Die aktuellen Steuererleichterungen für Pendler & Netzkartennutzer

Die aktuellen Steuererleichterungen für Pendler & Netzkartennutzer

FORMAT-Serie: So holen Sie sich Ihr Geld vom Staat zurück, Teil 2 – Steuererleichterungen für Pendler. Die Steuerexperten der TPA Horwath erklären, wie man sich mittels Jobticket die Öffi-Netzkarte von der Firma zahlen lassen kann, wie man die Fahrtkosten für größere Entfernungen von und zur Arbeit beim Arbeitgeber oder durch den Steuerausgleich geltendmachen kann, wie Teilzeitkräfte von einer Pendlerpauschale profitieren und wie man neben dem Pendlerpauschale noch einen Lohnsteuerabsetzbetrag geltendmachen kann.

Staat zahlt bei Öffitickets mit

Der Staat will Arbeitnehmern das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln schmackhaft machen. Firmen und Institutionen können deshalb seit 1. Jänner 2013 allen Mitarbeitern freiwillig ein Öffi-Ticket zur Verfügung stellen, wofür die Unternehmen weder Lohnsteuer abführen, noch Lohnnebenkosten und Sozialversicherungsbeiträge zahlen müssen. Anspruch auf ein Pendlerpauschale ist dabei nicht Voraussetzung. Wer allerdings ein Jobticket erhält, verliert den Anspruch auf ein Pendlerpauschale. Arbeitnehmer haben zwar keinen Anspruch auf ein Jobticket, aber wenn der Chef etwa argumentiert, sich keine Gehaltserhöhung leisten zu können, kann man ihm vielleicht ein Jobticket schmackhaft machen. Als Jobticket gilt eine Streckenkarte bzw. Netzkarte für die Strecke zwischen Wohnung und Arbeitsstätte.

Firma kann Jobticket als Betriebsausgabe von der Steuer absetzen

Voraussetzung für ein steuerbegünstigtes Jobticket ist jedoch, dass die Rechnung der Streckenkarte auf den Arbeitgeber lautet und den Namen des Arbeitnehmers enthält. Die Karte kann auch übertragbar sein. Egal, ob der Betrieb die Kosten für das Jobticket zur Gänze oder nur teilweise übernimmt, kann dieser diese besondere Sozialleistung als Betriebsausgabe von der Steuer absetzen. Der betreffende Mitarbeiter wiederum muss diesen Vorteil nicht als Sachbezug versteuern. Einzelne öffentliche Verkehrsbetriebe bieten dafür vergünstigte Angebotspakete für Firmen. Je mehr Tickets eine Firma kauft, umso billiger wird es. Nicht steuerbegünstigt sind Jobtickets, wenn sie statt des bisher bezahlten steuerpflichtigen Lohns zur Verfügung gestellt werden, da das nur einer Gehaltsumwandlung entspricht.

Pendlerpauschale erstmals auch für Teilzeitkräfte

Seit 1. Jänner 2013 gibt es auch verbesserte Bedingungen für Teilzeitkräfte. Diese müssen nun nicht mehr, wie bis dahin, mindestens elf Mal im Monat zur Arbeitsstätte pendeln, um ein Pendlerpauschale zu erhalten. Nun gibt es für mindestens vier Arbeitstage pro Monat ein Drittel (aber nicht mehr als sieben Tage pro Monat), für mindestens acht Arbeitstage zwei Drittel des Pendlerpauschales (aber nicht mehr als zehn Tage pro Kalendermonat), womit auch Teilzeitkräfte in den Genuss des Pendlerpauschales kommen können.

Allerdings steht einem Arbeitnehmer das Pendlerpauschale pro Kalendermonat nur einmal in vollem Ausmaß zu. Damit soll sichergestellt werden, dass bei Teilzeitkräften, die parallel mehrere Dienstverhältnisse haben, in Summe maximal drei Drittel des Pendlerpauschales die Steuerbemessungsgrundlage reduzieren. Werden Fahrtkosten für Familienheimfahrten berücksichtigt, kann keine Pendlerpauschale für die Wegstrecke vom Familienwohnsitz zur Arbeitsstätte gewährt werden. Eventuell kann jedoch eine Pendlerpauschale für die Wegstrecke von dem der Arbeitsstätte nächstgelegenen Wohnsitz zur Arbeitsstätte steuermindernd geltend gemacht werden. Alternativ kann (bei zumindest 4 Fahrten pro Monat vom Familienwohnsitz zur Arbeitsstätte) ein aliquotes Pendlerpauschale für die Strecke vom Familienwohnsitz zur Arbeitsstätte beantragt werden. Für die Wegstrecke, die über 120 km hinausgeht, können zusätzlich zum Pendlerpauschale die tatsächlichen Kosten angesetzt werden. Der Gesamtbetrag (jeweiliges Pendlerpauschale und tatsächliche Fahrtkosten für die über 120 km hinausgehende Strecke) ist jedoch immer mit dem höchsten Pendlerpauschale begrenzt.

Wer an mindestens 4 Tagen im Monat pendelt und die Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln unzumutbar ist, hat Anspruch auf das (aliquote) große Pendlerpauschale.
Generell steht Arbeitnehmern das (aliquote) große Pendlerpauschale ab einer Wegstrecke von zwei Kilometern zu, wenn es unzumutbar ist, diese Strecke mit Massenverkehrsmitteln zurückzulegen (sofern sie überhaupt verkehren). Unzumutbar wäre ab dem Jahr 2014 jedenfalls, wenn die Wegzeit mit Massenbeförderungsmitteln mehr als zwei Stunden beträgt oder wenn zumindest auf dem halben Arbeitsweg ein Massenverkehrsmittel überhaupt nicht verkehrt.


Die (aliquote) kleine Pauschale bekommt, wer an mindestens 4 Tagen im Monat mindestens 20 Kilometer zur Arbeit fahren muss.
Das (aliquote) kleine Pendlerpauschale können Arbeitnehmer beantragen, wenn die Fahrtstrecke zwischen Wohnung und Arbeitsstätte in eine Richtung mindestens 20 Kilometer beträgt und die Benutzung eines Massenverkehrsmittels möglich und zumutbar ist. Arbeitnehmern, die von ihrem Arbeitgeber einen Dienstwagen zur Verfügung gestellt bekommen, mit dem sie auch die Wege vom Wohnsitz zur Arbeitsstätte zurücklegen dürfen, haben seit Mai 2013 jedoch keinen Anspruch mehr auf das Pendlerpauschale.

Wie man die Pendlerpauschale berechnet

Bevor man einen Cent vom Staat für das Pendeln sieht, muss man zwei Schritte befolgen. Zunächst muss man herausfinden, ob die Benützung von öffentlichen Verkehrsmitteln überhaupt zumutbar ist und in weiterer Folge wie groß die Entfernung zwischen Wohnsitz und Arbeitsstätte genau ist. Diese Einschätzung obliegt jedoch nicht einem selbst, sondern dem Finanzministerium. Dieses hat dafür den sogenannten Pendlerrechner entwickelt. Hat man die Höhe des Pauschales herausgefunden, kann dieses bereits bei der Lohn- und Gehaltsabrechnung durch den Dienstgeber berücksichtigt werden. Dazu benötigt der Arbeitgeber als Nachweis den vom Arbeitnehmer unterschriebenen Formularausdruck vom Pendlerrechner. Wenn der Arbeitgeber das Pendlerpauschale nicht bei der Lohnabrechnung berücksichtigt hat, kann man das auch selbst mittels Steuerausgleich tun.

Wie das Pendlerpauschale bei mehreren Wohnsitzen berechnet wird

Wenn jemand mehrere Wohnsitze hat, ist für die Berechnung des Pendlerpauschales entweder der zur Arbeitsstätte nächstgelegene Wohnsitz oder der Familienwohnsitz maßgeblich. Voraussetzung ist allerdings, dass die entsprechende Wegstrecke vom Arbeitnehmer auch tatsächlich zurückgelegt wird.

Kleinverdiener erhalten bis zu 290 Euro

Der Pendlerzuschlag für Arbeitnehmer, die auf Grund ihres geringen Einkommens keine Lohnsteuer zahlen, beträgt seit dem Jahr 2013 bis zu 290 Euro jährlich in Form einer sogenannten Negativsteuer. Eine Negativsteuer ist maximal in Höhe von 400 Euro möglich. Damit es im Falle einer Steuerpflicht nicht zum Verlust des Pendlerzuschlages kommt, ist ein Pendlerausgleichsbetrag in Höhe von 289 Euro vorgesehen, der auch zu einer Steuergutschrift führen kann. In diesem Fall erfolgt ab einer Lohn- oder Einkommensteuerschuld von einem Euro eine gleichmäßige Einschleifung des Pendlerausgleichsbetrages von 289 Euro bis Null.

So kassieren Sie zusätzlich zur Pendlerpauschale einen sogenannten Pendlereuro pro Kilometer Arbeitsweg

Wer Anspruch auf das (große oder kleine) Pendlerpauschale hat, kann zusätzlich zwei Euro pro Kilometer Arbeitsweg (einfache Wegstrecke) als Steuerminderung geltendmachen - rückwirkend ab 1. Jänner 2013. Der Pendlereuro ist ausschließlich von der Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte abhängig.
Der Pendlereuro beträgt im Jahr zwei Euro pro Kilometer der einfachen Fahrtstrecke zwischen Wohnung – Arbeitsstätte. Beispiel: Die einfache Strecke zwischen Wohnung – Arbeitsstätte beträgt 45 km, der zustehende Pendlereuro beträgt daher 45 x 2 Euro = 90 Euro pro Jahr.

Bei Teilzeitkräften steht der Pendlereuro aliquot, entsprechend des aliquoten Pendlerpauschales, zu. Beispiel: Die Fahrt Wohnung – Arbeitsstätte mit 45 km wird 4 x pro Monat zurückgelegt, daher steht die Pendlerpauschale zu 1/3 zu. Der zustehende Pendlereuro beträgt daher 45 x 2 Euro / 3 = 30 Euro pro Jahr.

Pendlereuro reduziert Lohnsteuer

Der Pendlereuro reduziert als Absetzbetrag die Lohnsteuer und wird im Allgemeinen, wie der Verkehrsabsetzbetrag, vom Arbeitgeber berücksichtigt. Damit das allerdings tatsächlich passiert, muss der Arbeitnehmer eine Erklärung gegenüber dem Arbeitgeber abgeben und Änderungen (beispielsweise einen Umzug) sofort melden. Der Jahresbetrag wird durch zwölf Monate dividiert und reduziert die monatlich berechnete Lohnsteuer unmittelbar. Nutzt ein Arbeitnehmer, dem ein Pendlerpauschale zusteht, überwiegend den Werkverkehr, steht der Pendlereuro nur für jenen Teil der Wegstrecke zu, der nicht im Werkverkehr zurückgelegt wird.


Weitere Informationen auch auf der Homepage der Steuerberatungsspezialisten TPA Horwath.
Im dritten Teil der FORMAT-Serie: Steuertipps zum Jahresausgleich, behandeln wir das Thema: Welche Ausgaben Sie für Kinder von der Steuer absetzen können.

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