Konzernmitarbeiter aus dem Ausland werden nun öfter besteuert

Konzernmitarbeiter aus dem Ausland werden nun öfter besteuert

Bisher fielen für Mitarbeiter eines Konzerns, die in Österreich tätig wurden, erst nach 183 Tagen Steuern an. Nun sind Steuern bereits ab dem ersten Tag fällig. Auch für Mitarbeiter, die ins Ausland geschickt werden, gibt es Änderungen. Die Experten von TPA Horwath informieren

Internationale Personalentsendungen innerhalb eines Unternehmens waren bislang bis zum Auflauf einer Frist von 183 Tagen in Österreich steuerfrei. Doch das ist seit Juni 2014 anders. Grundlage für diese Änderung war ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofs, dem im Juni ein Erlass des Ministeriums folgte, der die Besteuerung kurzfristiger Einsätze von Mitarbeitern außerhalb ihres gewöhnlichen Tätigkeitsstaates neu regelt. Der Erlass gilt sowohl für kurzfristige Entsendungen von eigenen Mitarbeitern, die ins Ausland entsendet werden (sogenannte Outbound-Fälle), als auch für ausländische Mitarbeiter, die nach Österreich geschickt werden (Inbound-Fälle).

1. Steuerregelung für Mitarbeiter, die ins Ausland geschickt werden

Für eigene Mitarbeiter, die ins Ausland entsendet werden, kann eine Doppelbesteuerung allerdings unter folgenden Voraussetzungen weiterhin vermieden werden:

• Der Aufenthalt des Mitarbeiters im Tätigkeitsstaat weniger als 183 Tage pro Jahr beträgt. Das Jahr ist je nach Doppelbesteuerungsabkommen das Kalenderjahr, Wirtschaftsjahr oder ein 12-Monatszeitraum.
• Lohn/Gehalt von einem oder für einen ausländischen Arbeitgeber gezahlt wird und
• Arbeitgeber keine Betriebsstätte oder feste Einrichtung im Tätigkeitsstaat hat.
• Erfüllt der Dienstnehmer in Österreich für seinen Arbeitgeber eine Dienst-oder Werkleistungsverpflichtung (sogenannte Aktivleistung), fällt innerhalb der 183-Tage-Frist ebenfalls keine Steuerpflicht an.

Nach ausländischem Recht ist aber gerade in Fällen einer Arbeitnehmerüberlassung oder Personalgestellung (sogenannte Passivleistung) abzuklären, ob sich eine lokale Lohnbesteuerung der Mitarbeiter ergibt, weil das Unternehmen, bei dem der Mitarbeiter tätig wird, als (lokaler) wirtschaftlicher Arbeitgeber angesehen wird. In Österreich muss geprüft werden, wie eine Entlastung von der Besteuerung herbeigeführt werden kann. Hierfür wird vom Finanzministerium ein ausländischer Besteuerungsnachweis gefordert.

TPA Horwath Tipp: Eine sorgfältige Dokumentation, welche Lohn-/Gehaltsbestandteile im Ausland besteuert wurden, inklusive der dazugehörigen Nachweise, sollte unbedingt erstellt werden.

2. Worauf bei Mitarbeitern, die nach Österreich entsendet werden, aus steuerlicher Sicht geachtet werden muss


Administrativ noch aufwendiger wird es, wenn konzerninterne Mitarbeiter aus dem Ausland, nach Österreich entsendet werden. So müssen österreichische Unternehmen, bei jeder Personalgestellung durch ein im Ausland verbundenes Unternehmen prüfen, ob für den Dienstnehmer eine Steuerpflicht in Österreich besteht. Dafür muss bei jeder Dienstreise nach Österreich erhoben werden, aus welchem Grund der Dienstnehmer hier ist. Besteht im österreichischen Betrieb Bedarf für einen Mitarbeiter aus dem Ausland und wird etwa aufgrund eines Personalengpasses kurzfristig ein Mitarbeiter aus dem Ausland eingesetzt (sogenannte Passivleistung), muss das österreichische Unternehmen eine Besteuerung vornehmen.

Knifflig kann es auch bei der Abgrenzung zwischen Aktiv- und Passivleistungen werden. „Gerade bei der Übernahme mehrfacher Geschäftsführungsfunktionen durch Mitarbeiter im Konzern besteht das Risiko multipler Lohnsteuerpflichten der Mitarbeiter im Ausland“ erläutert Iris Burgstaller, Expertin für internationales Steuerrecht bei TPA Horwath.

konzerninternen Personalgestellungen nach Österreich muss vom inländischen Unternehmen eine Abzugsteuer in Höhe von 20 Prozent der Gestellungsvergütung einbehalten werden, sofern

  • für den Gesteller kein Befreiungsschein vorliegt oder
  • in Österreich kein freiwilliger Lohnsteuerabzug für die Mitarbeiter durch den Beschäftiger oder den ausländischen Gesteller erfolgt.

TPA HorwathTipp: Aufgrund einer Spezialvorschrift im Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland können Mitarbeiter, die von gewerblichen Unternehmen zur Verfügung gestellt werden, nach wie vor die 183-Tage-Frist anwenden, sodass keine lokale Lohnsteuerpflicht vorliegt. Konzerninterne Personalgestellungen zwischen Deutschland und Österreich sind von dieser Spezialvorschrift allerdings nicht betroffen.

Weitere Informationen unter Entsendungen erfolgreich gestalten

und in der Publikation über Transferpreise und Risikomanagement

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