"Schwarzgeld bleibt nicht schwarz"

"Schwarzgeld bleibt nicht schwarz"

FORMAT: Durch Offshore-Leaks kommen Fälle von Menschen ans Licht, die ihr Geld im Ausland geparkt haben. Das muss nicht illegal sein, die Kritik daran ist dennoch groß. Europaweit wird der Druck auf Unternehmen wie Privatpersonen stärker, diese Gelder und Konstruktionen offen zu legen. Wie reagieren Ihre Klienten?

Bernhard Gröhs: Es herrscht generell eine gewisse Verunsicherung. In den vergangenen zwei, drei Jahren sind mehr als 300 Personen zu uns gekommen, die dann Selbstanzeigen als Folge der Steuerabkommen, die Österreich mit der Schweiz und Liechtenstein unterzeichnete, erstattet haben. Das ist eine relativ große Anzahl. Es hatten also sehr viele Österreicher Geld im Ausland. Offshore-Leaks konzentriert sich vor allem auf den anglo-amerikanischen Raum, aber dennoch: Wir haben momentan sehr viel mit Fragen zu tun, wie man mit den neuen Regeln und Ansprüchen an Transparenz umgeht.

Weil es sich dabei um Schwarzgeld handelt, das nun deklariert werden muss?

Gröhs: Man muss hier stark differenzieren. Es gibt unterschiedliche Beweggründe und Szenarien, warum Geld etwa in eine Offshore-Firma gesteckt wird. Das kann auch völlig legal sein. Momentan gibt es aber den Trend, sich diese Dinge sehr genau anzusehen. Der politische Wille ist mittlerweile enorm groß. Die OECD hat die Offenlegung der Steueroasen schon lange gefordert, nun machen auch die G20-Industrienationen und die EU ernst. Man will mit allen Mitteln versuchen, all das, was intransparent irgendwo gehalten wird, zu öffnen und sich anzuschauen, ob es legal oder illegal ist.

Wann trat dieser Stimmungswandel ein?

Gröhs: Mit der Finanzkrise von 2008. Und er ist nachvollziehbar: Die Verschuldung einzelner wurde in den USA über Finanzvehikel zur Gruppenverschuldung, und als man sich entschloss, das Finanzsystem aufzufangen, sind die Schulden zu den Staaten und schließlich zu den Staatengemeinschaften übergeschwappt. Dieses Risiko ist jetzt einfach nicht mehr transferierbar. Die Staaten müssen nun überlegen, wie sie wieder mehr Geld hereinholen.

In diesem Zusammenhang werden auch Vermögenssteuern diskutiert, was es noch verlockender machen kann, Geld im Ausland zu parken.

Gröhs: Ja, aber über höhere Steuern ist das ohnehin nicht mehr machbar, hier ist der Plafond erreicht. Eine Gegenmaßnahme ist es, die Zinsen auf Staatsanleihen niedrig zu halten und die Inflation bei zwei Prozent über diesem Wert. Dadurch verliert Kapital automatisch an Wert. Über zehn Jahre sind es mit Zinseszinsen fast ein Viertel des Vermögens. Staaten werden in Zukunft aber vor allem versuchen, die Basis für die Besteuerung zu erhöhen. Sie werden versuchen, das Geld wieder in die Industriestaaten zurückzuholen, das zuvor in steuerbegünstigte Offshore-Gebiete floss.

Hätten diese Bemühungen auch eine Chance, wenn etwa die USA nicht mitmachten?

Gröhs: Die USA haben mit den Steuerprogramm FATCA selbst einen wesentlichen Schritt in diese Richtung gesetzt, sie kommen da jetzt nicht mehr raus. Auch Großbritannien, zu dem einige der Steueroasen gehören, wird mit den Ankündigungen, für mehr Offenlegung zu sorgen, ernst machen. Sie sind im UK-Budget bereits berücksichtigt.

Was machen jene Österreicher, die ihr Geld bisher im Ausland hatten, etwa nach der Selbstanzeige damit?

Gröhs: Mit der Anzeige ist klar, dass man Kapital hat und es irgendwo sein muss. Viele Österreicher repatriieren dann das Vermögen auf ein österreichisches Depot. Es kann schon sein, dass es Menschen gibt, die weiterhin nichts offenlegen, aber wir raten jedem, der das überlegt, davon ab. Es mag noch exotische Destinationen geben, wo man unentdeckt bleibt, aber der Trend geht in eine andere Richtung. Österreich hat mit den meisten Staaten bereits entweder Doppelbesteuerungsabkommen oder ein Tax-Information-Exchange-Agreement. Es können bei einer Verdachtslage also die Daten der Konteninhaber ausgetauscht werden. Die Schweiz hat übrigens die Pflicht, Österreich zu berichteten, wohin abgezogenes Geld geflossen ist.

Das Netz wird enger. Bleiben Schlupflöcher?

Gröhs: Es ist nicht mehr realistisch, das Schwarzgeld schwarz bleibt. Wir raten niemanden dazu, das zu versuchen. Wenn man sich jetzt nicht deklariert, wird es in Zukunft nur noch schwieriger werden, irgendwo angelegtes Schwarzgeld wieder zu legalisieren. Das Budget werden die nunmehr in Österreich abgelieferten Steuern der Privaten allerdings nicht sanieren. Die großen Summen, auf die es die Industriestaaten absehen, wollen sie aber bei den Unternehmen abholen. Es bleibt immer die Frage, was der Staat damit macht.

Das klingt, als hätten Sie eine Vorstellung davon, was er damit nicht machen soll.

Gröhs: Es ist absolut richtig, über die erhöhte Transparenz für mehr Steuermoral zu sorgen. Fallen diese Ausweichmöglichkeiten weg, bleibt als Massenphänomen der Steuerhinterziehung nur noch die Schwarzarbeit, über die momentan interessanterweise niemand spricht. Es ist allerdings nicht gut, wenn bei diesem Wandel ein Übermaß von Aggressivität zu tragen kommt. Das ist aber momentan der Fall. Stiftungen in Liechtenstein sind nicht per se illegal, sie werden aber mitunter pauschal so hingestellt. Man bemerkt, dass die Staatsanwaltschaft heute viel schneller von Steuerhinterziehung spricht als vor fünf Jahren. Das Delikt der Abgabenhinterziehung erfordert allerdings immer einen Vorsatz. Viel schneller wird heute etwas strafrechtlich relevant, als es vor wenigen Jahren noch war.

Heißt das, die Justiz reagiert überzogen?

Gröhs: Es herrscht hier ein Umbruch, und der ist gefährlich, weil er einfach für Unsicherheiten sorgt. Konstruktionen, die vor wenigen Jahren noch als legal wahrgenommen wurden, werden jetzt hinterfragt. Sehr schnell wird nun die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, und das wiederum wird schnell bekannt. Egal ob die Vorwürfe zu Recht oder zu Unrecht erfolgen: Das kann gerade bei Managern Karrieren beenden.

Wie gehen potenziell Betroffene damit um?

Gröhs: Es wird momentan viel geprüft und wir raten allen, ihre Konstruktionen zu analysieren. Am besten von jemandem, der sie nicht aufgesetzt hat. Man muss sich das aus Sicht der heutigen Rechtslage und Verwaltungspraxis anschauen. Sind Konstruktionen nicht mehr zu halten, wird zu einer Offenlegung geraten. Aber auch bei vertretbaren Konstruktionen kann Offenlegung und Prüfung durch die Finanz eine Lösung sein. Die Fälle, wo man ganz sicher und ohne Risiko sagen kann, alles soll wie bisher gelassen werden, gibt es noch. Sie werden aber tendenziell weniger. Das ist besser, als durch Veröffentlichungen wie etwa in den Offshore-Leaks in die Defensive zu kommen. In Zukunft werden gerade Manager auch innerhalb der Unternehmen noch mehr Offenlegungspflichten bezüglich ihrer privaten Anlagen haben.

Zur Person: Bernhard Gröhs, 53, ist Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, Finanzstrafrechtsexperte und Vorsitzender der Geschäftsführung von Deloitte Österreich. Seine Schwerpunkte liegen auf der Strukturierung von Privatvermögen und Unternehmenstransaktionen.

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