Steuer-Studie: Einkommen könnten um 40 Prozent höher sein

Steuer-Studie: Einkommen könnten um 40 Prozent höher sein
Steuer-Studie: Einkommen könnten um 40 Prozent höher sein

Zum Haare raufen: Die hohe Steuerbelastung in Österreich.

Der Mittelstand leidet den Wirtschaftsforschern von EcoAustria zufolge unter massiven Steueranstiegen. Die Löhne könnten gemessen an der Entwicklung der Steuerquote über vier Jahrzehnte um bis zu 40 Prozent höher sein.

EcoAustria hat die Entwicklung der Abgabenbelastung analysiert. Die Berechnungen zeigen einen deutlichen Anstieg der Belastung durch Steuern und Beiträge seit 1975. Die Belastung im Jahr 2015 liegt damit auf dem historisch höchsten Niveau. Folge der hohen Abgaben: Das Jahresnettoeinkommen bei einer Höchstbeitragsgrundlage könnte 2015 um mehr als 15.000 Euro bzw. fast 40 Prozent höher sein, wenn man die im Jahr 1975 geltende Abgabenbelastung heranzieht. Mittlere Einkommen zahlen de facto um 22 Prozent zu viel. Die Details:

Anstieg des Arbeitseinkommens seit Ende 1990 um 15 Prozentpunkte

Die Studie analysiert der gesamtwirtschaftlichen Abgabenbelastung auf das Arbeitseinkommen. Dazu werden Einnahmen aus der Lohnsteuer, aus den Sozialversicherungsbeiträgen der Arbeitnehmer bzw. Arbeitgeber für die Arbeitnehmer und aus Steuern auf die Lohnsumme auf die Arbeitnehmerentgelte bezogen. Das Ergebnis: Betrug der Anteil der Abgaben an den Arbeitnehmerentgelten im Jahr 1976 noch rund 30 Prozent, so liegt er seit Ende der 1990er Jahre bei rund 45 Prozent bzw. etwas darüber - ein Anstieg um rund 15 Prozentpunkte.

Wohlfahrtsstaat ist Schuld

Als Grund für den starken Anstieg nennt Studienautor Johannes Berger die Ausweitung des Wohfahrtsstaates Ende der 1980er Jahre. Berger: "Seit Anfang der 1990er Jahre stieg der Finanzierungsdruck auf die öffentlichen Haushalte deutlich an. Maßnahmen zur Konsolidierung wurden zwar gesetzt, trotzdem zeigt sich bis zur Jahrtausendwende ein kontinuierlicher Anstieg der Abgaben."

Beschäftigte unter Druck

Berger: „Österreich zählt nun zu den Spitzenreitern bei den Abgaben. Während in anderen Ländern die Belastung auf Einkommen nur leicht zugenommen hat bzw. sogar gesunken ist, ist der Anstieg in Österreich markant.“ Dies sei mit ein Grund, dass die Beschäftigten den internationalen Wettbewerb stark zu spüren bekommen. Vergleicht man die Abgabenbelastung auf Einkommen, dann zeigt sich, dass der Anteil der Abgaben am Einkommen zwischen 1975 und 2013 deutlich zugelegt hat.

Belastung mit der Einkommenshöhe überproportional gestiegen

Grund für den starken Anstieg sind die Sozialversicherungsbeiträgen und der Belastung durch die Einkommensteuer. Ebenso zeigt sich, dass über die Jahre die Belastung überproportional mit der Einkommenshöhe zugenommen hat. Das bedeutet, dass der relative Anstieg der Belastung bei hohen Einkommen stärker ausfällt als bei geringen Einkommen.

Zwar nimmt die Steuerlast durch die Steuerreform 2016 leicht ab, „dennoch bleiben die Abgaben auf hohem Niveau - mit den damit verbundenen negativen volkswirtschaftlichen Effekten“, resümieren die Studienautoren.

Würde der Staat so hohe Abgaben wie 1975 eingeben, würden dem Arbeitnehmer monatlich bis zu rund 40 Prozent mehr des Gehalts vom Arbeitgeber überwiesen werden. Studienautor Berger „Österreich weist im internationalen Vergleich eine sehr hohe Abgabenquote auf, insbesondere Abgaben auf Arbeitseinkommen und selbständiges Einkommen.“

Zusätzliche Abgabenlast auf Nettoeinkommen 22 Prozent

In dieser Studie wird vor allem untersucht, wie sich die Abgabenbelastung bzw. der Abgabenkeil über den Zeitverlauf insbesondere für den Mittelstand verändert hat. Das Ergebnis zeigt deutlich, dass nicht nur Topverdiener kräftig zur Kasse gebeten werden. Selbst für Bezieher eines Mediankommens beträgt die zusätzliche Abgabenbelastung rund 4.300 Euro jährlich bzw. 22 Prozent des gegenwärtigen Nettoeinkommens.

Von den erwirtschafteten unselbständigen Einkommen wird fast die Hälfte über direkte Abgaben an den Staat abgeführt.

Bis zu 15.500 Euro höhere Steuern pro Jahr für jene an der Höchstbeitragsgrundlage

Als Medianeinkommen wurde in der Studie ein Bruttojahreseinkommen als Untergrenze von 16.672 Euro angezogen und 65.100 Euro als die obere Grenze. Das entspricht einem Bruttomonatseinkommen von 1.191 Euro bzw. 4.650 Euro. Für jene, deren Einkommen an der Höchstbeitragsgrundlage liegt, ergibt sich eine zusätzliche Belastung von unselbständigen Einkommen von knapp 15.500 Euro jährlich im Jahr 2015 bzw. 14.000 Euro nach der Steuerreform. An der „unteren Grenze“ ergibt sich ein Anstieg der jährlichen Belastung um knapp 1.600 Euro (bis zum Jahr 2015) bzw. knapp 1.300 Euro nach der Steuerreform.

Einkommenssteuer ab 2016: Geringverdiener gewinnen, Besserverdiener verlieren

Während sich für das Einkommen an der „unteren Grenze“ unter Berücksichtigung der Steuerreform 2016 sogar eine leichte Reduktion der Abgabenbelastung seit 1975 ergibt, legt der Anstieg der Belastung mit dem Einkommen zu und beträgt an der Höchstbeitragsgrundlage 12,6 Prozentpunkte im Jahr 2015 und immerhin noch 10,3 Prozentpunkte nach der Steuerreform. Bereits für das Medianeinkommen ist die zusätzliche Belastung mit 8 Prozentpunkten (2015) bzw. 5,2 Prozentpunkten (2016) beachtlich. Auch in relativer Betrachtung (Abgabenbelastung 2016 zu Abgabenbelastung 1975) nimmt die Belastung mit dem Einkommen zu. Beträgt der Anstieg für das Medianeinkommen rund 25%, so beläuft er sich bei der Höchstbeitragsgrundlage auf 38%. So ergibt sich ein Anstieg von um 7.800 Euro bzw. 6.600 Euro jährlich für jene beim 3. Quartil bis zum Jahr 2015 bzw. 2016.

54 Prozent der Belastung durch Sozialversicherung und Lohnsteuer

Die dominierende Rolle bei der Belastung kommt laut der EcoAustria-Studie den Sozialversicherungsbeiträgen zu. 2013 betrug deren Anteil an der gesamten Belastung der Arbeitseinkommen 54 Prozent. Dieser Wert ist annähernd gleich hoch wie 1976. Der Spitzenwert wurde 1989 mit 61% erreicht. Dies ist auf die Einkommensteuerreform 1988 zurückzuführen, die zu einer beträchtlichen Entlastung bei der Lohn- und Einkommensteuer geführt hat. Der Anteil der Einkommensteuer hat dagegen deutlich zugenommen, von 27,5% auf 33,6%. Im Gegensatz dazu ist der Anteil der Steuern auf die Lohnsumme von 17,4% auf 12,4% zurückgegangen.

Auszug aus der Studie: „Die Entwicklung ist ein wichtiges Indiz für einen starken Anstieg der Abgabenbelastung des Mittelstandes in den letzten 40 Jahren.“

Österreich ist bei Abgaben unter den Top-3-Ländern

Diese Belastung ist laut Studie auch im internationalen Kontext sehr hoch. Ein Indiz sind Berechnungen der OECD. Der Abgabenkeil, d.h. jener Teil der Arbeitskosten, der für Abgaben aufgewendet wird, ist in Österreich für eine Person mit durchschnittlichem Einkommen mit 49,4% für das Jahr 2014 unter den Spitzenländern zu finden. Lediglich in Belgien (55,6%) ist dieser Abgabenkeil höher, Deutschland liegt auf einem ähnlich hohen Niveau wie Österreich. In den nordischen Ländern, die insgesamt eine höhere Abgabenquote als Österreich aufweisen, ist der Abgabenkeil merklich geringer (Schweden 42,5%, Finnland 43,9% und Dänemark 38,1%).

44 Prozent Abgaben

Die gesamte Abgabenquote ist auch im internationalen Vergleich sehr hoch. 2013 betrug sie 44 Prozent. Lediglich Belgien, Dänemark, Finnland und Frankreich weisen ähnlich hohe bzw. höhere Abgabenquoten auf. Deutschland liegt im Vergleich deutlich niedriger. Bezieht man die Abgaben auf Einkommen auf die gesamte Abgabenquote, dann weisen nur Deutschland und Schweden höhere Anteile als Österreich auf.

Folgen der hohen Lohnkosten: Geringerer Arbeitseinsatz

Die Abgabenbelastung hat spürbare Auswirkungen auf den Arbeitseinsatz. Die Abgaben beeinflussen sowohl das Arbeitsangebot, als auch die Arbeitsnachfrage. Höhere Abgaben führen zu Verhaltensänderungen sowohl bei der extensiven Arbeitsangebotsentscheidung (am Arbeitsmarkt teilnehmen oder nicht), als auch beim intensiven Arbeitsangebot (die Zahl der gearbeiteten Stunden). Die Veränderung der Arbeitsnachfrage infolge einer höheren Abgabenbelastung ist auf die Auswirkungen auf die Lohnkosten zurückzuführen. Höhere Abgaben implizieren über die Lohnverhandlungen höhere Arbeitskosten.

Hohe Sozialversicherungsbeiträge verursachen geringere Verhaltensänderung

Eine Studie im Jahr 2004 argumentiert, dass Sozialversicherungsbeiträge, im Vergleich mit der Einkommensteuer, geringere Verhaltensänderungen zur Folge haben, da zusätzliche Beiträge auch höhere Ansprüche in der Zukunft implizieren und somit der reine „Steueranteil“ der Sozialversicherungsbeiträge merklich geringer ist.

Weniger Steuern erhöhen Beschäftigungsquote

Die OECD kam bereits 2005 zu dem Schluss, dass eine Reduktion des Steuerkeils um 10 Prozentpunkte die Beschäftigungsquote um 3,7 Prozentpunkte erhöht. 2004 kommt eine andere Studie zu dem Ergebnis, dass eine Reduktion um 10 Prozentpunkte die Beschäftigung um 1% bis 3% erhöht.

Steuerlast beeinflusst Ausbildung und Produktivität

Darüber hinaus beeinflussen Steuern laut Studie die Aus- und Weiterbildungsentscheidungen. In einer Simulation zeigt sich bereits in vorangegangenen Studien, dass eine Verringerung des Grenzsteuersatzes um fünf Prozentpunkte zu einem Anstieg von 0,3 Prozent der Ausgaben für Bildung führt.

Weniger Firmengründungen bei hohem Grenzsteuersatz

Ein zusätzlicher Einfluss hat die Steuerlast auf die Produktivität. So wurde 2008 der Einfluss des Spitzensteuersatzes auf die Gesamtproduktivität untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass vor allem Sektoren mit überdurchschnittlich vielen Firmengründungen von höheren Grenzsteuersätzen betroffen sind. So führt eine Reduktion des Spitzensteuersatzes von 55% auf 50% in Sektoren mit durchschnittlicher Firmengründungsrate zu einem um 0,05 Prozentpunkte höheren jährlichen Wachstum als in Sektoren mit sehr wenigen Gründungen.

Die Studie: „Verzerrenden Effekte, ausgelöst durch hohe Abgaben, sind beträchtlich.

Die Studie im Detail finden Sie unter www.ecoaustria.at

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