Steuertipp 5: Jahresabschluss - Negatives Eigenkapital muss nicht Insolvenz bedeuten

Steuertipp 5: Jahresabschluss - Negatives Eigenkapital muss nicht Insolvenz bedeuten

Rutscht das Eigenkapital eines Unternehmens in den negativen Bereich, so bedeutet dies nicht automatisch die Insolvenz. Es ist allerdings zu klären ob eine Überschuldung vorliegt. Außerdem muss eine Fortbestehensprognose abgegeben werden.

Gemäß § 225 (1) UGB ist von den gesetzlichen Vertretern zu überprüfen und im Anhang zu erläutern, ob bei Vorliegen eines negativen Eigenkapitals eine Überschuldung iSd Insolvenzrechts vorliegt. Dies ist in Literatur und Rechtsprechung anhand eines zweistufigen Prüfungsverfahrens zu beurteilen:

* Überprüfen des Vorliegens einer rechnerischen Überschuldung (Überwiegen der Passiva über die Aktiva zu Liquidationswerten)

* Erstellung einer Fortbestehensprognose, in deren Rahmen mit Hilfe sorgfältiger Analysen von Verlustursachen, eines Finanzierungsplanes sowie der Zukunftsaussichten der Gesellschaft die Wahrscheinlichkeit der künftigen Zahlungsunfähigkeit und damit der Liquidation der Gesellschaft zu prüfen ist, wobei die Auswirkungen geplanter Sanierungsmaßnahmen in diese Überlegungen einzubeziehen sind.

Die Fortbestehensprognose

Eine insolvenzrechtlich bedeutsame Überschuldung liegt nur dann vor, wenn die Fortbestehensprognose ungünstig, d.h. die Liquidation oder Zahlungsunfähigkeit wahrscheinlich und das nach Liquidationswerten zu bewertende Vermögen zur Befriedigung der Gläubiger im Liquidationsfall unzureichend ist. Insolvenzreife besteht demnach auch bei rechnerischer Überschuldung (z.B. durch Verlust des Eigenkapitals) nur dann, wenn sich eine positive Fortbestehensprognose nicht erstellen lässt.

Die Fortbestehensprognose ist dann positiv, wenn innerhalb des (Primär) Prognosezeitraums (in Anlehnung an den Leitfaden Fortbestehensprognose, eine gemeinsame Stellungnahme der KWT und der WKO, ein Zeitraum von mindestens 6 bis 12 Monaten ab Erstellung der Fortbestehensprognose, jedenfalls aber ein Zeitraum von mindestens 12 Monaten ab Stichtag des Jahresabschlusses) die Zahlungsfähigkeit der Gesellschaft - mit zumindest überwiegender Wahrscheinlichkeit - erhalten bleibt und die Daten am Ende dieses Prognosezeitraumes ausreichend belegen, dass die Zahlungsunfähigkeit auch weiterhin nicht befürchtet werden muss bzw. die rechnerische Überschuldung mittelfristig beseitigt werden kann (Sekundärprognose).

Primärprognosezeitraum: Erforderlich ist eine Integrierte Planung, wobei besonderes Augenmerk auf einen aussagefähigen Finanzplan und die Entwicklung des Working Capital zu legen ist; verbale Erläuterung der Planungsprämissen, insbesondere der bestehenden wesentlichen Risiken und Unsicherheiten; eventuell Planung in mehreren Szenarien und Nachweise zu Kapitalmaßnahmen der Gesellschafter (sollten bereits durchgeführt oder zumindest vertraglich vereinbart sein) bzw. zu neuen Kreditlinien (sollten im Idealfall ebenfalls bereits vertraglich vereinbart sein, andernfalls ist die Kreditwürdigkeit der betroffenen Gesellschaft zu beurteilen)

Sekundärprognosezeitraum: Die nachhaltige Trendumkehr („Turn around“ bzw. Wiederherstellung der Ertragskraft) ist in einem überschaubaren zeitlichen Rahmen mittels plausibler und nachvollziehbarer Annahmen darzustellen.

Beide Prognosebestandteile sind von gleicher Bedeutung. Sie unterscheiden sich vor allem hinsichtlich Zeithorizont sowie geforderter Planungsgenauigkeit.

Mögliche Sanierungsmaßnahmen

Liquidationsstatus

* Eigenkapitalerhöhung:
bei Personengesellschaften = Privateinlagen
bei Kapitalgesellschaften = Kapitalerhöhung, Zuschuss

* Rangrücktrittserklärung generell (für Gesellschafterdarlehen, Bankkredit, Lieferantenkredite etc.)

* Schuldnerbeitritt oder werthaltige Bürgschaftserklärung mit Verzicht auf Regress gegen Unternehmen bei Inanspruchnahme

Fortbestehensprognose

* betriebswirtschaftliche Sanierungs- bzw. Reorganisationsmaßnahmen wie Personalabbau, Lagerabbau, Änderung der Produktpalette, der Vertriebsstruktur, Sitzverlegung etc.

* Änderungen im Finanzierungsbereich wie Zinsensenkung, Verlängerung der Laufzeit

* Kürzung bzw. Verzicht der Geschäftsführer/Gesellschafter auf Gehalt, Entgelt für ihre Leistungen zukünftig

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