Österreichs Pensionssystem: Hart am Limit

Österreichs Pensionssystem: Hart am Limit
Österreichs Pensionssystem: Hart am Limit

Die Pension genießen - ein möglicherweise bald unfinanzierbarer Traum?

Österreicher sind Vorsorgemuffel, und wir leisten uns ein Luxus-Pensionssystem. Laut Experten werden sich die notwendigen staatlichen Zuschüsse in die Pensionskassen aufgrund der demografischen Entwicklung bis 2040 verdoppeln. Reformen werden gefordert.

Die staatlichen Pensionen lassen sich die Österreicher viel kosten: Laut Finanzministerium ist der Bundeszuschuss zu den staatlichen Pensionen in den Jahren 2003 bis 2013 von 5,6 Milliarden Euro auf fast 8,7 Milliarden Euro gestiegen. Laut Experten wird sich dieser Betrag aufgrund der demografischen Entwicklung bis 2040 verdoppeln. Im Grunde sind sich alle einig, dass es dringend Lösungen braucht, doch die große Frage ist: Wie? Sicher ist, dass es in Zukunft deutlich mehr Eigenvorsorge braucht. International ist das schon lange Trend. Österreich wird sich dem nicht mehr entziehen können.

Auf den hinteren Rängen

Dass Österreich im internationalen Vergleich Nachholbedarf hat, zeigt auch der "Melbourne Mercer Global Pension Index 2014". Dieser hat im vergangenen Jahr 25 weltweit ausgesuchte Altersversorgungssysteme untersucht und hinsichtlich ihrer Angemessenheit, Nachhaltigkeit und Integrität bewertet. Dabei wurden neben den staatlichen Pensionssystemen und der betrieblichen Altersversorgung auch private Anlagen und Vorsorgemaßnahmen berücksichtigt. Österreich wird dabei kein gutes Zeugnis ausgestellt und die Alpenrepublik rangiert nur auf dem 17. Platz. Dänemark ist laut Mercer Spitzenreiter, die Schlusslichter des Rankings bilden Indien, Südkorea und Japan. Die Ursache für das schlechte Abschneiden Österreichs resultiert aus dem Thema Nachhaltigkeit. Hier hat Österreich die zweitschlechteste Bewertung im gesamten Index erhalten. Nur Italien schnitt noch schlechter ab. Für das Beratungsunternehmen Mercer steht in Österreich besonders die künftige Finanzierung des Pensionssystems auf schwachen Beinen. "Die Bewertung Österreichs zeigt deutlich, wo am Pensionssystem noch gearbeitet werden muss. Doch nicht nur das gesetzliche Pensionssystem muss reformiert werden, auch die betriebliche Altersvorsorge muss dringend stärker gefördert werden", so Josef Papousek, Geschäftsführer von Mercer in Österreich.

Großer Nachholbedarf

Die Österreicher legen rund 230 Euro pro Monat als "Notgroschen" zur Seite. 16 Milliarden Euro gaben sie im Jahr 2013 für Vorsorgeprodukte aus. Doch das ist im internationalen Vergleich wenig. Bert Rürup, Präsident des Handelsblatt Research Instituts und führender Experte für Altersvorsorge: "Angesichts einer Kapitaleinkommensquote von mehr als 30 Prozent in Relation zum BIP ist der derzeitige Anteil kapitalgedeckter Pensionen in Österreich mit gerade einmal 3,52 Prozent in Bezug auf die gesamten Pensionen sehr gering." Beträgt der OECD-Schnitt 17,05 Prozent, so sind es bei unserem großen Nachbarn Deutschland 17,18 und bei den Niederländern sogar 44,96 Prozent. Unter risikodiversifizierenden Gesichtspunkten sei einem mischfinanzierten System laut Rürup der Vorzug vor monokausal finanzierten Systemen zu geben.


Ein Blick über die Grenzen wäre angebracht, um die ideologischen Scheuklappen abzulegen.

"Die Diskussion über kapitalgedeckte Ergänzungssysteme in Österreich leidet aber darunter, dass viele, die für einen Ausbau solcher Systeme werben, dies oft mit der Forderung nach einem Rückbau des Umlagesystems verbinden. Gleichzeitig sehen SPÖ und die Gewerkschaften in kapitalgedeckten Systemen verabscheuungswürdiges neoliberales Teufelszeug. Ich halte beide Positionen für falsch", so Pensionsexperte Rürup.

Später in Rente

Die letzten Pensionsreformen zeigen bereits Wirkung. Nicht nur in der Privatwirtschaft, sondern auch bei den Beamten ist die Zahl der Neupensionierungen 2014 um mehr als die Hälfte zurückgegangen, und damit ist das Pensionsantrittsalter der Bundesbeamten um zehn Wochen gestiegen. In der Privatwirtschaft ist das Pensionsantrittsalter sogar um 13 Monate gestiegen. Damit geht man in Österreich aktuell mit 59,6 in der Privatwirtschaft und als Beamter mit 60,9 Jahren in Pension. Das ist noch immer zu früh. Pensionsexperte Rürup: "An einer Anhebung des tatsächlichen Pensionsantrittsalters und in der Folge auch des gesetzlichen wird die österreichische Politik nicht vorbeikommen. Auch die gesetzliche Angleichung des Pensionsantrittsalters für Frauen muss früher kommen, als es in Österreich geplant ist. Ein Blick über die Grenzen Österreichs wäre angebracht, um endlich die ideologischen Scheuklappen abzulegen." Für die meisten internationalen Pensionsexperten ist klar, dass ein Zukunftsmodell für ein nachhaltiges und dauerhaftes Pensionssystems nur auf Basis eines Drei-Säulen-Modells bestehen kann, in dem die private und die betriebliche Vorsorge eine wichtige Ergänzung zur staatlichen Versorgung darstellen.

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