Steuertricks II – Nun geht es auch Amazon an den Kragen

Steuertricks II – Nun geht es auch Amazon an den Kragen

In der Debatte über Steuerverschiebungen von Großkonzernen gerät nun auch der weltgrößte Internet-Versandhändler Amazon immer stärker in die Kritik.

Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters über die umfangreichen Finanztricks von Amazon in Großbritannien muss sich das Unternehmen nun auf unbequeme Fragen vor einem Parlamentsausschuss gefasst machen.

"Wir müssen Amazon ganz dringend noch einmal vorladen und sie mit all dem konfrontieren, was Sie enthüllt haben", sagte die Vorsitzende des Ausschusses für Öffentliche Angelegenheiten im Unterhaus, Margaret Hodge, in Bezug auf die Reuters-Recherchen. Sollte sich herausstellen, dass Amazon bei einer früheren Anhörung das Parlament belogen habe, wäre dies eine "sehr ernste Angelegenheit".

Zugleich forderte Hodge die britischen Steuerbehörden auf, noch einmal genau zu prüfen, inwieweit Amazon wirklich alle Steuern gezahlt habe, die es nach geltendem Recht an das Königreich hätte entrichten müssen.

"Alle wichtigen Entscheidungen fallen in Luxenburg"

In den vergangenen sechs Jahren hat Amazon in Großbritannien einen Umsatz von 23 Milliarden Dollar gemacht und rund neun Millionen Dollar Steuern gezahlt. Amazon-Spitzenmanager Andrew Cecil erklärte bei einer ersten Anhörung im November, dass das britische Amazon-Geschäft nicht eigenständig sei und alle wichtigen Entscheidungen am Firmensitz in Luxemburg gefällt würden. Dies sei der Grund, weshalb Amazon vor allem dort Steuern abführe. In Luxemburg gelten deutlich niedrigere Steuersätze.

Nach den Reuters-Recherchen ist es Amazon.com gelungen, mit Hilfe seiner Luxemburger Firmen-Konstruktion rund zwei Milliarden Dollar steuerfrei beiseitezulegen - Geld, das nun für die Expansion der Firma genutzt wird. Aus Amazon-Mitteilungen, Stellenausschreibungen sowie Schilderungen ehemaliger Amazon-Mitarbeiter und Zulieferer geht hervor, dass die britische Sparte Amazon.co.uk alles andere als eine virtuelle Zweigstelle des globalen Konzerns ist und über recht ähnliche Strukturen wie gewöhnliche Einzelhändler verfügt - nur mit dem Unterschied, dass diese deutlich mehr Steuern zahlen.

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