Sichere Extra-Rente vom Chef

Sichere Extra-Rente vom Chef

Die betriebliche Vorsorge führt in Österreich ein Schattendasein. Doch gerade die betriebliche Kollektivversicherung bietet, anders als die Pensionskassen, garantierte und lebenslange Renten. Nach der Novelle ist jetzt auch ein Wechsel möglich.

In zwei Jahren ist es soweit: Ab 2015 werden mehr Menschen in Ruhestand gehen als Junge in den Arbeitsmarkt eintreten. Im Jahr 2030 wird jeder dritte Österreicher älter als 60 Jahre sein. „In Österreich erbringt aber noch immer 90 Prozent der Pensionsleistung der Staat und nur zehn Prozent kommen aus der betrieblichen und privaten Säule. Dieses Ungleichgewicht führt dazu, dass die Pensionsaufwendungen von staatlicher Seite a la long nicht mehr zu finanzieren sein werden“, so Heinz Schuster, Vorstandsvorsitzender der s Versicherung. Doch neben der staatlichen Rente gibt es noch die private und die in Österreich sehr vernachlässigte betriebliche Vorsorge. FORMAT verrät Ihnen, worauf es bei der betrieblichen Vorsorge ankommt.

Betriebliche Vorsorge unbekannt

Rund 800.000 Österreicher haben derzeit Anspruch auf eine Firmenpension. Die derzeit 17 Pensionskassen veranlagen ein Vermögen von über 15 Milliarden Euro und sind damit der größte private Pensionszahler Österreichs. Doch eine Studie meinungsraum.at im Auftrag der Wiener Städtischen aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass sich die Begeisterung der Bevölkerung für die betriebliche Vorsorge in Grenzen hält.

Von 1.000 befragten Österreichern ist die betriebliche Vorsorge nur sieben Prozent als Möglichkeit überhaupt bekannt. 59 Prozent der befragten Berufstätigen gaben sogar an, dass es in ihrem Unternehmen kein entsprechendes Angebot gibt, aber 73 Prozent würden sich ein solches Modell wünschen. Heinz Schuster: „Hier bedarf es ernstgemeinter Änderungen bzw. Fördermodelle um die Menschen dazu zu motivieren, die betriebliche und private Säule viel stärker zu besparen.

Können die Österreicher nur 300 Euro pro Jahr für eine betriebliche Rente absetzen, so sind es in Deutschland bis zu 4.400 Euro pro Jahr. Kein Wunder also, dass mehr als 70 Prozent der Deutschen eine zusätzliche Altersvorsorge aus der betrieblichen Säule haben. In der Schweiz ist dieser Wert sogar noch höher. In Österreich sind es kaum 20 Prozent!“

Dass Betriebspensionen heute verschrien sind, resultiert aus den Börseturbulenzen in den vergangenen Jahren die zu Einbrüchen bei den Firmenpensionen der Pensionskassen geführt hatten. Teilweise mussten Rentenbezieher Kürzungen um bis zu 50 Prozent hinnehmen. Besonders betroffen waren alte Verträge aus den 90er-Jahren. Franz Schön, Pensionskassen-Experte des Pensionisten-Verbandes: „Die Rechnungszinssätze von über fünf Prozent in den 90er-Jahren waren an den Aktienmärkten langfristig nicht erreichbar. Kürzungen waren schon damals vorprogrammiert.“ Ein Aus-oder Umstieg auf rentablere Veranlagungsmöglichkeiten sah das 1990 geschaffene Pensionskassengesetz aber nicht vor.

Betriebliche Kollektivversicherung

Seit 2005 gibt es die betriebliche Kollektivversicherung als Alternative zur Pensionskasse. Anders als bei einer Pensionskasse orientiert sich die Rentenauszahlung nicht nur am Veranlagungserfolg sondern ist ähnlich wie eine klassische Lebensversicherung aufgebaut. Neben einem Garantiezinssatz von derzeit 1,75 Prozent werden auch die jährlich erwirtschafteten Gewinne den Pensionen gutgeschrieben. Das Gute dabei ist, dass die jährlich zugeteilten Gewinne nicht verfallen. Bereits bei Vertragsabschluss kann eine garantierte lebenslange Rente ausgewiesen werden, die sich jährlich durch die Gewinnzuteilung auch noch erhöht.

Obwohl die Vorteile der betrieblichen Kollektivversicherung gerade in den vergangenen Krisenjahren damit klar auf der Hand lagen, gibt es erst seit Kurzem eine Wechselmöglichkeit. Nach dreijähriger Diskussion beschloss der Nationalrat im vergangenen Mai eine Novelle, die am 1. Jänner 2013 in Kraft getreten ist. Mit der Neuregelung können Anspruchsberechtigte ab dem 55. Lebensjahr von einer Pensionskasse in eine betriebliche Kollektivversicherung switchen.

Auch Personen, die bereits Leistungen beziehen, können heuer einmalig wechseln. Doch die Novelle ist nur ein Minimalkompromiss und geht den Assekuranzen und vielen Versicherten viel zu wenig weit. Auch Finanzministerin Maria Fekter war bei Verabschiedung der Novelle überzeugt, dass das nicht die letzte Reform sein wird. s Versicherungs-Vorstand Schuster: „Die Novelle brachte eine Wechselmöglichkeit ab dem 55. Lebensjahr. Wir hätten uns hier allerdings etwas mehr erwartet. Dienstnehmer müssen aber von Beginn an, und auch während der Dauer des Dienstverhältnisses bis zum Pensionsantritt, selbst entscheiden können, ob sie in einer Versicherung oder einer Pensionskasse ansparen möchten.“

Service

Der neue Preis für Sicherheit

Versicherung

AK-Test: Versicherer kassieren saftige Spesen

Versicherung

Zukunftsvorsorge: Schwerer Konstruktionsfehler