200 Milliarden Dollar Steuerhinterziehung über Steueroasen

200 Milliarden Dollar Steuerhinterziehung über Steueroasen

Weltweit würden pro Jahr durch Steueroasen 200 Milliarden Dollar an Steuern hinterzogen. Ökonom Gabriel Zucman fordert ein globales Vermögensregister. In Europa wächst die Ungleichheit. Es gibt aber Fortschritte bei Bekämpfung des Bankgeheimnisses.

Wien. Weil acht Prozent des weltweiten Finanzvermögens in Steueroasen versteckt werden, entgehen den Staaten jährlich rund 200 Mrd. Dollar (176,76 Mrd. Euro) an Steuern auf Kapitalerträge sowie Erbschaftssteuern, schätzt der französische Ökonom Gabriel Zucman und fordert die Einrichtung eines weltweiten Registers für Finanzvermögen.

Gabriel Zucman (28) geht es wie seinem Lehrer Thomas Piketty darum, die ungleiche Vermögensverteilung in der Welt anzuprangern. Es gebe Hinweise dafür, dass die Ungleichheit in Europa zunehme, wenn auch nicht so stark wie in den USA, sagte Zucman bei der Präsentation seines Buches am Freitag in Wien. Genau lasse sich das aber nicht sagen, weil es nicht genügend Daten gebe und das Vermögen in Steueroasen versteckt werde. "Wir brauchen viel mehr Transparenz darüber, wer Vermögen besitzt. Das ist das entscheidende Argument für die Schaffung eines globalen Registers für Finanzvermögen." Die Einführung einer Vermögensteuer in Österreich sei "wahrscheinlich eine gute Idee", meint Zucman, der sich auf Einladung der Arbeiterkammer in Wien aufhält.

Machbar sei das durchaus, meint Zucman. "In jedem Land gibt es eine Finanzinstitution, die darüber Buch führt, wem welche elektronischen Wertpapiere gehören." Beginnen könnte man auf regionaler Ebene - so könnte etwa die EU relativ rasch ein solches Register aufbauen. Auch könnte man ein solches Register als Thema bei den Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit den USA aufnehmen.

Zucmans Berechnungen zufolge werden zehn Prozent des europäischen Finanzvermögens auf ausländischen Konten gehalten, das seien 2.600 Mrd. Dollar, schätzt er. Den europäischen Steuerbehörden würden dadurch 75 Mrd. Dollar an Einnahmen entgehen. Die US-Amerikaner parken demnach vier Prozent ihrer Vermögen im Ausland (1.200 Mrd. Dollar) und hinterziehen jedes Jahr 36 Mrd. Dollar an Steuern. Allerdings dürfte Steuerhinterziehung nicht der einzige Grund sein, warum Geld in Steueroasen verlagert wird: Die Russen sowie die Bürger der Golfstaaten haben mindestens die Hälfte ihrer Vermögen im Ausland, obwohl Kapitalerträge bei ihnen ohnehin nicht oder kaum besteuert werden.

Legale Steuervermeidung

In den genannten Beträgen nicht enthalten seien 120 Mrd. Dollar an Gewinnsteuern, die sich US-Firmen sparen, indem sie ihre Gewinne in Länder mit niedrigen Unternehmenssteuern verlagern. Dieses Geld entgehe zum Teil den USA, aber auch anderen Ländern.

Österreich sei keine bedeutende Steueroase, meint Zucman. Nach Angaben der Nationalbank hätten Ausländer rund 30 Mrd. Euro auf österreichischen Bankkonten. "Das ist ein Zehntel des Offshore-Vermögens, das in Luxemburg liegt, und viel, viel weniger als in der Schweiz, wo es 2,5 Billionen Dollar sind."

Bei der Bekämpfung des Bankgeheimnisses habe es in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte gegeben, meint Zucman. Bis 2008 hätten sich Steueroasen geweigert, irgendwelche Daten an ausländische Steuerbehörden herauszugeben. Danach habe es eine sehr schwache Form des Datenaustauschs auf Anfrage gegeben, was aber nicht ausreichend sei. Bis Ende des Jahrzehnts dürfte es aber zwischen den meisten Steueroasen und anderen Ländern einen automatischen Datenaustausch geben, glaubt Zucman.

(S E R V I C E - Gabriel Zucman: "Steueroasen: Wo der Wohlstand der Nationen versteckt wird". edition suhrkamp, 118 S., 14,00 Euro)

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