Niedrigzins als Bedrohung für die Lebensversicherer

Die Uniqa, eine der Versicherungstempel, der unter Minizinsen leidet.

Die Uniqa, einer der Versicherer, der unter Minizinsen leidet.

Lebensversicherungen dürfen ab dem 1. Jänner 2016 maximal 1,0 Prozent Zinsen garantieren. Bisher lag der höchstzulässige Zins bei 1,5 Prozent. Das bedroht ihre Geschäftsmodelle. Generali, Wiener Städtische, Allianz und die Uniqa nehmen dazu Stellung.

Zunächst profitieren Versicherungen von einer Erleichterung. Denn der Garantiezins der Versicherungen sinkt 2016. Zudem würden Regeln definiert, wie dieser differenziert anzuwenden sei. Die Obergrenze solle ausdrücklich nicht mehr so verstanden werden, diese voll auszuschöpfen. Es sollte sich vielmehr jeder einzelne Lebensversicherer individuell nach dem Grundsatz der Vorsicht für sein Haus festlegen.

Zur Absicherung der garantierten Zinsen bestehender Verträge müssen die Rückstellung nun angehoben werden. Bleibe das Zinsniveau nachhaltig gleich niedrig wie derzeit, so bedeutet dies eine Anhebung bis 2021 auf fast 1,5 Mrd. Euro, so die Finanzmarktaufsicht (FMA) in ihrer heutigen Pressemitteilung. Für das Geschäftsjahr 2015 müssten daher statt mindestens 70 Mio. Euro nun mehr als 180 Mio. Euro zusätzlich dotiert werden.

Die Versicherungen sind damit gleich mit mehreren Herausforderungen konfrontiert. Die Höhe der Rückstellungen steigen, die Gewinne sinken aufgrund des Niedrigzinsniveaus und sie müssen ihren Kunden die vereinbarten Garantiezins als auch Gewinnbeteiligung zahlen, die meist in einem deutlich besseren Zinsumfeld garantiert wurden.

Doch die Versicherer beruhigen. Peter Thirring, Vorstand der Generali: „Wir halten, selbst bei Niedrigzinsen noch 40 Jahre und mehr durch.“ Auch Städtische Vorstand Judit Havasi sieht, ebenso wie Wolfram Littich, Vorstandsvorsitzender der Allianz Gruppe in Österreich und Peter Eichler, Vorstand von Uniqa und der Raiffeisen Versicherung ihre finanzielle Basis über Jahrzehnte nicht gefährdet. Allerdings könnte die Gewinnbeteiligung, die derzeit 3,25 Prozent sinken. Experten schätzen dass ein Absenken auf 2,75 Prozent wahrscheinlich ist. Die Versicherer selbst halten sich jedoch derzeit noch dazu bedeckt, schließen aber eine Absenkung bei anhaltend niedrigen Zinsen nicht aus.

Einer der Gründe warum die Assekuranzen auf soliden finanziellen Beteiligungen stehen, ist neben konservativen Agierens, der vielfach große Besitz an Immobilien. Thirring: „Unsere Immobilien, viele davon in Toplagen, stehen nur zum Buchwert in der Bilanz.“ Damit steht nicht der aktuelle Wert der Immobilien in der Bilanz. Mögliche Aufwertungsgewinne bei Verkäufen sind damit nicht enthalten.

Eigenmittelquote der Versicherer wird steigen

Zusätzliche Sorgen bereiten Versicherungen die höheren Eigenmittelquoten, die durch die EU-Vorschrift Solvency II gelten und ab 2016 vollständig erfüllt werden muss. Dann orientiert sich die Eigenkapitalquote nicht mehr an der Höhe des Prämienvolumens der Versicherer, sondern am Risiko, das diese eingehen. Versicherer, die dann etwa europäische Staatsanleihen in ihren Portfolios haben, brauchen dafür die Eigenkapitalquote nicht erhöhen – selbst wenn es sich um griechische Staatsanleihen handelt. Versicherungen, die in Aktien investieren, müssen für diesen Anteil die Eigenmittelquote um 35 Prozent erhöhen.
Doch der Aktienanteil der Versicherer ist ohnehin minimal: So beträgt dieser bei der Generali aktuell 3,6 Prozent, bei der Städtischen rund fünf Prozent. Im Schnitt beträgt die Aktienquote der Austro-Versicherer 3,6 Prozent. Änderungen aufgrund der geänderten Eigenkapitalvorschriften sind derzeit jedoch nicht geplant.

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