Vorsicht vor dem Vorsorgeloch

Vorsicht vor dem Vorsorgeloch

Die staatlichen Pensionen werden in den nächsten Jahren drastisch schrumpfen. Die Kosten für die Altenpflege nehmen hingegen zu. FORMAT sagt Ihnen, wie Sie Ihre Zukunft dennoch sichern.

Es ist ein Thema, vor dem viele die Augen verschließen. Zum einen, weil sie meinen, dass man doch nichts ändern kann. Und zum anderen, weil der Ausblick meist wenig erfreulich ist: die Zukunftsvorsorge der Österreicher. Den meisten Menschen ist klar, dass sie im Alter mit weniger Geld auskommen müssen, als sie während ihres Berufslebens zur Verfügung hatten. Doch wie groß das Pensionsloch wirklich sein wird, wollen die wenigsten wissen.

Ein weiteres Problem, vor dem man gerne die Augen verschließt: Da unsere Lebenserwartung ständig steigt, werden auch die Kosten für die Betreuung nicht mehr so rüstiger Menschen zunehmen. Bislang übernimmt der Staat die Kosten der Pflegeversorgung alter Menschen. Doch wie lange noch?

FORMAT möchte in einer monatlichen Serie die Probleme, die in der Zukunftsvorsorge auf die Österreicher zukommen, aufzeigen. Und gleichzeitig Lösungswege präsentieren. Denn auch wenn es klar ist, dass in Zukunft weniger staatliche Mittel zur Verfügung stehen werden, gibt es Auswege für die Zukunftsvorsorge.

Weniger Erwerbstätige
Klar ist: Vom Staat darf man sich immer weniger Unterstützung erwarten. Zwar ist das staatliche Pensionssystem, das über den Weg des Umlageverfahrens die Pensionen der nicht mehr Erwerbstätigen finanziert, ein höchst sinnvolles System. Aber es stößt an seine Grenzen. Die Zahl der nicht mehr Erwerbstätigen nimmt kontinuierlich zu. Bereits 2030 wird ein Erwerbstätiger mit seinen Sozialversicherungsbeiträgen zwei Pensionisten finanzieren müssen. Und die Bereitschaft des Staates, Zuschüsse zu den Pensionen zu leisten, sinkt. Ulrich Schuh, Leiter des Wirtschaftsforschungsinstitutes Eco Austria, prognostiziert daher: „Die staatliche Pension wird ab 2030 um 25 Prozent sinken.“

Dabei haben die staatlichen Pensionsleistungen schon in den letzten Jahren deutlich nachgelassen. Allein durch sämtliche Reformen des staatlichen Pensionssystems seit 1989 sind die zu erwartenden Pensionen bereits um 30 Prozent niedriger als davor. So erhält ein 1970 geborener Akademiker, der in seinem Berufsleben ein kontinuierlich steigendes Gehalt hat, bei seinem Pensionsantritt im Jahr 2032 nur noch 71 Prozent der monatlichen Pensionsleistung, die er noch nach den gesetzlichen Grundlagen von 1989 gehabt hätte. „Diese Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass die staatlichen Pensionen künftig nicht mehr ausreichen werden“, sagt Andreas Zakostelsky, Vorstandsvorsitzender von Valida Vorsorge Management.

Staatliche Förderung
Um diese drohende Pensionslücke auszugleichen, hat der Staat das Modell der geförderten Pensionsvorsorge geschaffen. Eine private Zukunftsvorsorge, die vom Start weg von den Österreichern gut angenommen wurde. Seit 2003 haben 1,6 Millionen Österreicher Versicherungsverträge zum Aufbau einer staatlich geförderten Zukunftsvorsorge abgeschlossen. Doch just bei jener Variante hat Finanzministerin Maria Fekter zu Beginn 2012 den Rotstift angesetzt und die Förderung auf 4,25 Prozent halbiert. Seitdem sind die Pensionssparer verunsichert. Entsprechende Polizzen für die geförderte Zukunftsvorsorge werden seither kaum noch abgeschlossen. Das sei ein völlig falsches
Signal, klagt die Versicherungswirtschaft. Denn die Österreicher meinen nun, dass die staatliche Vorsorge wohl doch ausreichen würde.

Ein Irrglaube, wie die Diskussionen rund um die Pensionsproblematik auch in Deutschland zeigen. Dort führt kein Weg an einer Erhöhung des Pensionsalters vorbei. Der Rentenbeginn wurde auf 67 Jahre angehoben. Durch diese Maßnahme hofft man, die Renten bis zum Jahr 2030 einigermaßen abgesichert zu haben. Der deutsche Pensionsexperte Bert Rürup sieht auch für Österreich entsprechenden Handlungsbedarf. Spätestens 2016 bis 2018 müssen seiner Prognose nach auch in Österreich entweder das Pensionsantrittsalter angehoben oder die Leistungen gekürzt werden.

Früher Start
All das zeigt: Private Vorsorge tut in Zukunft immer mehr not. Und: Je früher man damit beginnt, umso besser. Heinz Schuster, Vorstandsvorsitzender der s Versicherung: „Wenn jemand bei der Geburt seines Kindes bis zu dessen 25. Geburtstag jeden Monat 30 Euro in eine Lebensversicherung einzahlt – und danach das Kapital in der Versicherung liegen lässt –, erhält das Kind bei seinem Pensionsantritt eine zusätzliche monatliche Rente von rund 240 Euro.“ Beginnt man erst zum 25. Geburtstag mit der Altersvorsorge und zahlt 40 Jahre lang – also bis zu seinem Pensionsantritt – 30 Euro, erhält man trotz doppelt so langer Anspardauer nur rund 105 Euro im Monat. Dieses Beispiel zeigt, wie stark der Zinseszinseffekt ist. Auch wenn private Lebensversicherungen durch die aktuelle Senkung des Garantiezinses wenig attraktiv erscheinen, sollte man ihre langfristige Wirkung beachten.

Ein weiterer wichtiger Faktor wird die betriebliche Pensionsvorsorge sein. Nur wenn es auch in Unternehmen entsprechende finanzielle Unterstützungen für Mitarbeiter gibt, kann die Pensionslücke einigermaßen geschlossen werden. Durch eine Erhöhung der Beträge für die steuerliche Absetzbarkeit von Beiträgen von Unternehmen zur Zukunftsvorsorge könnte die zweite Säule massiv gestärkt werden. Denn nur mit dem staatlichen System, der privaten und der betrieblichen Vorsorge kann es gelingen, das Pensionsloch zu schließen.

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