Die fünf größten Missverständnisse zum Thema Pflege

Zu hoffen, dass Pflegekosten vom Staat übernommen werden, kann tückisch sein. Zum Kostenbeitrag durch Angehörige oder den Rückgriff auf Schenkungen gilt es einiges zu berücksichtigen. Wann Sozialversicherer auf Wertpapiere, Eigentumswohnungen und Einkommen Zugriff haben.

Die fünf größten Missverständnisse zum Thema Pflege

Pflegefälle: Ein Leitfaden gibt Auskunft zu den wichtigsten Fragen der Finanzierung.

„Aus Studien wissen wir, dass sich die meisten Menschen keine großen Sorgen darüber machen, was im Falle einer Pflegebedürftigkeit auf sie zukommt. Zumeist vertraut man auch darauf, dass der Staat ohnehin einspringen wird, wenn es darum geht, die Pflegekosten zu decken“, erläutert Kurt Molterer, Vorstandsvorsitzender der Nürnberger Versicherung Österreich. Dabei gehen die Menschen oftmals von falschen Annahmen aus. Die Nürnberger Versicherung hat deshalb einen Leitfaden aufgelegt, der Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Pflege gibt.

1. Wenn ich pflegebedürftig werde, wird der Staat für die Pflegekosten aufkommen
Grundsätzlich muss der Pflegebedürftige für seine Pflegekosten selbst aufkommen. Im Falle einer Pflegeheim-Aufnahme springt der Sozialhilfeträger nur dann ein, wenn das Einkommen (Pension, Pflegegeld, Mieterträge etc.) und sofort verwertbares Vermögen des Pflegebedürftigen (z. B. Sparbücher, Wertpapiere etc.) nicht ausreichen, um die Pflegekosten zu decken.

2. Wenn der Sozialhilfeträger einspringt, muss ich nichts rückerstatten
Der Sozialhilfeträger wird immer versuchen, sich zu regressieren. Das bedeutet, er versucht, die Kosten, die ihm entstanden sind, vom Pflegebedürftigen wieder zurückzuholen. Zum Beispiel im Falle einer Eigentumswohnung, wird die Forderung meist pfandbrieflich im Grundbuch sichergestellt werden.

3. Wenn ich überhaupt kein Vermögen habe, kann sich der Staat nichts holen
Scheidet ein Regress beim Pflegebedürftigen aus, so wird der Sozialversicherungsträger versuchen, sich an den Angehörigen zu regressieren. Grundsätzlich gilt, dass Kinder keine Ersatzpflicht trifft; der Kostenbeitrag von Ehepartnern ist in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt. Wenn eine Verpflichtung zum Kostenbeitrag besteht, kann dieser zwischen 33 und 40 Prozent des monatlichen Nettoeinkommens betragen.

4. Wenn ich mein Vermögen bei Zeiten an meine Kinder verschenkt habe, müssen diese auch nicht für meine Pflegekosten decken
In den meisten Bundesländern gibt es einen Rückgriff auf die Schenkung. Dabei gelten Fristen, wie viele Jahre vor bzw. nach der Hilfeleistung vergangen sein müssen, damit die Beschenkten von einem Rückgriff ausgenommen sind.

5. Wenn ich eine 24-Stunden-Betreuung zuhause in Anspruch nehme, bekomme ich eine staatliche Förderung
Auch was diese Form der Pflege betrifft, gibt es Einkommensgrenzen. Der Pflegebedürftige erhält eine Förderung nur dann, wenn sein monatliches Nettoeinkommen in der Regel unter 2.500 Euro liegt. Diese Grenze erscheint zwar auf den ersten Blick hoch, es gilt aber zu berücksichtigen, dass hier nicht nur die Pension sondern auch eventuelle Miet- oder Pachteinnahmen sowie Erträge aus Wertpapiervermögen für die Berechnung herangezogen werden. Darüber hinaus gibt es eine Förderung bei der häuslichen Pflege erst ab der Pflegestufe drei.

Daher rät Philip Ranft, Notar in Mattsee: „Lassen Sie sich bei Schenkungen und Vermögensübertragungen von einem Fachmann wie einem Notar beraten. Die Verjährungsfrist von Ansprüchen gegen Geschenknehmer kann je nach Bundesland bis zu 30 Jahre betragen“. Nürnberer-Chef Molterer ergänzt: „Will man die finanzielle Lücke im Falle einer Pflege abdecken, ist eine private Pflegevorsorge unerlässlich“.

Auf der Website www.vorsorge-app.at kann man sich seine persönliche Pflegelücke berechnen und anzeigen lassen, wie hoch das Risiko ist, pflegebedürftig zu werden. Außerdem findet man alles Wissenswerte über die Nürnberger-Pflegevorsorge.

Leistungen & Tarife kaum vergleichbar

Im Schnitt sind Pflegeversicherungen relativ teuer. Je früher die Versicherung abgeschlossen wird, desto gering die Prämien. Wann die Versicherungen zahlen, wird unterschiedlich gehandhabt. Die meisten Versicherer orientieren sich am Bundespflegegesetz, andere wiederum daran, ob bestimmte Tätigkeiten des täglichen Lebens ohne fremde Hilfe verrichtet werden können.So leisten manche Produkte nur bei schwerster Pflegebedürftigkeit, andere wiederum bereits ab Pflegestufe eins. Bei vorübergehender Pflegebedürftigkeit zahlen nur zwei, während eines Spitalsaufenthalts immerhin vier Anbieter, die die Arbeiterkammer verglichen hat.

Die Arbeiterkammer stellt daher fest: Tarife sind aufgrund der unterschiedlichen Leistungen kaum vergleichbar. Die von den Versicherern festgelegten Höchstsätze je Pflegestufe sind sehr verschieden. Die Einschränkungen sind wenig durchschaubar, etwa eine Wartefrist für einen möglichen Leistungsbezug, oder ob Leistungen bei einem Wohnsitz im Ausland ausbezahlt werden. Die Details zur Studie der Arbeiterkammer finden Sie unter http://media.arbeiterkammer.at/PDF/Test_Pflegeversicherung.pdf.

Die Tipps der Arbeiterkammer vor Abschluss einer Pflegeversicherung:

  • Holen Sie mehrere Angebote ein, und lassen Sie sich sorgfältig beraten. Denn die Preis- und Leistungsunterschiede sind sehr unterschiedlich – das macht für Sie einen Vergleich schwierig.
  • Bedenken Sie die lange Vertragsbindung, die oft Jahrzehnte ausmacht. Sie müssen sich die Prämien immer leisten können.
  • Es gibt unterschiedliche Tarife und Modelle für die verschiedensten Bedürfnisse. Legen Sie für sich fest, was Sie brauchen könnten.
  • Prüfen Sie nicht nur den Preis, sondern auch die Leistungen und Zusatzleistungen.
  • Haben Sie bereits eine Kranken- oder Lebensversicherung laufen, können Sie möglicherweise über einen Pflegezusatz günstiger vorsorgen als mit einer Pflegeversicherung. Achtung, schließen Sie nicht extra dafür eine Kranken- oder Lebensversicherung ab – das lohnt sich keinesfalls.
  • Beachten Sie auch andere Vorsorgeformen, etwa Sparbuch, Bausparen oder eine Lebensversicherung.

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