Von Auftraggeberhaftung bis Pendlerpauschale: Was sich 2015 ändert

Von Auftraggeberhaftung bis Pendlerpauschale: Was sich 2015 ändert

Unternehmen müssen 2015 zahlreiche Änderungen beachten. Von neuen Regelungen bei der Auftraggeberhaftung, beim Überbrückungsentgeld und für Entgelte an Dritte oder die Kammerumlage für Altenheime und Lohnzetteln bei der Doppelbesteuerung und bei Beitragszahlungen von Vorständen für das Insolvenzentgelt.

Lohnnebenkosten sinken leicht
Das Parlament hat im Februar 2014 folgende Senkung der Lohnnebenkosten beschlossen:
Bereits mit 1. Juli 2014 wurde der Unfallversicherungsbeitrag von 1,4 auf 1,3 Prozent gesenkt. Ab dem 1. Jänner 2015 sinkt der Insolvenz-Entgeltsicherungsgesetz(IESG)-Zuschlag von 0,55 auf 0,45 Prozent.

Alten- und Pflegeheime zahlen deutlich weniger Kammerumlage
Für Alten- und Pflegeheime sind die Bemessungsgrundlagen für die Kammerumlage I und Kammerumlage II (DZ) nun um 80 Prozent zu kürzen. Das bedeutet: Die Umlagen sind nur auf Basis von 20 % der Bemessungsgrundlage abzuführen. Für die Jahre ab 2008 bis einschließlich 2014 kann ein Rückerstattungsantrag gestellt werden.

Änderung bei Anträgen auf Pendlerpauschale
Besteht ein Anspruch auf die Pendlerpauschale, so dürfen in der Lohnverrechnung Anträge seit Jänner 2015 nur dann berücksichtigt werden, wenn diese ein Abfragedatum ab 25. Juni 2014 aufweisen. Grundsätzlich ermittelt der Pendlerrechner die Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte und stellt fest, ob die Benützung eines Massenbeförderungsmittels (öffentliches Verkehrsmittel) zumutbar oder unzumutbar ist.
Basierend auf diesen Ergebnissen wird die Höhe einer etwaig zustehenden Pendlerpauschale und des Pendlereuros ermittelt (Formular L34 EDV). Liefert der Pendlerrechner dauerhaft kein Ergebnis (z.B. Fehlermeldung wegen Zeitüberschreitung), müssen die Pendlerpauschale und der Pendlereuro mit dem Formular L33 beantragt werden. Dem Antrag ist ein Ausdruck des Pendlerrechners beizulegen, mit dem nachgewiesen wird, dass der Pendlerrechner dauerhaft kein Ergebnis liefert.

Neue Regelung bei Entgelten von Dritten
Werden dem Arbeitnehmer im Rahmen des Dienstverhältnisses von einem Dritten Vergütungen geleistet, von denen der Arbeitgeber weiß oder wissen muss, so hat der Arbeitgeber künftig die Lohnsteuer dafür einzubehalten. Entgegen ursprünglicher Befürchtungen muss der Arbeitgeber jedoch für die Einlösung von Bonusmeilen weiterhin keine Lohnsteuer einbehalten.

Vorstände müssen keine Beiträge mehr für die Entgeltsicherung im Fall einer Insolvenz zahlen und können sogar Beiträge zurückverlangen
Der Oberste Gerichtshof hat bereits Anfang 2014 festgestellt, dass Vorstände einer AG im Falle der Insolvenz keinen Anspruch auf Insolvenz-Entgelt haben. Somit unterliegen AG-Vorstände auch nicht der Insolvenz-Entgeltsicherungsgesetz (IESG)-Pflicht. Die Sozialversicherungen sind der Entscheidung des OGH gefolgt und haben das Beitragsgruppenschema 2015 angepasst.
Für die letzten fünf Jahre kann ein Antrag auf Rückerstattung der IESG-Beiträge (inkl. gesetzlicher Zinsen) eingebracht werden. Im Falle von Rückerstattungsanträgen verlangen die GKK grundsätzlich korrigierte Nachweise der Beiträge für jeden einzelnen Monat.

Einkommensbericht 2014 bis spätestens Ende März
Bis spätestens Ende März 2015 müssen Arbeitgeber mit mehr als 1.000 Arbeitnehmer zum dritten Mal und Arbeitgeber mit mehr als 250 und weniger als 501 Arbeitnehmer zum zweiten Mal den alle zwei Jahre wiederkehrenden Einkommensbericht erstellen.

Neue Lohnzettelart bei Doppelbesteuerung mit Anrechnungsmethode
Für Lohnzahlungszeiträume ab dem 1. Jänner 2014 muss bei einer Tätigkeit im Ausland eine neue Lohnzettelart (Lohnzettelart 24) verwendet werden, sofern ein Doppelbesteuerungsabkommen mit Anrechnungsmethode dem ausländischen Staat auch ein Besteuerungsrecht zuweist. Bisher war bei Entsendung von Arbeitnehmern in solche Länder nicht erkennbar, für welche Teile der im Lohnzettel (Lohnzettelart 1) ausgewiesenen Gesamtbezüge des Arbeitnehmers dem ausländischen Staat das Besteuerungsrecht zugewiesen wird. So konnte bisher im Rahmen der Veranlagung der so genannte Anrechnungshöchstbetrag nicht ohne weitere Erhebungen ermittelt werden. Die Anrechnungsmethode kommt für Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit unter anderem im Verhältnis zu Italien, der Schweiz oder Großbritannien zur Anwendung..

Schärfere Regelungen bei Auftraggeberhaftung
Mit 1. Jänner 2015 ist die Novellierung der Auftraggeberhaftung in Kraft getreten. Darin wurde klargestellt, dass ein Unternehmen nach dem ASVG angemeldete Dienstnehmer beschäftigen und damit Dienstgeber im Sinne des ASVG sein muss, um in die Gesamtliste der haftungsfreistellenden Unternehmen (HFU) aufgenommen zu werden und in dieser verbleiben zu können.
Ein-Personenunternehmen ohne Dienstnehmer können jedoch ab 2015 auch in die HFU-Liste aufgenommen werden, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:
- Das Unternehmen ist eine natürliche Person;
- Es erbringt seit mindestens drei Jahren Bauleistungen im Sinne des § 19 Abs 1a UStG;
- Es sind keine Dienstnehmer gemeldet;
- Die natürliche Person ist nach dem GSVG pflichtversichert.
Weiters muss die natürliche Person (der Unternehmer) die fälligen Beiträge rechtzeitig entrichtet haben, wobei Beitragsrückstände bis zu 500 Euro nicht berücksichtigt werden. Zusätzlich ist ein schriftlicher Antrag an das Dienstleistungszeitrum der WGKK zu stellen.
Das auftraggebende Unternehmen hat nun die Möglichkeit, auch für Unternehmen ohne Dienstgebernummer, also vor allem für ausländische Unternehmen, den Haftungsbetrag haftungsbefreiend an das Dienstleistungszentrum abzuführen.

Das EPU muss die fälligen Beiträge bis zum 15. jenes Kalendermonates entrichten, dieses folgt dem Quartal, wobei Beitragsrückstände bis zu 500 Euro nicht berücksichtigt werden. Vorausgesetzt es wird ein schriftlicher Antrag an das Dienstnehmerzentrum gestellt. Das auftraggebende Unternehmen hat nun die Möglichkeit, auch für Unternehmen ohne Dienstgebernummer, also vor allem für ausländische Unternehme, die den Haftungsbetrag an das Dienstleistungszentrum abführen.

Neue Regeln beim Überbrückungsgeld für Bauarbeiter und für Urlaube und Abfertigungen
Ab 1.1.2015 findet die Auszahlung des Überbrückungsgeldes an Anspruchsberechtigte statt. Das Überbrückungsgeld steht jenen Arbeitnehmern zu, die nach Vollendung des 58. Lebensjahres in keinem Arbeitsverhältnis mehr stehen und im Anschluss an das Überbrückungsgeldes einen Anspruch auf eine Alterspension (Alters-, Korridor- oder Schwerarbeitspension) haben. Voraussetzung ist, dass die Dienstnehmer mindestens 520 Wochen nach Vollendung des 40. Lebensjahres in Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungsgesetz (BUAG)-pflichtigen Arbeitsverhältnissen erworben haben und mindestens 30 Wochen in den letzten zwei Jahren vor Inanspruchnahme des Überbrückungsgeldes in BUAG-pflichtigen Arbeitsverhältnissen gestanden sind.

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