Welche Risiken Versicherer am meisten fürchten

Welche Gefahren die Versicherer weltweit sehen, welche Probleme mit den neuen Eigenkapitalvorschriften der EU ab 2016 verbunden sind und welche neuen Geschäftsmodelle sie verfolgen.

Versicherer versuchen derzeit den Spagat zwischen hohen Zins-Versprechen gegenüber dem Kunden und schwierigen Markt-Bedingungen und strengeren EU-Vorschriften zu bestehen.

Versicherer versuchen derzeit den Spagat zwischen hohen Zins-Versprechen gegenüber dem Kunden und schwierigen Markt-Bedingungen und strengeren EU-Vorschriften zu bestehen.

Die Versicherer gehen derzeit weltweit höhere Risiken ein. So gaben 57 Prozent der im Auftrag von US-Fondsriesen BlackRock befragten Versicherer mit einem Vermögensbestand von insgesamt rund 6,5 Billionen Dollar an, das Risiko in ihren Anlageportfolios innerhalb der nächsten zwölf bis 24 Monate anheben zu wollen. Das sind doppelt so viele wie vor einem Jahr. Mit dem höheren Risiko wollen sie gesunkene Erträge durch die Niedrigzinspoltik der Notenbanken ausgleichen.

Niedrigzinspolitik als größtes Marktrisiko

83 Prozent der befragten Versicherer weltweit erwarten, dass Qanantitative Easing die Geldpolitik die Preise von Vermögenswerten auch in den kommenden zwei Jahren unterstützen werden.Gleichzeitig sorgen sich viele der Befragten aber auch dahingehend, dass QE und die Geldpolitik am Markt zu Ungleichgewichten geführt haben. Dies, so die Befürchtung, könne sich negativ auf die Wirtschaft auswirken und ein Umfeld schaffen, das für die Versicherer nicht nachhaltig ist.
1. Das anhaltende Niedrigzinsumfeld gilt bei 44 Prozent der Umfrageteilnehmer als größtes Marktrisiko,
2. gefolgt von einem deutlichen Zinsanstieg (36 Prozent) und einer
3. Korrektur bei den Preisen von Vermögenswerten (33 Prozent).

Barbestände werden erhöht

Als Ergebnis davon will etwa die Hälfte (49 Prozent) der Befragten ihre Barbestände auf Sicht der nächsten zwölf bis 24 Monate ausbauen – auch, um mehr Raum für taktische Allokationen im Portfolio zu schaffen. Mehr als ein Drittel (36 Prozent) plant, die Barbestände generell zu erhöhen. Darunter fällt auch fast die Hälfte (45 Prozent) derer, die ein höheres Portfoliorisiko eingehen wollen.

Patrick Liedtke, Leiter des Asset-Management-Geschäftes mit Versicherern in Europa bei BlackRock: „Das makroprudenzielle Bild führt dazu, dass viele gleichzeitig einen Fuß auf dem Gaspedal und einen auf der Bremse haben. Es ist keine Überraschung, dass das Fahren auf diese Art und Weise schwer fällt.".

Alternative Investments wie Darlehen, unverbriefte Kredite im Steigen

82 Prozent wollen ihre Positionen im Bereich ertragsorientierter alternativer Kreditpapiere ausbauen. Dazu gehören etwa Gewerbeimmobiliendarlehen, unverbriefte Kredite an kleine und mittelgroße Unternehmen und direkte Gewerbehypotheken – sprich Bereiche, in denen traditionell vor allem Banken agieren. Dies ist eine deutliche Entwicklung, denn traditionell sind Versicherer stark in Staatsanleihen guter und sehr guter Bonität sowie Unternehmensdarlehen investiert. In den vergangenen Jahren haben Banken sich aus dem Kreditmarkt zurückgezogen. Die Umfrage im Auftrag von BlackRock legt nahe, dass Versicherer diese Situation zumindest teilweise genutzt haben, um Darlehen für die Entwicklung von Gewerbeimmobilien und Kredite für kleine und mittelgroße Unternehmen bereitzustellen.

„Versicherer wenden sich einem breiteren Sortiment an Vermögenswerten zu. Dazu gehören speziell Alternativen im Bereich ertragsorientierter Kreditpapiere wie Direktdarlehen. Damit wollen die Institute ihre Renditequellen diversifizieren und die laufenden Erträge erhöhen. Aber das ist nicht leicht, da diese Märkte traditionell nicht das Feld von Versicherern sind. Zudem gibt es regulatorische Barrieren“, sagt Liedke.

Wie sich die verschärften EU-Versicherungsrichtlinie Solvency II auf die Branche auswirken könnten

Im Januar 2016 tritt Solvency II in Kraft. Das soll dazu führen, dass Versicherer vermehrt in Anleihen mit Investmentgrade-Ratings investieren. Das gilt vor allem für Institute mit geringerer Eigenmittelausstattung. Die Zahl der Befragten, die ihre Bestände in Investmentgrade-Anleihen erhöhen wollen, hat sich fast verdoppelt – auf 45 Prozent von 24 Prozent vor einem Jahr. Liedtke: "Diese Entwicklung steht in Kontrast zum jüngsten Trend hin zu mehr alternativen Anlageformen."

„Wer Solvency II nicht richtig umsetzt, wird kein Kapital einsammeln“, sagt Liedtke. Die Institute mit höheren Eigenmittelausstattung können weiter wachsen und in Strategien mit höheren Renditen investieren, da sie mehr Geld für den von der EU geforderten Risikopuffer haben. Für Institute mit geringeren Eigenmittelausstattung (Solvency) dürfte die Situation schwieriger werden. Denn die Geldpolitik, die starke Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Wertpapieren und regulatorische Reformen haben dazu geführt, dass Handelsbestände und Umsätze am Anleihenmarkt gesunken sind, was Druck auf die Liquidität von Anleihen ausübt.“

Liquiditätssorgen treiben Versicherer in Derivate und ETFs

Mehr als zwei Drittel (67 Prozent) der Versicherer sagen, dass mangelnde Liquidität den Zugang zu festverzinslichen Anlagemöglichkeiten erschwert. Etwa drei Viertel (73 Prozent) sind der Ansicht, die Liquidität sei aktuell geringer als vor der Krise. Im Ergebnis plant die Mehrheit der Versicherer, Derivate (69 Prozent) und ETFs (67 Prozent) stärker einzusetzen. Als Hauptgrund dafür nennen die Befragten mangelnde Liquidität bei Investmentgrade-Anleihen.

„Die Mischung aus zunehmend unterschiedlichen geldpolitischen Richtungen der Notenbanken, dem Liquiditätsrisiko am Anleihenmarkt und erhöhter regulatorischer Aufmerksamkeit stellt die Branche vor ein Dilemma. Es gibt Möglichkeiten, um gesunde Bilanzen zu wahren und Geschäftsbereiche, die unter Druck geraten sind, aufrecht zu erhalten. Aber Investoren sollten sich zügig damit vertraut machen, ihre Portfolios im Hinblick auf risiko- und ertragreichere Vermögenswerte zu diversifizieren. Außerdem sollten sie die Risiken, die diese Bereiche des Kapitalmarktes naturgemäß mit sich bringen, managen.“

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