Mehr Sicherheit für Unternehmer: Zehn Fragen und Antworten

Mehr Sicherheit für Unternehmer: Zehn Fragen und Antworten

Die Zahl der Selbstständigen steigt im langfristigen Trend. Das Mehr an Freiheit und Unabhängigkeit hat aber seinen Preis. Die staatliche Versorgung für Selbstständige in Österreich ist gut, aber nicht optimal.

Zudem gilt es, viele Stolpersteine bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) zu vermeiden. Hier die wichtigsten Antworten, die durch den Sozialversicherungsdschungel helfen. Lücken, die nicht durch die SVA gedeckt sind, lassen sich privat gut schließen.

1. Wie viele Selbstständige gibt es in Österreich insgesamt?

Im Jahr 2012 waren in Österreich laut Statistik Austria 474.100 Menschen selbstständig erwerbstätig. 2002 waren es erst 410.600 Menschen, die in Österreich einer unternehmerischen Tätigkeit nachgingen. Neben einer größeren Unabhängigkeit ist die Selbstständigkeit nicht selten ein Ausweg aus der Arbeitslosigkeit.

2. Wie sind Unternehmer in Österreich von staatlicher Seite geschützt?

Unternehmer sind in der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) versichert. Von den Erträgen, die man als Selbstständiger erwirtschaftet, sind 18,5 Prozent für die Pensionsversicherung fällig, 7,65 Prozent für die Krankenversicherung, 1,53 Prozent für die Selbstständigenvorsorge und 8,67 Euro pro Monat für die Unfallversicherung. Für Jungunternehmer gelten in den ersten drei Jahren Sonderregelungen, es wird ein monatlicher Mindestbeitrag von 140,63 Euro von der SVA eingehoben. Achtung: Es kommt nach drei Jahren auf Basis des Einkommenssteuerbescheides zu einer endgültigen Berechnung der Beiträge; in den meisten Fällen heißt das: nachzahlen!

3. Welche Leistungen bekomme ich für meine Beiträge?

In Österreich hat man auch als Selbstständiger eine Basisabsicherung im Krankheitsfall und bei einem Arbeitsunfall. Auch eine Alterspension ist gewährleistet.

4. Welche Risiken sind nicht durch die SVA gedeckt?

Nicht versichert ist zum Beispiel ein Freizeitunfall. Zudem sind die Durchschnittsrenten von Unternehmern mit monatlich 1.189 Euro nicht besonders hoch. Grund: Viele Selbstständige sind während ihrer aktiven Zeit bemüht, möglichst steueroptimal zu agieren. Damit fällt die Bemessungsgrundlage für die SVA niedrig aus. Das führt im Alter zu einer niedrigen Pensionsleistung.

5. Wann beginnt und endet die Pflichtversicherung in der SVA?

Die Pflichtversicherung als Gewerbetreibender beginnt mit Erlangung des Gewerbescheins und endet mit dem Kalendermonat nach dessen Löschung. Die Pflichtversicherung als "Neuer Selbstständiger“ beginnt mit dem Tag der Aufnahme der betrieblichen Tätigkeit und endet mit dem Letzten des Kalendermonates, in dem die Beendigung der betrieblichen Tätigkeit erfolgt. Die Meldung des Versicherten an die SVA muss innerhalb eines Monats ab Aufnahme der Tätigkeit erfolgen.

6. Können die Beiträge zur SVA von der Steuer abgesetzt werden?

Wolfgang Seidl, Direktor der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft in der Steiermark: "Die SVA-Beiträge sind eine Betriebsausgabe und können von der Steuer abgesetzt werden. Wer die SVA-Beiträge im Voraus bezahlt, kann damit sogar die Steuerlast senken.“ Anderes gilt bei der Beitragsgrundlage zur SVA. Hier wird zu dem im Steuerbescheid ausgewiesenen Gewinn der Beitrag zur SVA hinzugerechnet.

7. Welche Vorsorgen sollte man als Unternehmer unbedingt treffen?

Wichtig ist eine private Unfallversicherung, damit man auch bei einem Freizeitunfall geschützt ist. Grund: Die Basisvorsorge der SVA deckt nur den Weg von und zur Arbeit sowie die Unfallrisiken am Arbeitsplatz ab. Heinz Schuster, Vorstandschef der s Versicherung: "Wichtig ist eine private Rentenvorsorge, denn die staatliche Pension ist bei den meisten Selbstständigen meist zu gering, es droht Altersarmut. Auch eine Absicherung der Familie ist zentral. Um 150 bis 200 Euro ist ein guter privater Zusatzschutz, der diese Risiken abdeckt, zu haben.“

8. Welche Absicherungen lohnen sich, wenn man es sich leisten kann?

Um eine Betriebsunterbrechung aufgrund von Krankheit oder eines Feuers abzusichern, ist eine Betriebsunterbrechungsversicherung eine gute Wahl. Auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung lohnt. Grund: Die gesetzliche Pensionsversicherung zahlt nur dann eine Rente, wenn der Unternehmer unter 50 selbst berufsfremde Tätigkeiten nicht mehr ausüben kann. "Hat man eine Berufsunfähigkeitsversicherung, dann zahlt diese auch eine Rente, wenn der erlernten Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann“, so Schuster.

9. Ist eine private Vorsorge in einer Personengesellschaft steuerlich absetzbar?

Sabina Fitz-Becha, auf KMUs spezialisierte Steuerberaterin: "Grundsätzlich können bei Personengesellschaften private Vorsorgen bei der Steuer nicht geltend gemacht werden. Pensions- oder Krankenzusatzversicherungen können privat aber als Topf-Sonderausgaben bis zu maximal 2.920 Euro pro Jahr wirksam veranlagt werden.“

10. Welche steuerlichen Vorteile bieten Kapitalgesellschaften?

Bei einer GmbH lassen sich Firmenpensionen für Geschäftsführer von der Steuer absetzen. "Der Geschäftsführer muss aber die Firmenpension selbst versteuern. Der Vorteil ist, dass die Steuer erst beim Bezug der Pension anfällt, also auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wird“, so Steuerexpertin Fitz-Becha.

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