Was KMUs bei Verrechnungspreisen beachten sollten

Verrechnungspreise sind eines der Top-Themen im internationalen Steuerrecht. Nun hat die EU eine noch schärfere Gangart gegen legale Gewinnverschiebungen ins Ausland geplant. Doch schon jetzt stellt die komplexe Materie, die in jedem Land anders gehandhabt wird, vor allem KMUs vor erhebliche Probleme. TPA Horwath zeigt anhand von Beispielen aus der Praxis, wo die Schwierigkeiten liegen und wie Firmen am besten vorgehen.

Ein Unternehmen schickt einen Mitarbeiter ins Ausland, um dort den Aufbau eines Standort zu u. Wo muss seine Tätigkeit verrechnet werden: In Österreich oder im Ausland? Eine von vielen kniffligen Fragen zum Thema Verrechnungspreise.

Die interne Verrechnung von grenzüberschreitenden tätigen Mitarbeitern zählt zu den großen Herausforderungen von Klein- und Mittelbetrieben, die im Ausland tätig sind.

Stein des Anstoßes waren große Konzerne wie Google, Amazon oder Apple. Ihnen wird vorgeworfen Länder durch Steueroptimierungen um Milliarden von Steuereinnahmen gebracht zu haben. Tatsächlich nutzen vor allem Großkonzerne legal Unterschiede zwischen den Besteuerungspraktiken und Steuervorschriften in unterschiedlichen Ländern aus, um so wenig wie möglich Steuern zu zahlen. Ein wesentliches Mittel dafür sind Transfer- bzw. Verrechnungspreise.

Auch Klein- und Mittelbetriebe von strengeren Vorschriften betroffen

Unternehmen, die international tätig sind, nützen Preise von innerbetrieblich ausgetauschten Waren, Dienstleistungen oder Lizenzen dazu um Gewinne steuerschonend ins Ausland zu transferieren. Um das nun zunehmend zu verhindern, versucht nun die OECD dieser Methode mit strengen Vorschriften zu Leibe zu rücken. Viele der verschärften Maßnahmen zielen darauf ab, Lücken zwischen den Steuerrechtsordnungen und Auslegungsspielräumen im Steuerrecht einzuengen. Die betreffen jedoch letztlich nicht nur Konzerne, sondern auch Klein- und Mittelbetriebe. „Während Auslöser und Kern der internationalen Steuerdebatte große multinationale Konzerne waren, die unterschiedliche Steuersysteme und Besteuerungsgefälle ausnutzen konnten, sind von den nunmehrigen verschärften Rahmenbedingungen stark auch international tätige KMUs betroffen“ erklärt Iris Burgstaller , Verrechnungspreisexpertin bei TPA Horwath.

Penible Dokumentation von Finanzkennzahlen notwendig

Zu den Herausforderungen mit denen Unternehmen konfrontiert sind, zählen etwa erhöhte Dokumentationspflichten. So sieht der von der OECD ausgearbeitete Aktionsplan die detaillierte Offenlegung von Finanzkennzahlen vor. Formal sind zwar nur Konzerne mit einem Jahresumsatz von über 750 Millionen Euro betroffen, allerdings treffen die gestiegenen Anforderungen an die Methoden der Verrechnung der Preise und der entsprechende inhaltlichen Nachweis auch KMUs. „Der schärfere Ansatz bei Steuerprüfungen ist bei Betriebsprüfungen bereits erkennbar. Damit erhöhen sich auch für KMUs die Kosten für Compliance erheblich“, weiß Burgstaller.

Interne Richtlinien als erster Schritt

So müssen Unternehmen in einem ersten Schritt eine einheitliche Strategie für ihre Transferpreise entwickeln und dann dafür interne Richtlinien aufstellen. Dazu müssen sowohl die Risiken erkannt als auch das dafür nötige interne Kontrollsystem entwickelt werden, dass Prozesse und deren Abläufe darauf ausrichtet. Burgstaller: „Unternehmen sind gut beraten ihre Verrechnungspreismodelle im Hinblick auf künftige Steuerprüfungen neu und vor allem gesamtheitlich zu bewerten“.

Nicht nur die Unternehmen auch die Länder selbst sind dabei die Dokumentationsvorschriften für Verrechnungspreise zu harmonisieren. Dennoch gibt es auch innerhalb der EU noch große Unterschiede, was das rechtliche Rahmenwerk von Verrechnungspreisen als auch deren Prüfung und die Häufigkeit der Prüfungen betrifft. Selbst innerhalb der geografisch verhältnismäßig kleinen CEE-Region gibt es teils große Unterschied. „In Rumänien beispielsweise werden Verrechnungspreise derzeit am häufigsten und strengsten geprüft. In Bulgarien hingegen hatten wir erst einige wenige Fälle, in denen Verrechnungspreise überhaupt geprüft wurden“, so Burgstaller von Beispielen aus der Praxis.

Stolperstein interne Verrechnung von grenzüberschreitend tätigen Mitarbeitern

Immer wieder sind österreichische Firmen im Zusammenhang mit Verrechnungspreisen, auch mit Problemen bei der internen Verrechnung des grenzüberschreitenden Mitarbeitereinsatzes bei unterschiedlichen Konzerngesellschaften konfrontiert. TPA Horwath Verrechnungspreisspezialistin Iris Burgstaller berichtet von einem Beispiel in Rumänien: „Wenn etwa IT-Leistungen, die von der österreichischen Muttergesellschaft geleistet werden und die Kosten dafür anteilig an die Tochtergesellschaft in Rumänien verrechnet werden, muss zum einen die Anzahl der Stunden, die dafür aufgewendet werden, genau dokumentiert werden, zum anderen muss belegt werden, dass dieselbe Arbeit nicht auch von jemanden vor Ort günstiger erledigt hätte werden können.“ Ein Beweis, der in der Praxis häufig nicht erbracht werden kann.

Steuerlich schwieriges Terrain Asien

Ein ebenfalls schwieriges Terrain stellen im Zusammenhang mit Verrechnungspreisen Entwicklungsländer, insbesondere Asien, dar. Inwiefern müssen etwa für die Unterstützung des Aufbaus ausländischer Einheiten wie Produktionsstandorte durch österreichische Mitarbeiter Lizenzen an die ausländische Tochtergesellschaft verrechnet werden? Wo muss der Gewinn aus dem Standortvorteil besteuert werden, wenn in Asien produziert wird, die Ware aber in Österreich verkauft wird? Burgstaller: „Es gibt in Asien in Punkto Verrechnungspreise kaum einen Fall bei dem man nicht auf beiden Seiten diskutieren könnte.“

Leitfaden für Verrechnungspreisbestimmungen in Osteuropa

Viele Tochtergesellschaften österreichischer Unternehmen befinden sich jedoch in Osteuropa. Damit sich Unternehmen was Verrechnungspreisbestimmungen dort besser zurechtfinden, hat TPA Horwath einen praktischen Leitfaden durch das Dickicht der Verrechnungspreisbestimmungen aufgelegt. In diesen Broschüren werden für elf mittel- und südosteuropäische Länder Antworten auf 15 wesentliche Fragen zu diesem Thema veröffentlicht. Die Broschüre gibt Informationen zu den jeweiligen Grundlagen für Verrechnungspreisregeln, der Praxis der Finanzverwaltung zu Themen wie Finanzierung und Dienstleistungen sowie den Regeln zur Dokumentation von Verrechnungspreisen. Die Broschüren dienen als erste Anhaltspunkte für die Gestaltung von Verrechnungspreissystemen in der Region.

Die Publikationen von TPA Horwath zum Thema Verrechnungspreise und Riskomanagement finden Sie zum Downloaden auf der Homepage der TPA Horwath: