Steuerreform: Die neuen Änderungen - die große Übersicht

Von Dienstautos, über Kirchenbeiträge, Gewinnausschüttungen, Immobilienertragsteuer, Grunderwerbsteuer bis hin zu Prämien, gibt es kaum Bereiche, die von der Steuerreform nicht betroffen sind.

Von Dienstautos, über Kirchenbeiträge, Gewinnausschüttungen, Immobilienertragsteuer, Grunderwerbsteuer bis hin zu Prämien, gibt es kaum Bereiche, die von der Steuerreform nicht betroffen sind.

Der gestern veröffentlichte Begutachtungsentwurf zur Steuerreform enthält wesentliche bisher unbekannte Neuerungen. Das betrifft die Arbeitnehmerveranlagung, die Besteuerung von Immobilien und Kapitalvermögen, wie sich Schulden sich auf die Grunderwerbssteuer auswirken, das Bankgeheimnis, Kinderfreibetrag, SV-Rückerstattung von Geringverdienern. Für Firmen ändert sich die Besteuerung von Mitarbeiterrabatten, Begräbniskosten und Sachgeschenke von Firmen.

Was die Tarifreform für Arbeitnehmer ändert

Niedrigverdiener kriegen Sozialversicherung retour

Die Neugestaltung des Einkommensteuertarifs wird – wie bereits im März vorgestellt – umgesetzt. Neu ist, dass Niedrigverdiener bereits für das Jahr 2015 eine Negativsteuer (die künftig „SV-Rückerstattung“ heißen wird) von bis zu 220 Euro (bisher 110 Euro) lukrieren können. Für Pendler beträgt der Erstattungsbetrag für das Jahr 2015 höchstens 450 Euro (bisher 400 Euro).

Kinderfreibetrag wird verdoppelt Der Kinderfreibetrag wird - wie geplant – verdoppelt und beträgt künftig 440 Euro. Der gesplittete Kinderfreibetrag für beide Elternteile wird sogar von 132 Euro auf 300 Euro erhöht.

Sachbezug für Dienstautos: Emissionsgrenze 120 Gramm

Der Sachbezug für Dienstautos mit einem Co2-Ausstoß von mehr als 120g/km beträgt ab 2016 2 % der Anschaffungskosten, maximal 960 Euro pro Monat. Der maßgebliche CO2-Emmissionswert verringert sich von 2017 bis zum Jahr 2020 um jährlich 4 Gramm. Maßgebend für die Einstufung ist das Jahr der Anschaffung

Kein Sachbezug für Elektroautos. Für Elektroautos (CO2-Wert von Null) ist kein Sachbezug anzusetzen. Außerdem kann für Elektroautos ein Vorsteuerabzug geltend gemacht werden. Die Steuerexperten der BDO dazu: "Für alle Fan, teurer Elektroautos, wie dem Tesla, ist aber zu bedenken, dass der Vorsteuerabzug nur bis zur Luxusgrenze von 40.000 Euro zusteht, sofern aber die Anschaffungskosten insgesamt unter 80.000 Euro liegen."

Was sich bei der Arbeitnehmerveranlagung ändert

Kosten für Wohnraumschaffung nicht mehr absetzbar Sonderausgaben wie Versicherungsprämien oder Kosten der Wohnraumschaffung und -sanierung sind künftig nicht mehr absetzbar. Für bestehende Verträge, die vor dem 1. Jänner 2016 abgeschlossen werden, soll die geltende Regelung noch fünf Jahre bis zur Veranlagung für das Kalenderjahr 2020 beibehalten werden. Für Neuverträge soll es bereits ab der Veranlagung für das Kalenderjahr 2016 keine Absetzmöglichkeit mehr geben.

Freiwillige Weiterversicherung weiter möglich
Nur Beiträge für eine freiwillige Weiterversicherung einschließlich des Nachkaufs von Versicherungszeiten in der gesetzlichen Pensionsversicherung und vergleichbare Beiträge an Versorgungs- und Unterstützungseinrichtungen der Kammern der selbstständig Erwerbstätigen bleiben erhalten.
Arbeitnehmerabsetzbetrag und der Verkehrsabsetzbetrag werden fusioniert und von 345 auf 400 Euro erhöht. Pendler, die weniger als 12.200 Euro im Jahr verdienen, bekommen einen höheren Verkehrsabsetzbetrag von 690 Euro.

Weitere Änderungen bei der Steuerbefreiung

Bildungsfreibeträge für Firmen gestrichen

Unternehmen haben bisher 20 Prozent der Kosten, die sie in die Fortbildung ihrer Mitarbeiter investierten, geltend machen können. Solche Bildungsfreibeträgen und die Bildungsprämien werden künftig gestrichen. Die Wirkung der bisherigen Fortbildungsmöglichkeiten zeigt, nach Einschätzung des Finanzministeriums, zu wenig Wirkung.


Begräbniskosten für Mitarbeiter steuerfrei Zuwendungen des Arbeitgebers für das Begräbnis eines Dienstnehmers, dessen Ehepartner oder Kinder steuerfrei gestellt.
Rabatte für Mitarbeiter bis zu 10 % steuerfrei Die Gewährung von Rabatten an Mitarbeiter hat bei Lohnsteuerprüfungen häufig zu Problemen geführt. Künftig sollen derartige Mitarbeiterrabatte bis zu 10 % steuerfrei sein. Voraussetzung ist, dass diese Rabatte allen Mitarbeitern oder bestimmten Gruppen von Mitarbeitern eingeräumt werden. Mitarbeiterrabatte über 10 % bleiben nur steuerfrei, wenn sie insgesamt nicht mehr als 500 Euro pro Jahr und Mitarbeiter betragen.
Sachgeschenke bis zu 186 Euro steuerfrei Anlässlich eines Firmen- oder Dienstjubiläums können Mitarbeiter Sachgeschenke bis zu einem Wert von 186 Euro steuerfrei erhalten. Im Gegenzug dafür wird die begünstigte Besteuerung für Diensterfindungsprämien gestrichen.
Brauereien betroffen Die Steuerbefreiung für den Haustrunk im Brauereigewerbe wird entfallen.

Änderungen bei der Immobilienertragssteuer

Erhöhung auf 30 Prozent.
Die Immobilienertragsteuer wird auf 30 Prozent erhöht. "Dadurch kommt es auch bei Altfällen zu einer Steigerung der effektiven Steuerbelastung von 3,5 % auf 4,2 %, bei Umwidmungen auf 18 %", erläutert Gottfried Sulz, Steuerberater bei TPA Horwath. Zusätzlich entfällt der 2 %ige Inflationsabschlag, der bei der Veräußerung ab dem 11. Besitzjahr geltend gemacht werden konnte, künftig.
Keine Erhöhung für Körperschaften
Die Erhöhung der Immo-ESt wird bei Privatpersonen für Immobilien sowohl des Privat- als auch des Betriebsvermögens gelten. Sie gilt aber nicht für Körperschaften (hier bleibt es bei 25 % KöSt) oder Privatstiftungen (25 % Zwischensteuer).
Erhöhung des Verlustausgleichs
"Sollte aus einem Immobilienverkauf ein Verlust entstehen, so kann dieser im betrieblichen Bereich ab 2016 zu 60 %, anstelle von bisher zur Hälfte, mit progressiv besteuerten Einkünften verrechnet werden", erläutert TPA Horwath-Experte Sulz.
Verteilung des Verlustausgleichs auf 15 Jahre
Im außerbetrieblichen Bereich wird zusätzlich zur Verrechnungsmöglichkeit von 60 % eines Veräußerungsverlustes mit (anderen) Mieteinkünften auch eine Verteilung von 60 % des Verlustes auf 15 Jahre auf Antrag möglich sein. Eine derartige „Verteilungsoption“ kann bis zum siebenten Jahr nach (!) Verlustentstehung in der Steuererklärung beantragt werden. In diesem Fall können die noch „offenen 15tel-Beträge“ mit Mieteinkünften verrechnet werden.

TPA Horwath-Tipp:
Selbst wenn Sie (noch) keine Mieteinkünfte haben, können Sie bei Erzielung eines Veräußerungsverlustes aus einer Immobilie „vorsorglich“ einen Antrag auf Verteilung in der Steuererklärung stellen, um sich den Verlustausgleich gegebenenfalls für später zu sichern.

Neuerungen bei der Grunderwerbssteuer

Adaptierter Verkehrswert als neuer Berechnungsbasis. Die Berechnung der Grunderwerbsteuer soll bei unentgeltlichen Übertragungen künftig vom sogenannten Grundstückswert (einem adaptierten Verkehrswert) erfolgen. Die Details für die Berechnung dieses Grundstückswertes sollen noch in einer Verordnung geregelt werden.

Stufentarif gilt nicht nur im Familienverband, sondern allgemein. Bei unentgeltlichen Übertragungen kommt der bereits bekannte Stufentarif (bis 250.000 Euro: 0,5 %, für die nächsten 150.000 Euro: 2 % und darüber 3,5 %) zur Anwendung. Neu ist, dass diese Regelung nicht nur auf unentgeltliche Übertragungen im engeren Familienverband anzuwenden ist, sondern ganz allgemein für alle unentgeltlichen Übertragungen gilt, somit zB auch für Zuwendungen von Grundstücken an Privatstiftungen oder Schenkungen an fremde Dritte. Unentgeltliche Übertragungen zwischen denselben natürlichen Personen innerhalb von fünf Jahren werden zusammengerechnet, damit der Stufentarif durch Aufsplittung von Übertragungen nicht mehrfach angewendet werden kann. Die Grunderwerbsteuer kann auf Antrag auf 5 Jahre verteilt bezahlt werden.

Bei Schulden bis zu 30 Prozent des Grundstückswerts ist die Übertragung unentgeltlich
Geregelt wurde auch, wie vorzugehen ist, wenn in Zusammenhang mit der unentgeltlichen Übertragung Schulden übernommen werden. Betragen die übernommenen Schulden oder Belastungen bis zu 30 % des Grundstückswertes ist der Vorgang als unentgeltlich zu behandeln und die Belastungen spielen keine Rolle bei der Berechnung der Grunderwerbsteuer. Betragen die übernommenen Belastungen hingegen zumindest 70 % des Grundstückswertes liegt ein entgeltlicher Vorgang vor, und die Grunderwerbsteuer wird mit 3,5 % der übernommenen Belastungen festgesetzt. Liegen die Werte zwischen 30 % und 70 % ist der Vorgang in einen entgeltlichen Teil und einen unentgeltlichen Teil (zum Stufentarif) aufzuteilen.

Freibetrag wird für Betriebe hinaufgesetzt
Bei begünstigten Betriebsübertragungen wird der Freibetrag von 365.000 Euro auf 900.000 Euro für den unentgeltlichen Übergang von Betriebsgrundstücken erhöht. Nach Abzug des Freibetrages kommt der Stufentarif zur Anwendung. Die Grunderwerbsteuer ist aber mit maximal 0,5 % des gemeinen Wertes begrenzt.

Umgründung: Neue Steuerregelung
Bei Umgründungen wird die Grunderwerbsteuer künftig mit 0,5 % des Grundstückswertes vorgeschrieben (bisher 3,5 % vom zweifachen Einheitswert).

Grunderwerbssteuerpflicht früher als bisher
Die Grunderwerbsteuerpflicht bei der Übertragung aller Anteile bzw wegen Vereinigung aller Anteile tritt künftig bereits bei 95 % und nicht wie bisher bei 100 % ein. Treuhändig gehaltene Anteile sind dem Treugeber zuzurechnen.

Änderungen bei Kapitalvermögen (KESt)

Erhöhung auf 27,5 Prozent
Die Kapitalertragsteuer ( KESt) und der diesbezügliche Sondersteuersatz gilt für alle Kapitalprodukte – z.B. Dividenden, Veräußerungsgewinne von Aktien, GmbH-Anteilen, Anleihen und Derivaten, Einkünfte aus (Immobilien-) Investmentfonds etc. – von 25 % auf 27,5 % erhöht.

TPA Horwath-Tipp:
Eine vorzeitige Ausschüttung thesaurierter Gewinne aus GmbHs ist daher zu überlegen. Dies ist nach heutiger Ansicht durch einen 2. Beschluss auch dann möglich, wenn sie vorerst einen Gewinnvortrag beschlossen haben.
Ausgenommen von der Erhöhung sollen Zinsen aus Geldeinlagen bei Kreditinstituten, also insbesondere Sparbuchzinsen oder Zinsen auf Giro- oder Festgeldkonten, hier bleibt es bei 25% KESt.

Keine Erhöhung für Körperschaften
Ausnahmen vom 27,5 %-Satz bestehen auch dann, wenn die Kapitaleinkünfte einer Körperschaft zufließen, hier bleibt es gegebenenfalls bei einer KESt von 25 %, weil die Einkünfte bei Körperschaften grundsätzlich mit 25 % Körperschaftsteuer besteuert werden.

Keine Erhöhung der Zwischensteuer für Stiftungen
Auch bei Privatstiftungen bleibt die „Zwischensteuer“, die z.B. für Bankzinsen und Zinsen aus Forderungswertpapieren gilt, bei 25 %. Zuwendungen von Privatstiftung an deren Begünstigte unterliegen jedoch ab 1.1.2016 ebenfalls dem erhöhten KESt-Satz von 27,5 %.

Gesamtsteuerbelastung der GmbHs steigt – Umwandlung?
Die Gesamtsteuerbelastung bei einer GmbH/AG wird künftig durchgerechnet bei 45,625 % liegen (25 % KÖSt und 75 % x 27,5 % KESt) und damit in Zusammenschau mit den Ermäßigungen beim Einkommensteuertarif tendenziell zu einer Verschiebung der Vorteilhafthaftigkeit zugunsten von Einzelunternehmen und Personengesellschaften führen.

TPA Horwath-Tipp:
Bei Ausschüttungen aus Kapitalgesellschaften 2015 sparen Sie heuer noch 2,5 %-Punkte. Bei GmbHs mit geringen Gewinnen kann es sinnvoll sein, die GmbH in ein Einzelunternehmen oder eine Personengesellschaft umzuwandeln, um in den günstigeren ESt-Tarif zu kommen.

Änderungen bei Gewinnen bei Immogesellschaften und Abschreibung von Gebäuden

Gewinnausschüttung bei Immogesellschaften wird neu geregelt

Die gerade bei Immobilienaktiengesellschaften so beliebte - für Privatpersonen steuerfreie-Gewinnausschüttung von Einlagen wird neu geregelt. Die bisherige Wahlmöglichkeit, Ausschüttungen als Dividende oder als Kapitalrückzahlung zu behandeln, entfällt. Solange "operative Gewinne" vorhanden sind, müssen diese zuerst ausgeschüttet werden. Bei Privatpersonen fällt dann die 27,5%ige Kapitalertragsteuer an, bei Kapitalgesellschaften ist die Dividende steuerfrei.

Neuer Abschreibungssatz für Gebäude
Der Abschreibungssatz für Gebäude im betrieblichen Bereich beträgt künftig einheitlich 2,5 %. Bestehende Gebäudeabschreibungen sind anzupassen. Bei Vermietung zu Wohnzwecken soll aber auch im betrieblichen Bereich nur ein AFA-Satz von 1,5 % zur Anwendung kommen.
Neue Regeln bei Abschreibung von Anschaffungskosten
Als (nicht abschreibbarer) Grundwert sind ab 2016 ohne Nachweis 40 % (bisher 20 %) der Anschaffungskosten bei der privaten Vermietung auszuscheiden. Dies soll aber dann nicht gelten, wenn die tatsächlichen Verhältnisse offenkundig erheblich davon abweichen (was immer das auch bedeuten wird). Die Abschreibung für Altgebäude ist entsprechend anzupassen.

Sonstige Änderungen im Einkommensteuergesetz

Forschungsprämie wird erhöht. Die Forschungsprämie wird auf 12 % erhöht. Der 20 %ige Bildungsfreibetrag bzw die 6 %ige Bildungsprämie wird gestrichen. Die Mietzinsbeihilfen werden ebenfalls gestrichen.
Forscher, die nach Österreich ziehen, erhalten Vergünstigung. Für Wissenschaftler und Forscher, die nach Österreich zuziehen, ist – befristet auf 5 Jahre - ein 30 %iger Freibetrag für die Einkünfte aus wissenschaftlicher Tätigkeit vorgesehen. Daneben können dann aber keine weiteren Werbungskosten geltend gemacht werden.
Barzahlungen am Bau künftig reglementiert. Um dem Steuerbetrug in der Bauwirtschaft einzudämmen, dürfen künftig Barzahlungen für Bauleistungen über 500 Euro steuerlich nicht mehr abgesetzt werden. Arbeitslöhne in der Bauwirtschaft dürfen nicht mehr bar ausbezahlt werden.
Sonderausgaben werden von Institutionen selbst gemeldet. Ab dem Jahr 2017 können Sonderausgaben für Kirchenbeiträge, Spenden und freiwillige Weiterversicherungen nur mehr insoweit steuerlich abgesetzt werden können, als sie von den jeweiligen Institutionen ans Finanzamt gemeldet werden.
Verluste unbegrenzt vortragen. Einnahmen-Ausgaben-Rechner können künftig ihre Verluste unbegrenzt vortragen.
Verlustzuweisungen eingeschränkt. Verlustzuweisungen bei Personengesellschaften sollen nur mehr bis zur Höhe der geleisteten Einlage möglich sein, wenn der Mitunternehmer keine ausgeprägte Mitunternehmerinitiative entfaltet (zB nicht in der Geschäftsführung tätig ist). Nicht ausgeglichene Verluste können dann mit künftigen Gewinnen verrechnet werden.

Die Highlights aus dem Begutachtungsentwurf zur Steuerreform 2015/16 wurden von den Steuerberatern bei TPA Horwath und der BDO zusammengefasst.

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