Das Extrastück für die Rente

Das Extrastück für die Rente

Es war ein Fehlstart. Die Pensionsversicherungsanstalt (PVA) schickte schon im vergangenen Jahr Tausende Briefe aus, zurückgekommen ist wenig. Der Start des Pensionskontos musste um ein halbes Jahr verschoben werden. Doch jetzt scheint es zu klappen.

1,2 Millionen von 3,6 Millionen Versicherten bekommen nach und nach eine Mitteilung darüber, was sie bisher in ihrem aktiven Arbeitsleben für ihre Pension "angespart“ haben. Erstmals sehen die Österreicher schwarz auf weiß, wie hoch ihre aktuellen Pensionsansprüche wären. Der Aha-Effekt ist oft groß, denn durch die zahlreichen Reformen wurden auch die Pensionsansprüche in den letzten Jahren radikal gekürzt.

Eine neue Studie zeigt, dass die Österreicher ahnen, was auf sie zukommt, sie wissen, dass sie vorsorgen müssen, und setzen dabei bevorzugt auf Sicherheit. Die Studie von GfK Austria im Auftrag von s Versicherung, Erste Bank und Sparkassen über das "Vorsorgeverhalten und Pensionskonto Neu“ befragte 1.000 Österreicher zwischen 15 und 65 Jahren und zeigt, dass die Befragten eine sehr realistische Einschätzung davon haben, was sie im Alter von Seiten des Staates erwarten dürfen. Alexander Zeh, Managing Director von GfK Austria: "Die eigene Pensionslücke wird auf rund 600 Euro - und damit um 50 Euro höher als noch 2011 - geschätzt. Frauen stufen diese mit durchschnittlich 544 Euro deutlich niedriger ein als Männer mit 659 Euro. Je höher das eigene Einkommen ist, desto höher fällt auch die Prognose hinsichtlich der zu erwartenden Pensionslücke aus.“

Positiv ist, dass die Österreicher heute zum Thema Pensionslücke weitaus besser informiert sind als noch vor zwei Jahren. Massiven Aufklärungsbedarf gibt es aber nach wie vor. Besonders bezüglich des Pensionskontos gibt es noch sehr viel Unsicherheit. Zwar können laut aktueller Studie den Begriff "Pensionskonto Neu“ bereits sechs von zehn Österreichern einordnen, und fast jeder Fünfte weiß, welche Änderungen damit verbunden sind. Mehr als ein Drittel (35 %) der Österreicher fangen aber mit dem Thema noch gar nichts an. Insbesondere bei den jungen Erwachsenen unter 29 Jahren hat jeder Zweite noch nichts vom "Pensionskonto Neu“ gehört.

Transparenzoffensive

Dabei ist das neue Pensionskonto nur ein Service für die Bürger und für sich gesehen keine Kürzung, denn es handelt sich nicht um eine Reform, sondern lediglich um eine vereinfachte Berechnung der Pension und eine andere Darstellungsform. Betroffen davon sind alle nach dem 1. 1. 1955 Geborenen. Jede Person, die Versicherungszeiten vor 2005 erworben hat, erhält eine Kontoerstgutschrift, die bedeutet, dass die bis 2013 erworbenen Versicherungszeiten zusammengeführt und ins neue Pensionskonto übertragen werden. Somit kann die Pensionshöhe auf Basis eines einzigen Systems berechnet werden. Doch für den Aha-Effekt ist trotzdem gesorgt, denn zum ersten Mal sehen viele Österreicher, wie sich die letzten Änderungen der diversen Rentenreformen auswirken. Die Anhebung des Regelpensionsalters auf 65 Jahre und die Ausdehnung des Bemessungszeitraums für die Pension hinterlässt tiefe Spuren. Die staatliche Rente schrumpft immer mehr zu einer Basisversorgung zusammen.

Info via Handy

Sobald die Erstgutschrift bei einem angekommen ist, kann auch online jederzeit Einblick in das Pensionskonto geworfen werden. Für die Onlineabfrage braucht es eine Handysignatur oder eine Bürgerkarte. Peter Bosek, Vorstand der Erste Bank Österreich: "Kunden der Erste Bank und Sparkassengruppe bieten wir eine kostenlose Freischaltung in allen unseren 1.000 Filialen in Österreich an. Alles, was man braucht, sind zehn Minuten Zeit, ein gültiger Lichtbildausweis und ein Mobiltelefon.“ So lässt sich innerhalb kürzester Zeit auch die Pensionslücke berechnen.

Aber was den Menschen schon vor einem Blick auf das Pensionskonto klar ist: Sie müssen selbst für das Alter vorsorgen. GfK-Experte Zeh: "Fast jeder zweite Österreicher plant, sein Vorsorgeverhalten über das "Pensionskonto Neu“ ab Juni 2014 anzupassen. Es setzt sich immer mehr die Gewissheit durch, dass staatliche Pensionen lediglich eine Grundabsicherung darstellen, private Vorsorgemaßnahmen wichtig sind.“

Auf Nummer sicher

Wenn die Österreicher für das Alter vorsorgen, legen sie Wert auf Sicherheit. "Mehr als die Hälfte der Teilnehmer an der Studie möchten in ihrer Veranlagung kein bzw. nur wenig Risiko eingehen. Nur jeder Vierte stuft hohe Zinsen oder hohe Renditen für sich als wichtiges Kriterium ein“, erläutert Zeh. In den meisten Fällen wird das Geld am Sparbuch zur Seite gelegt.

Erste-Bank-Vorstand Bosek: "Das eignet sich zwar für die kurzfristige Veranlagung, ist aber auf lange Sicht alleine nicht für die Altersvorsorge geeignet. Die ultraniedrigen Sparzinsen werden uns noch ein paar Jahre begleiten. Eine breite Streuung ist der Schlüssel. Eine Altersvorsorge sollte auf unterschiedlichen Standbeinen aufgebaut sein. Eine passende Lebensversicherung sollte jedenfalls ein Teil davon sein.“

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