Lohnsteuer: Wer 2013 mehr zahlt, wer begünstigt wird

Neue steuerliche Regelungen bei Dienstwohnungen, Zinsersparnissen, der Besteuerung des 13. und 14. Monatsgehalts von Spitzenverdienern, neue Höchstbeitragsgrundlagen, Änderungen bei Altersteilzeit oder Personalleasingfirmen.

 Lohnsteuer: Wer 2013 mehr zahlt, wer begünstigt wird

Die wichtigsten Änderungen auf einen Blick:

- Unternehmen, die einen Dienstnehmer kündigen, müssen eine Auflösungsabgabe von je 113 Euro zahlen.
- Die Altersteilzeit kann man nur noch in Ausnahmefällen geblockt werden.
- Kein Sachbezug für Dienstwohnungen bis zu 30 Quadratmeter in bestimmten Fällen.
- Die Höchstbeitragsgrundlage für die Sozialversicherung wird angehoben.
- Spitzenverdiener zahlen eine Solidarabgabe. Sie verlieren die Steuerbegünstigung für das 13. und 14. Monatsgehalt.

Die Details zu den Änderungen:

1. Änderung bei Auflösung von Dienstverhältnissen für den Dienstgeber

Ab 1. Jänner 2013 tritt die neue Auflösungsabgabe in Kraft. Ab diesem Zeitpunkt gilt: Wird ein (auch jetzt schon bestehendes) echtes oder freies Dienstverhältnis, das der Arbeitslosenversicherungspflicht unterliegt, mit einem Mitarbeiter nach dem 31. Dezember 2012 beendet, so muss der Dienstgeber eine so genannte Auflösungsabgabe entrichten.
Jede Firma muss ab 2013 für jeden gekündigten Dienstnehmer (egal ob in einem echten oder freien Dienstverhältnis) 113 Euro zahlen. Diese Auflösungsabgabe ist als Selbstbemessungsabgabe konzipiert und ist vom Dienstgeber gemeinsam mit den Sozialversicherungsbeiträgen bis zum 15. des Folgemonats an die zuständige Gebietskrankenkasse abzuführen.

Geringfügige Dientsverhältnisse ausgenommen.
Auf Grund der Verknüpfung der Abgabe mit einem arbeitslosenversicherungspflichtigen Dienstverhältnis, sind geringfügige Dienstverhältnisse von der Abgabe ausgenommen. Wird aber ein vollversicherungspflichtiges Dienstverhältnis in ein geringfügiges umgewandelt und wird das beendet, ist die Auflösungsabgabe für das (ehemalige) vollversicherungspflichtige Dienstverhältnis nachzuzahlen.

Wann fällt die Auflösungsabgabe nicht an?

Wenn das Dienstverhältnis während der Probezeit aufgelöst wird, es sich um ein befristetes Dienstverhältnis bis zu maximal 6 Monate handelt oder der Arbeitnehmer kündigt. Weitere Gründe sind ein vorzeitiger Austritt ohne wichtigen Grund oder aus gesundheitlichen Gründen, die Auflösung wegen einer Alterspension oder wegen des Bezugs von Sonderruhegeld und wenn ein Anspruch auf Invaliditäts- oder Berufsunfähigkeitspension besteht. Die Auflösungsabgabe fällt auch dann nicht an, wenn es zu einer gerechtfertigten Entlassung kommt, Lehrverhältnisse aufgelöst werden, ein verpflichtendes Ferial- oder Berufspraktika endet, ein unmittelbarer Wechsel im Konzern oder aufgrund des Tod des Arbeitnehmers, weiters wenn es zu einer Auflösung des Dienstverhältnisses nach § 25 Insolvenzordnung kommt und wenn eine Auflösung von Dienstverhältnissen mit Arbeitern vorliegt, die dem BUAG unterliegen (befristet bis 30.Juni 2013).

2. Änderungen bei der Arbeitslosenversicherung

Ab 2013 entfallen für Personen, die eine Alterspension beziehen oder welche die Anspruchsvoraussetzungen für den Bezug einer Alterspension erfüllen (außer Korridorpension), die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung erst ab Beginn des Folgemonats und nicht automatisch mit Erreichen des 60. Lebensjahres. Hat jemand Anspruch auf eine Korridorpension (62 Jahre) aber bezieht diese noch nicht, so bleibt die Arbeitslosenversicherungspflicht noch 12 Monate bestehen (bis zur Vollendung des 63. Lebensjahres).

Arbeitslosenversicherung für Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen:

bis 1.219 Euro 0%
von 1.219,01 Euro bis 1.330 Euro 1%
von 1.330,01 Euro bis 1.497 Euro 2%
ab 1.497,01 Euro 3 %

Änderungen in der Altersteilzeit

Für alle Neufälle der Altersteilzeit ab dem 1. Jänner 2013 gelten folgende Bestimmungen:

Die Laufzeit beträgt höchstens 5 Jahre, das frühestmögliche Zugangsalter liegt wie bisher bei 53 für Frauen und 58 für Männer. Die Blockvariante gibt es nur noch, wenn spätestens zu Beginn der Freizeitphase eine zuvor beim AMS als arbeitslos gemeldete Person oder ein zusätzlicher Lehrling als Ersatzkraft beschäftigt wird. Sonst droht das Risiko der Rückzahlung des ATZ-Geldes.
Bei kontinuierlicher ATZ schadet ein Anspruch auf irgendeine Alterspension erst ab dem gesetzlichen Regelpensionsalter, bei der Blockung schadet weiterhin ein Anspruch auf (außer nicht genommene Korridorpension bis zu 12 Monaten). (Alle vor 2013 abgeschlossenen und auch begonnenen Vereinbarungen sind von der Neuregelung nicht betroffen.)

3. Sachbezüge

Änderungen bei Dienstwohnungen

Stellt der Arbeitgeber seinem Dienstnehmer eine arbeitsplatznahe Unterkunft kostenlos oder verbilligt zur Verfügung (vor allem im Gastgewerbe), weil die rasche Verfügbarkeit des Dienstnehmers
im besonderen Interesse des Arbeitgebers liegt, so gilt folgendes:

Bis zu einer Größe von 30m² ist kein Sachbezug anzusetzen. Zwischen 30 und 40 m² sind die Quadratmeterpreise oder der um 25 Prozent verminderte fremdübliche Mietzins um 35 Prozent zu vermindern, wenn die Unterkunft durchgehend höchstens für 12 Monate vom selben Arbeitgeber zur Verfügung gestellt wird. Zur Orientierung der Quadratmeterpreise für Mietwohnungen, die im Jahre 2013 anzusetzenden Quadratmeterpreise:

Burgenland 4,70 Euro, Kärnten 6,03 Euro, Niederösterreich 5,29 Euro, Oberösterreich 5,58 Euro, Salzburg 7,12 Euro, Steiermark 7,11 Euro, Tirol 6,29 Euro, Vorarlberg 7,92 Euro, Wien 5,16 Euro.

Sachbezug für Parkplätze

Stellt der Dienstgeber seinen Dienstnehmern einen kostenlosen Parkplatz innerhalb einer parkraumbewirtschafteten Zone („blaue Zone“) zur Verfügung, so ist dafür ein Sachbezug in Höhe von 14,53 Euro pro Monat anzusetzen. Achten Sie diesbezüglich vor allem in Wien auf die mehrfache Ausdehnung der Parkpickerlzone – es kann damit in betroffenen Bezirken erstmals ein Sachbezug für Parkplätze der Mitarbeiter anzusetzen sein.

Sachbezug bei Krediten und Gehaltsvorschuss

Gewährt ein Dienstgeber seinem Arbeitnehmer einen unverzinsten oder zinsverbilligten Kredit und/oder einen Gehaltsvorschuss, welche in Summe den Wert von 7.300 Euro übersteigen, so ist vom übersteigenden Wert ein Sachbezug anzusetzen. Die Zinsersparnis ist für das Jahr 2013 mit
einem Zinssatz von 2 Prozent zu berechnen.

4. Arbeitskräfteüberlassungsgesetz wird novelliert.

Folgende Bereiche wurden durch die Novelle u.a. neu geregelt:

Das Gleichbehandlungs- und Diskriminierungsverbot,
Das Dienstgeberhaftungsprivileg,
Die Anspruchserweiterung für überlassene Arbeitskräfte,
Die Erweiterung der Vereinbarungsgebote und –verbote,
Die Erweiterung der Inhalte der Überlassungsmitteilung und weiteren Informationspflichten sowie
Die Erweiterung der Aufzeichnungspflichten des Überlassers und Beschäftigers.

Außerdem wurde 2013 ein Sozial- und Weiterbildungsfonds eingeführt. Gewerbliche (auch ausländische) Arbeitskräfteüberlasser wie Personalleasingfirmen haben für Arbeiter ab dem Jahr 2013 0,25 % (2014 0,35 %, 2015 0,60 %,2016 0,80 %) der ASVG-Beitragsgrundlage in diesen Fonds einzuzahlen. Für Angestellte tritt diese Verpflichtung mit 1. Jänner 2017 in Kraft.

Mitarbeiter von Personalleasingfirmen werden in Stehzeiten finanziell unterstützt.

Voraussetzung ist, dass sowohl Überlasser als auch Beschäftiger einem Kollektivvertrag unterliegen. Der Sozial- und Weiterbildungsfonds-Beitrag ist an den zuständigen Krankenversicherungsträger zusammen mit den Beiträgen zur Sozialversicherung abzuführen. Der Fonds dient der Förderung von Weiterbildungsmaßnahmen für Arbeitnehmer in überlassungsfreien Zeiten und der Gewährung von finanziellen Zuschüssen für während dieser „Stehzeiten“ arbeitslos gemeldete Personen.

5.Weitere Wichtige Neuerungen und Praxistipps

Die wichtigsten veränderlichen Werte für das Jahr 2013 betragen:

Die Geringfügigkeitsgrenze steigt

Die Geringfügigkeitsgrenze (täglich) steigt von 28,89 im Vorjahr auf 29,70 Euro.
Die Geringfügigkeitsgrenze (monatlich) steigt von 376,26 auf 386,80 Euro.
Der Grenzwert der Dienstgeberabgabe für Pauschalen steigt von 564,39 auf 580,20 Euro.

Die Höchstbeitragsgrundlage wird angehoben.

Die Höchstbeitragsgrundlage (täglich) steigt von 141 Euro auf 148 Euro
Die Höchstbeitragsgrundlage (monatlich) steigt von 4.230 Euro auf 4.440 Euro.
Höchstbeitragsgrundlage (jährlich) für Sonderzahlungen von echten und freien Dienstnehmern steigt von 8.460 Euro auf 8.880 Euro.
Höchstbeitragsgrundlage (monatlich) für freie Dienstnehmer ohne Sonderzahlung steigt von 4.935 Euro auf 5.180 Euro.

Ausgleichstaxe

Die Werte 2013 für die Ausgleichstaxe pro fehlender Behinderteneinstellung betragen für
- Dienstgeber mit 25 bis 99 Dienstnehmer: 238 Euro pro Monat
- Dienstgeber mit 100 bis 399 Dienstnehmer: 334 Euro pro Monat
- Dienstgeber mit 400 und mehr Dienstnehmer: 355 Euro pro Monat.

Pro volle 25 Dienstnehmer ist ein behinderter Dienstnehmer einzustellen.

Eine Solidarabgabe wird eingeführt

Mit der neuen Reichensteuer sind der 13.und 14. Monatsgehalt, Prämien und Boni nicht mehr zur Gänze steuerbegünstigt.

Für Besserverdiener ist seit 1. Jänner 2013 die sogenannte Solidarabgabe, auch Reichensteuer genannt, in Kraft. Diese Neuregelung ist (vorläufig) auf 4 Jahre – ab 2013 bis Ende 2016 – befristet. Mit der Einführung der Solidarabgabe werden sonstige Bezüge (innerhalb des Jahressechstels) wie das 13. und 14. Monatsgehalt, Gratifikationen, Leistungsprämien, Bilanzremunerationen und Ähnliches ab einer bestimmten Einkommenshöhe nicht mehr zur Gänze mit dem begünstigten Steuersatz von 6 Prozent versteuert werden.

Bis zu einem Monatsbruttobezug von ca. 13.250 Euro, unter der Prämisse von jährlich 14 gleich hohen Bezügen, bleibt die Versteuerung wie bisher unverändert bei 6 Prozent (unter Berücksichtigung des Freibetrages von 620 Euro und der Freigrenze von 2.100 Euro). Erst ab einem Jahresbruttobezug von über 185.500 Euro kommt somit die Solidarabgabe zum Tragen.

Bemessungsgrundlage für sonstige Bezüge
nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge:

0 % Für die ersten 620 Euro
6 % Für die nächsten 24.380 Euro
27 % Für die nächsten 25.000 Euro
35,75 % Für die nächsten 33.333 Euro
50 % Für die Beträge darüber

Steuerbefreiung für Auslandstätigkeit wird eingeschränkt. .

Im Bereich der (teilweisen) Steuerbefreiung gibt es seit 2013 eine neue Regelung. Bei Vorliegen der sonstigen Voraussetzungen gilt die Steuerbefreiung nur noch dann, wenn die Tätigkeit in einer Region erfolgt, für die am Beginn des jeweiligen Kalendermonats der Tätigkeit eine erhöhte Sicherheitsgefährdung vorliegt. Bisher konnte die Steuerbefreiung dann geltend gemacht werden, wenn die erhöhte Sicherheitsgefährdung lediglich zu Beginn der Tätigkeit vorgelegen hat.

Im November wird alljährlich das E-Card Service-Entgelt eingehoben.

Im November 2013 wird das Service-Entgelt für die E-Card 2014 eingehoben. Der Betrag wird auf 10,30 Euro angehoben und wird von nun an jährlich valorisiert. Dafür entfällt die Beitragspflicht für
mitversicherte Angehörige.

Pensionsabfindung: Barwertfreigrenze angehoben.

Im Jahr 2013 wird die Barwertfreigrenze für die steuerliche Beurteilung von Pensionsabfindungen von 11.100 Euro auf 11.400 Euro angehoben. Beträgt der Barwert der Pensionsabfindung maximal 11.400 Euro, ist darauf der Hälftesteuersatz anzuwenden. Bei Überschreiten des Barwertes ist die gesamte Pensionsabfindung zum Tarif zu versteuern.

Drei Praxistipps der Steuerberater TPA Horwath:

Arbeitszeitaufzeichnungen

Gemäß Arbeitszeitgesetz sind Sie als Dienstgeber verpflichtet, die Arbeitszeiten Ihrer Dienstnehmer aufzuzeichnen. Sie können diese Pflicht auch an Ihre Dienstnehmer übertragen. Im Falle
einer Behördeninspektion führen fehlende Arbeitszeitaufzeichnungen zu empfindlichen Strafen.
Der Strafrahmen bei erstmaligem Verstoß reicht von EUR 72,00 bis EUR 1.815,00 pro Anlassfall, d.h. pro „fehlender“ Arbeitszeit-Aufzeichnung eines Dienstnehmers.

Urlaubsaliquotierung bei Wechsel zwischen Voll- und Teilzeitbeschäftigung bzw. bei Änderung des Ausmaßes der Teilzeitbeschäftigung.

Vereinbaren Sie nach Möglichkeit einen Verbrauch des Urlaubs noch vor dem Wechsel bzw. der Änderung. Wenn dies nicht möglich ist, vereinbaren Sie eine einvernehmliche Übertragung des offenen Vollzeiturlaubs in die auf das Ende der Teilzeit folgende Vollzeit (inkl. Verjährungsverzicht).

Schnittberechnungen

Aufgrund arbeitsrechtlicher Regelungen gebühren Überstunden, Zulagen, u.ä. idR auch für Nichtleistungeszeiten (z.B. Urlaub, Feiertag, Krankenstand). Ihren Mitarbeitern steht das regelmäßigeEntgelt zu – also jenes Entgelt, das dem Arbeitnehmer gebührt hätte, wenn der Urlaub (Krankenstand,
Feiertag u.a.) nicht angetreten worden wäre. Als Bestandteile des regelmäßigen Entgelts gelten u.a. Überstundenpauschalen sowie Leistungen für Überstunden, die aufgrund der Arbeitszeiteinteilung zu erbringen gewesen wären, wenn der Urlaub nicht angetreten worden wäre. Lässt sich die tatsächliche Anzahl der Überstunden, die der Arbeitnehmer geleistet hätte, wenn er während des Urlaubes oder des Krankenstandes gearbeitet hätte, nicht feststellen, dann ist eine Durchschnittsberechnung auf Basis von Vergangenheitswerten vorzunehmen. Es ist denkbar, die „Schnittberechnung“ für Nichtleistungszeiten noch nachträglich in der Dezember-Abrechnung zu berücksichtigen.