Lebensversicherungen: Das Ende des Garantiezins?

Die Niedrigzinspolitik der EZB zwingt die Finanzmarktaufsicht dazu, den Garantiezins immer weiter zu senken, um die Lebensversicherungen nicht in ihrer Stabilität zu gefährden. 2017 dürfte der Zins einen neuen Tiefpunkt erreichen. Wie Versicherungen im In- und Ausland darüber denken.

Lebensversicherungen: Das Ende des Garantiezins?

Finanzmarktaufsichts-Chef Helmut Ettl

Mit den Lebensversicherungen geht es rapide bergab. Zumindest für die Anleger, denn der Garantiezins sinkt beständig. Bereits seit 1. Jänner 2016 dürfen Lebensversicherer maximal 1,0 Prozent Zinsen garantieren. Bis dahin waren es davor noch 1,5 Prozent gewesen. Doch dabei soll es nicht bleiben. Im kommenden Jahr soll der Zins laut den Oberösterreichischen Nachrichten auf 0,5 Prozent sinken. Die FMA legt die Höhe des Garantiezinses per Verordnung fest. Dem Vernehmen nach hat die Finanzmarktaufsicht schon längst diesen unter ein Prozent zu senken. Bisher hat sich die Branche dagegen gewehrt und argumentiert ein Prozent wäre darstellbar. Damit soll aber nun Schluss sein.

Der Garantiezins wird nach einer Formel berechnet, die sich an der zuletzt stark gesunkenen Rendite für Staatsanleihen orientiere.Basis für den neuen Zinssatz ist ein Verordnungsentwurf. Die FMA bestätige zwar den Entwurf, nicht aber dessen Inhalt.

Die geplante Senkung des Garantiezinses nennt die Manfred Rapf, Vorsitzender der Sektion im Versicherungsverband und Vorstand der s Versicherung laut der Zeitung eine logische Konsequenz der Zinspolitik in Europa: "Wenn die Europäische Zentralbank die Zinsen bei null oder sogar darunter hält, kann man als Anbieter von Garantieprodukten nicht durchgehend darüber anbieten." Es sei aber immer noch besser, "eine Garantie und damit Sicherheit auf niedrigem Niveau zu haben als keine Sicherheit".

Versicherer wollen Aufschub

Manche Versicherungen wollten dem Vernehmen nach erreichen, dass der niedrigere Garantiezins erst im Laufe des Jahres 2017 in Kraft tritt, weil sie ihre Produkte darauf abstimmen müssten. Aufsicht und Branche verhandelten darüber noch.

Niedrige Zinsen, große Versprechen

Die Finanzmarktaufseher der FMA sind in Sorge, um die Versicherungswirtschaft. Die ist nicht unberechtigt, ächzt die Branche doch seit Jahren unter den Niedrigzinsen. Diese schmälern die Erträge von Lebensversicherungen erheblich. Je länger diese Niedrigzinsphase noch andauert, umso schwieriger wird die finanzielle Lage für Versicherungen. Zusätzlich verschärfen Altverträge das Problem, da in diesen vielfach noch Garantiezinsen von bis zu vier Prozent garantiert werden.

Deutsche und Schweizer Assekuranzen ziehen die Reißleine

Viele deutsche und Schweizer Versicherungen haben deshalb ihre Strategien geändert. Sie geben bereits an, keine garantierten Zinsen mehr erwirtschaften zu können. In Deutschland haben sich aufgrund des Renditedrucks in Deutschland gar bereits immer mehr Versicherungen komplett aus dem klassischen Geschäft mit Lebensversicherungen verabschiedet.

Austro-Versicherer noch optimistisch

Nicht so jedoch österreichische Versicherungen. Viele von ihnen halten trotz des schwierigen Zinsumfelds an der klassischen Form der Lebensversicherung, inklusive Garantiezins, fest, etwa die OÖ-Versicherung und die s-Versicherung. Dem Vernehmen nach hat die Finanzmarktaufsicht sogar überlegt, den von ihr genehmigten Garantiezins noch unter die Ein-Prozent-Marke zu drücken. Die Versicherungswirtschaft hat jedoch argumentiert, dass ein Prozent darstellbar wäre.

Uniqa setzt auf Nettobeitragsgarantie

Die Uniqa hat dagegen bereits die Konsequenzen aus den anhaltend niedrigen Zinsen gezogen und bietet Lebensversicherungen ohne Garantiezins an. Stattdessen gibt es eine Nettobeitragsgarantie. Im Gegensatz zu anderen Produkten fallen so laut Uniqa geringere Abschläge bei Versicherungsrückkäufen an.

Bei Lebensversicherungen fließen die Prämien in den Deckungsstock. Dieser ist bei einer Insolvenz der Versicherung geschützt. Hinzukommt eine Gewinnbeteiligung. Dieser zusätzliche Ertrag wird an den Kapitalmärkten erwirtschaftet und jährlich von den Versicherungen angepasst.

Lösung: Zinssatz von Jahr zu Jahr neu festlegen und nur am Ende garantiert

Experten wie Jochen Ruß, Geschäftsführer der Gesellschaft für Finanz- und Aktuarwissenschaft in Ulm plädiert als alternative Lösung für einen flexibleren Garantiezins, der von den Assekuranzen Jahr zu Jahr neu festgelegt werden kann. Im Gegenzug erhalte der Kunde eine garantierte Ablaufleistung, die mit einem höheren Zins kalkuliert ist, erklärte Ruß. Für den Versicherer bedeutet das, dass er den Zinssatz von 1,5 Prozent zwar über die Laufzeit, aber nicht in jedem einzelnen Jahr erreichen muss und dürre Jahre so glätten kann.

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