10 Tipps für den Steuerausgleich

10 Tipps für den Steuerausgleich

Ab sofort kann die Arbeitnehmerveranlagung für das Jahr 2015 eingereicht werden. Um sich Geld vom Fiskus zurückzuholen, kann man sich in einem ersten Schritt schon Gedanken machen, ob man für den kommenden Jahresausgleich alle Unterlagen beisammen hat. Trend beantwortet zehn wichtige Fragen, wie man sich am besten Geld vom Staat zurückholt.

Ganz gleich, wie teuer das kommende Sparpaket wird, jetzt ist erst mal die Zeit, um sich zu viel bezahlte Steuern zurückzuholen. Arbeitnehmer, die im Februar den Steuerausgleich für das Jahr 2015 abgeben, haben oft schon nach ein paar Tagen eine erfreuliche Gutschrift am Konto. Insgesamt werden rund 900 Millionen Euro ausgeschüttet, das sind durchschnittlich über 300 Euro pro Kopf. In manchen Fällen sind es sogar ein paar Tausender, die der Fiskus zurück­erstattet.

Es könnte noch deutlich mehr Geld sein. So werden zum Beispiel nur gut ein Zehntel der absetzbaren Spenden an Licht ins Dunkel oder ähnliche Organisationen steuerlich geltend gemacht. Außerdem reichen noch immer Hunderttausende keine Arbeitnehmerveranlagung ein und verzichten damit auf die Chance, den Staat an den eigenen Ausgaben zu beteiligen.

Erste Hürde: Richtigen Formulare heraussuchen

Doch zunächst gilt es die richtigen Formulare für den Steuerausgleich herauszufinden. Für viele oft eine nicht unbeträchtliche Hürde. Grundsätzlich hat man die Möglichkeit die Ausgaben sowie eine eventuelle Negativsteuer geltend zu machen. Alles was Sie dazu brauchen ist das Formular L1. Entweder man lädt es sich auf der Homepage des Finanzamt herunter, oder füllt es auch gleich online aus, wenn man die Steuererklärung im Internet macht. Der Weg dazu führt über die Plattform des Bundesfinanzamts, FinanzOnline . Auf dem Portal kriegt man auch wertvolle Hilfe, indem man sich die „Demo Arbeitnehmerveranlagung“ auf der Homepage des Finanzministeriums ansieht, wo einzelnen Schritte gut erklärt werden.

Egal, ob man sich die Formulare am Finanzamt holt, oder online die Steuererklärung abgibt, wichtig ist, dass die Formulare richtig ausgefüllt sind. Das erspart nicht nur mühsame Rückfragen, sondern bewahrt einen auch davor den falsche Betrag ausgezahlt zu bekommen. Es ist schließlich ärgerlich, wenn man weniger, statt mehr bekommt.

Richtige Angaben der Jahreslohnzettel entscheidend

Heikel wird es vor allem auf Seite zwei des Formulars, wenn man angeben muss wie viel Jahreslohnzettel beim Finanzamt im abgelaufenen Kalenderjahr abgegeben wurden. Die Arbeiterkammer Tirol warnt daher auf ihrer Homepage: "Stimmt die Zahl nicht mit den beim Finanzamt gespeicherten überein, wird der Jahresausgleich nicht oder falsch gemacht. Häufig kommt es vor, dass man zuerst eine hohe Gutschrift bekommt, die man, falls die restlichen Jahreslohnzettel dann beim Finanzamt eintreffen aber wieder zurückzahlen muss. Da die Arbeitgeber bis Ende Februar Zeit haben, die Jahreslohnzettel elektronisch zu übersenden, macht es wenig Sinn, den Ausgleich, insbesondere online – schon lange vorher, zu beantragen."

Quittungen müssen nicht mitgeschickt werden

Quittungen und andere Belege brauchen dabei nicht mitgeschickt zu werden, steuerlich geltend gemachte Rechnungen sollten aber sieben Jahre lang aufbewahrt werden, falls das ­Finanzamt doch einmal nachfragt. Steuerprüfungen sind vor allem bei sich häufig ändernden Einkommensverhältnissen, oft wechselnden Beschäftigungsverhältnissen und besonders bei zwischenzeitlicher Selbstständigkeit zu erwarten. In diesem Falle müssen die die Belege parat sein. Andernfalls wird die dafür erstattete Steuergutschrift wieder zurückgefordert.

Damit der Jahresausgleich möglichst viel Geld einbringt, beantwortet FORMAT zehn wichtige Fragen zum Steuersparen.

1.Wann lohnt sich eine Arbeitnehmerveranlagung?

Ein Jahresausgleich macht sich nicht nur bezahlt, wenn man Absetzposten gesammelt hat. Arbeitnehmer können auch zu einer Gutschrift kommen, wenn während des Jahres unterschiedliche Einkommen angefallen sind, etwa durch einen Wechsel von Voll- zur Teilzeit oder in eine Karenz. Das heißt: Zur Sicherheit sollte man das Formular jedes Jahr abgeben (das geht übrigens auch noch fünf Jahre rückwirkend).

1.200 Euro pro Monat Einkommen: 110 Euro vom Fiskus zurück

Man kann zumindest bei einer freiwilligen Veranlagung nichts verlieren, im schlimms­ten Fall war nur die Arbeit umsonst. Nachzahlungen können sich nur dann ergeben, wenn man ohnehin zur Abgabe verpflichtet ist, etwa bei mehreren Arbeitsstellen. Selbst wenn man so wenig verdient hat, dass keine Steuern zu zahlen waren (was bis etwa 1.200 Euro brutto im Monat der Fall ist), kann man sich bis zu 110 Euro Sozialversicherungsbeitrag zurückholen!

Niedrigverdiener kriegen KESt vom Sparbuch zurück

Allerdings muss dafür das Einkommenssteuerformular verwendet werden. Steuerberater Joseph Böck: „Beträgt zum Beispiel die Jahrespension nach Abzug der Sozialversicherung 8.000 Euro brutto und man hat 2.000 Euro Zinsen bekommen, kann man sich die 500 Euro KESt zurückholen.“ Achtung: Bei Kindern lohnt sich dieses Verfahren leider nur bei höheren Beträgen, weil die Eltern den Kinderabsetzbetrag verlieren. Umgekehrt sollten aber die Eltern nicht vergessen, Betreuungs­kosten für bis zu zehn Jahre alte Kinder bis zur Höhe von 2.300 Euro im Jahr anzugeben. Anerkannt werden nicht nur Horte oder Internate, sondern auch Tagesmütter mit entsprechender Ausbildung.

2. Was sind die wichtigsten Absetzposten?

Das Trio der Absetzposten besteht aus Werbungskosten (das sind beruflich notwendige Ausgaben vom Computer über das Handy bis zum Kilometergeld), Sonderausgaben (etwa Kranken- oder Lebensversicherungsprämien oder Kosten für die Wohnraumschaffung und -sanierung) sowie die außergewöhnlichen Belastungen (das sind teure Schicksalsschläge des Lebens wie etwa hohe Arztrechnungen). Achtung: Bei den sogenannten Topf-Sonderausgaben gibt es eine Einkommensgrenze, bei vielen außergewöhnlichen Belastungen einen spürbaren Selbstbehalt.

3. Wie kann man Kosten für Fort- und Weiterbildung einreichen?

Grundsätzlich dürfen Steuerzahler die Ausgaben für beruflich bedingte Kurse und Umschulungen geltend machen. Das betrifft nicht nur die Kursgebühren und Skripten, sondern auch anfallende Fahrtkosten wie etwa ein Kilometergeld oder die Aufwendungen für eine auswärtige Unterbringung. Bei Studienreisen ist der Fiskus eher kleinlich wegen des Verdachts auf private Anlässe, aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen.

Ein Kongress oder ein anderer Reiseanlass sollte eindeutig beruflich zuordenbar sein, das allgemein interessierende Programm nur untergeordnet. Lassen sich bei Studien­reisen berufliche und private Phasen klar voneinander trennen, kommt auch eine entsprechende Aufteilung der Kosten infrage.

Im Zweifelsfall sollte man sich am besten individuell beraten lassen

Außerdem sollte man dem Finanzamt auf Anfrage eine genaue Dokumentation der Reise zur Verfügung stellen können. Auch bei Umschulungsmaßnahmen liegt der Haken oft im Detail. Regina Karner, Steuerexpertin von Ernst & Young: „Damit es keine Probleme gibt, muss die Erzielung der Einkünfte im bisherigen Beruf gefährdet sein oder die Verdienstchanchen durch die Umschulung verbessert werden.“

4. Wie viel bekomme ich für Handy und Telefon zurück?

Ähnlich wie auch beim Kauf eines Computers geht der Fiskus prinzipiell von einer gewissen Privatnutzung aus, in der Praxis sind 40 Prozent ein realistischer Wert. Von jeweils 100 Euro Ausgaben sind also nur 60 Euro verwertbar, das gilt auch für das Internet. Gegebenenfalls hilft ein privates Zweithandy, die vollen Kosten des ersten Handys als rein beruflich bedingt abzusetzen.

5. Wie setze ich Spenden von der Steuer ab?

Die Liste der vom Bundesministerium für Finanzen anerkannten begünstigten Spendenempfänger ist sehr lang und online am Serviceportal des Finanzministeriums zu finden. Die Faustregel dabei ist: Praktisch jede karitative Spende, gleich ob für das Rote Kreuz oder die Caritas, ist absetzbar. Einfach alle Beträge addieren und unter dem entsprechenden Feld im Bereich Sonderausgaben eintragen.

6.Was ist bei einer doppelten Haushaltsführung zu beachten?

Immer öfter wird von Berufstätigen Mobilität verlangt. Zum Glück wirken die zusätzlichen Ausgaben für Zweitwohnungen wenigstens steuerschonend. Allerdings muss es bei langer Dauer nachvollziehbare Gründe geben, zum Beispiel, dass der Job auf maximal vier bis fünf Jahre befristet ist oder dass den Kindern in der Familie der Umzug nicht zumutbar ist. Ernst-&-Young-Expertin Karner: „Anerkannt wird auch das Behalten des bisherigen Wohnsitzes, wenn der Verkauf eines Eigenheims zu erheblichen Vermögenseinbußen führen würde und nicht die Kos­ten für ein neues Haus am künftigen Arbeitsplatz deckt.“

Als Kosten akzeptiert der Fiskus zum Beispiel die Miete oder sogar den Kauf einer Kleinwohnung mit bis zu 55 Quadratmetern Größe oder Hotelkosten bis zu 2.200 Euro im Monat.

7. Was mache ich, wenn der Chef nicht das ganze Kilometergeld zahlt?

Die nicht erstattete Differenz bis zur Höhe des amtlichen Kilometergeldes von 42 Cent pro mit dem eigenen Auto gefahrenem Kilometer kann man unter dem Punkt Werbungskosten geltend machen. Weitere fünf Cent gibt es noch für jeden Kollegen, der mitgefahren ist. Wichtig ist es dabei, dass die Fahrten in einem Fahrtenbuch dokumentiert sind.

8. Wann wird ein häusliches Arbeitszimmer anerkannt?

Das Finanzamt ist in diesem Punkt ziemlich kleinlich. Erstens darf das Zimmer nicht privat genutzt werden. Die Tätigkeit muss zweitens typischerweise im Arbeitszimmer erfolgen, was zum Beispiel bei einem Teleworker der Fall ist. Schlecht sieht es aus, wenn man an sich im Büro ­arbeitet und nur fallweise zuhause. Gute Chancen bestehen aber bei einem Nebenjob, der zuhause ausgeführt wird, etwa als Fachautor oder Gutachter.

9. Wie kann man den Steuervorteil innerfamiliär optimieren?

Meist gibt es beim Partner mit dem höheren Steuersatz mehr Geld zurück. Daher macht es Sinn, wenn etwa Kinderbetreuungskosten oder Büromaterial vom Besserverdiener gezahlt und abgesetzt werden (wobei natürlich bei Kleinquittungen der Zahler ohnehin nicht feststellbar ist). Bei Topf-Sonderausgaben ist es dagegen oft besser, wenn der Partner mit dem niedrigen Einkommen einreicht, falls der Besserverdiener die Einkommensgrenzen überschreitet.

10.Wo bekomme ich noch mehr Informationen?

Eine Fülle von nützlichen Tipps bietet das Steuerbuch 14, das gratis unter Tipps zur Arbeitnehmerveranlagung direkt vom Finanzamt herunterzuladen ist.

Weitere Tipps des Bundesfinanzamts finden Sie im FinanzOnline Ratgeber.

Die Arbeiterkammer steht Arbeitnehmern unter www.wien.arbeiterkammer.at zur Seite.
Eine gute Zusammenfassung bieten etwa die Tipps zum Downloaden unter Steuer sparen

Die Steuerexperten von TPA Horwath bieten Unternehmen Seminare an, in denen Mitarbeiter in zweieinhalbstündigen Seminaren alles Wissenswerte rund um die Arbeitnehmerveranlagung erklärt wird und hilfreiche Tipps zum selbstständigen Ausfüllen des Formulars für das Finanzamt gibt. Infos unter Das Kurzseminar zur Arbeitnehmerveranlagung .

Ausführliche Tipps gibt es auch im jährlich erscheinenden Steuersparbuch vom Linde Verlag, dem auch eine CD mit Musterbriefen und Formularen beigelegt ist. Der Autor Eduard Müller, lange Jahre stellvertretender Sektionschef im Finanzministerium und damit quasi an der Quelle, erläutert viele Grenzfälle. Auch in den einzelnen Finanz­ämtern bekommt man kompetenten Rat. Bei größeren Absetzbeträgen lohnt es sich, zumindest einmal eine Stunde bei einem Steuerberater zu buchen, weil dieser auch Erfahrung hat, wie konkrete Fälle möglichst steueroptimal gestaltet werden können. Das Honorar ist schon der erste Absetzposten für die Arbeitnehmerveranlagung des nächsten Jahres.

Weiterlesen: Steuerreform 2015/2016 - Die Analyse des Vortrags von Finanzminister Hans Jörg Schelling an den Ministerrat.
PLUS: Der Reformplan des Bundesministeriums für Finanzen zum Download.

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