Steuern: Flat Tax in Österreich faktisch Realität

Steuern: Flat Tax in Österreich faktisch Realität

Die Ergebnisse der Plattform steuernzahlen.at könnten Finanzminister Schelling in Zugzwang bringen.

Eine Hochrechnung der Plattform steuerzahlen.at gibt erstmals Auskunft über die Gesamtsteuer- und Abgabenquote Österreichs. Das Ergebnis: Österreichs Steuersystem ist weit von einer progressiven Quote entfernt. Die obersten 10.000 profitieren am meisten vom aktuellen System, die Ärmeren leisten deutlich mehr, als die bisherige Statistik berücksichtigt. Der Mittelstand trägt die meiste Last.

Eine aktuelle und in der Form erstmalige Hochrechnung der Gesamtsteuer- und Abgabenlast der Österreicher inklusive Konsumsteuern wurde vom Verein respekt.net erstellt. Über die Plattform steuernzahlen.at wurden seit Juni 2014 knapp 2.000 Datensätze von Bürgern gesammelt und ausgewertet. Das Ergebnis: Die Gesamtsteuer- und Abgabenquote ist in Österreich nicht progressiv, sondern eher „flat“. Die Ärmeren Einkommensgruppen leisten erheblich mehr Steuern und Abgaben als die Lohn- und Einkommenssteuerstatistik zeigt. Die reichsten 10 Prozent profitieren von der Höchstbeitragsgrundlage bei den Sozialversicherungsbeiträgen und von der niedrigeren Kapitalertragssteuer im Vergleich zur Einkommenssteuer.

Mittelstand trägt größte Steuerlast

„Eben gab es die Einigung auf die ‚größte Steuerreform der Geschichte’. Diese hat jedoch nur ein Drittel der notwendigen Information zur gesamten Steuerlast zur Grundlage.“ leitet Christian Köck, Vorstand bei respekt.net, die Präsentation der Ergebnisse von SteuernZahlen.at ein. Die integrierte Lohn- und Einkommenssteuerstatistik der Statistik Austria deckt nur 33,7% des Steueraufkommens der natürlichen Personen in Österreich ab. Es fehlen, um auf 100% der Steuerlast zu kommen, die Konsumsteuern, die vermögensbezogenen Steuern und die Sozialversicherungsbeiträge. Auf dieser Basis leistet das oberste Dezil nicht 54 Prozent des Steueraufkommens, sondern nur 37 Prozent. Das liegt klar unter der Steuerquote des sogenannten Mittelstandes. Der Mittelstand werde tatsächlich am stärksten belastet, und die Ärmeren zahlen proportional mehr an Konsumsteuern als die Reicheren.

Finanzministerium im Blindflug

Köck, Gesundheitsökonom und ehemaliger Kurzzeit-Parteichef des Liberalen Forums (LIF), forderte aufgrund der Daten eine evidenzbasierte Debatte über das Steuersystem ein, wird aber vom Finanzministerium (BMF) nicht ernst genommen. Er fordert eine 100-prozentige, transparente Darstellung des Steuersystems. Die Steuerpolitik müsse weg von Polemik und Klientelpolitik hin zu Transpranz und Verantwortung. Köck verglich die derzeitige Praxis mit einem Blindflug: „Wichtige, existenzielle Entscheidungen werden mit 30 Prozent Sichtbarkeit getroffen“, so Köck. Die Initiative fordert eine jährliche, vollumfängliche Statistik des BMF zu den gesamten Steuern und Abgaben.


Die Erkenntnisse im Überblick:

  • Gesamtsteuer und Abgabenquote sind eher flach und nicht progessiv, d.h. das Leistungsfähigkeitsprinzip kommt kaum zur Geltung.
  • Mittelstand trägt tatsächlich die Hauptlast der Steuern und Abgaben. Die Sozialversicherungsbeiträge und Konsumsteuern spielen hierbei eine wichtige Rolle.
  • Ärmere Einkommensgruppen tragen wegen der Konsumsteuern einen weit größeren Anteil der Steuerlast, als die bisherige Statistik zeigt.
  • Die „oberen Zehntausend“ der Gesellschaft profitieren am meisten vom aktuellen System. Grund: Die Höchstbeitragsgrenze bei den Sozialversicherungsbeiträgen und der hohe Anteil an Vermögenserträgen, die nicht Sozialversicherungspflichtig sind und nur mit 25 Prozent besteuert werden.

Der gemeinnützige Verein respekt.net will die Zivilgesellschaft in Österreich stärken. Neben dem Portal steuerzahlen.at betreibt der Verein auch die Crowdfunding-Plattform respekt.net und die Politiktransparenz-Plattform meineabgeordneten.at.

Fruchtgenussrecht: So sichern Sie sich Einfluss und Einnahmen

Steuertipps

Fruchtgenussrecht: So sichern Sie sich Einfluss und Einnahmen

Zehn Tipps für den Steuerausgleich

Steuern

Zehn Tipps für den Steuerausgleich

Start-ups

Steuern sparen für Anfänger: Zehn Tipps für Start-ups