Lebensversicherung: Garantiezins vor dem Aus?

Versicherungen versuchen angesichts niedriger Zinsen neue Wege zu gehen.

Versicherungen versuchen angesichts niedriger Zinsen neue Wege zu gehen.

Das niedrigen Zinsen könnte das Konzept der Lebensversicherungen ins Wanken bringen. Für die Kunden könnte das eine Verringerung der Garantieverzinsung - bis hinunter auf Null - bringen. So das Ergebnis einer Diskussion des Instituts für Versicherungswirtschaft an der Linzer Uni mit Branchenvertreter. Welche neuen Ideen es statt dessen gibt.

Schon jetzt ist die Garantieverzinsung minimal

Per Jahresbeginn wurde die maximal erlaubte Garantieverzinsung bei Lebensversicherungen auf 1,5 Prozent herabgesetzt, bei Altverträgen seien teilweise noch 4 Prozent garantiert, erklärte der Vorsitzende des Instituts, der Generaldirektor der OÖ. Versicherung Josef Stockinger. Dieses Geld am risikoarmen Kapitalmarkt zu erwirtschaften, werde aber immer schwieriger. Wenn es nicht gelinge, gehe es an die Substanz der Versicherungsunternehmen, warnte er.

Nur Neuabschlüsse betroffen

Die einzelnen Häuser beginnen daher umzubauen und den Garantiezins nicht mehr auszuloben, berichtete Stockinger, betonte aber, derartige Pläne würden sich nur auf Neuabschlüsse beziehen. "Es gibt keinen Modellwechsel bei laufenden Verträgen." Während die meisten Institute in Österreich 2015 noch einen Garantiezins von 1,5 Prozent bieten, hat die UNIQA bereits Lebensversicherungen ohne diesen im Programm, wie Vorstand Franz Meingast berichtete. Es gebe stattdessen eine Nettobeitragsgarantie. Das Produkt funktioniere "deutlich besser als erwartet", so Meingast, vorteilhaft für den Kunden seien demnach auch die geringeren Rückkauf-Abschläge.

Garantiezins künftig nur von Jahr zu Jahr garantiert?

Insgesamt geht der Trend laut Branchenvertretern eher weg vom Anlageprodukt, hin zur Altersvorsorge. "Die Zukunft der Versicherungen liegt in der Absicherung des lebenslangen Einkommens", prognostiziert Jochen Ruß, Geschäftsführer der Gesellschaft für Finanz- und Aktuarwissenschaften in Ulm. Es hat sich daher mit der Frage befasst, ob man andere Garantien geben kann als den Zinssatz. Ein von ihm federführend entwickeltes Modell sieht vor, den Zins nur Jahr für Jahr zu garantieren, in schlechten Zeiten könne das auch auf Null - also den reinen Kapitalerhalt - hinuntergehen. Im Gegenzug erhalte der Kunde eine garantierte Ablaufleistung, die mit einem höheren Zins kalkuliert ist, erklärte Ruß. Für den Versicherer bedeutet das, dass er den Zinssatz von 1,5 Prozent zwar über die Laufzeit, aber nicht in jedem einzelnen Jahr erreichen muss und dürre Jahre so glätten kann.

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