundsätzlich entspricht. In diesem Falle gilt dann auch die gesetzliche Vermutung der Ordnungsmäßigkeit. Wichtig: Wenn Sie jetzt eine Kasse kaufen, lassen Sie sich von Ihrem Anbieter schriftlich bestätigen, dass die Kasse auch 2017 den gesetzlichen Anforderungen entsprechen wird.

Peter H. aus Niederösterreich: Ich bin Hüttenwirt und meine Saison geht in der Regel von Mai bis Oktober. Den Winter verbringe ich in der Stadt und mache meinen Jahresabschluss traditionell nicht erst zum 31. Dezember. Muss ich dann trotzdem auf den Berg hinauf?
Die RKSV sieht derzeit tatsächlich vor, dass der Jahresabschluss am Jahresende (31.12. oder 1.1.) durchgeführt werden muss. Auf eine Frage seitens der WKO, bei der genau ein Beispiel wir Ihr Betrieb genannt wurde, hat man seitens des BMF bestätigt, dass es tatsächlich einer der beiden Tage sein muss. In der Praxis ist dennoch zu hoffen, dass dies nicht streng gesehen wird, weil es ja überhaupt keinerlei sicherheitstechnische Bedenken geben kann, wenn Sie bereits am 31.10. den Abschluss machen und dann die Kasse außer Betrieb nehmen.

Sandra K. Kosmetikerin aus Graz: Ich gebe regelmäßig Gutscheine aus und habe auch immer wieder Kreditkartenbuchungen. Wie verbuche ich Gutscheine und sind Kreditkartenumsätze auch Barumsätze?
Kreditkartenumsätze sind auch Barumsätze. Bei den Gutscheinen ist zu trennen zwischen reinen Wertgutscheinen (etwa 100-Euro-Gutschein) oder einem Gutschein für eine konkrete Leistung (z. B. eine Gesichtsbehandlung). Ein Gutschein für eine konkrete Leistung wird sofort beim Verkauf als Barumsatz angesehen (sofern bar oder per Kreditkarte bezahlt), dementsprechend ist auch sofort ein Beleg mit der Registrierkasse auszustellen. Anders sieht dies aus, wenn es nur ein Wertgutschein ist. Hier ist der Verkauf des Gutscheins KEIN Umsatz und muss nicht in der Registrierkasse erfasst werden, die Einlösung des Gutscheines ist jedoch ein Barumsatz, und dann muss ein Beleg ausgestellt werden. In der Praxis wird natürlich der Verkauf des Gutscheins auch in der Kasse erfasst werden, weil sonst der Kassenstand nicht stimmt, die Registrierkasse muss das mit einer speziellen Signatur berücksichtigen (das ist aber die Aufgabe des Kassenherstellers).

Josef A. Maronibrater und Anbieter saisonaler Produkte auf Weihnachtsmärkten, OÖ: Unser Jahresumsatz liegt über den 30.000 Euro, wenn man alle Stände einrechnet. Können wir von der Kalte-Hände-Regel Gebrauch machen oder nicht?
Leider nein, es zählt der Umsatz des gesamten Betriebes. Sogar wenn Sie beispielsweise noch sackweise Maroni über Rechnungen (mit Zahlschein) verkaufen würden, würde dieser Umsatz ebenso zählen. Nur wenn der gesamte Betriebsumsatz unter 30.000 Euro im Kalenderjahr liegt, könnten Sie die Sonderregel der "kalten Hand" in Anspruch nehmen und würden keine Registrierkasse benötigen.

Sie sind Unternehmer und haben individuelle Detailfragen zur "Kassenpflicht", schreiben Sie ein Mail an steininger.barbara <AT> format.at .

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Auskunft und Hilfe via Internet

Betroffene sollten sich die Website wko.at/registrierkassen dauerhaft markieren: Hier wird (täglich aktualisiert) alles Wichtige erklärt, es gibt Termine zu Infoveranstaltungen, Webinare u. a. In einer Datenbank kann man nach Anbietern suchen. Da die Kammer "neutral" sein muss, werden hier keine Empfehlungen ausgesprochen. Sie können in der Datenbank aber nach Experten in Ihrer Branche bzw. Ihrer Umgebung suchen. Tipp: Schauen Sie, welche Lösungen Ihr Konkurrent verwendet. Die Chipkarten/Zertifikate, die ab 2017 die Kassen sicher machen, werden von zwei Unternehmen angeboten: Globaltrust und A-Trust.

Lesen Sie auch im FORMAT Ausgabe 44/2015
Die lange Schlange vor der Registrierkasse

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