Italien zieht Steuerschraube an – Bankgeheimnis wird "de facto" aufgelöst

Italien zieht Steuerschraube an – Bankgeheimnis wird "de facto" aufgelöst

Italien verschärft den Kampf gegen die Steuerhinterziehung durch das Lockern des Bankgeheimnisses.

Banken und andere Finanzakteure wie Fondsgesellschaften oder Versicherungen müssen einer Steuerdatenbank die Ein- und Auszahlungen der Konten rückwirkend ab 2011 sowie deren jeweiligen Endbestand mitteilen. Zeit dafür ist bis 31. Oktober. "Keine Geheimnisse mehr vor dem Fiskus", kommentierte die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" die neue Strategie der italienischen Regierung.

"Italien hebt somit de facto das Bankgeheimnis auf und erlaubt dem Fiskus, die Daten über die Bankkonten mit den Steuererklärungen zu erfassen. Damit sollen Steuerhinterzieher leichter entlarvt werden", kommentierte die Zeitung weiter.

Die Informationen über die Bankkonten werden künftig von der Zentralverwaltung der Einnahmenagentur verwendet, um jene Steuerpflichtigen ausfindig zu machen, bei denen ein starker Verdacht auf Steuerhinterziehung besteht. Die Steuerbehörde kann sich somit erstmals Zugang zu den Bankkonten der Italiener verschaffen, auch wenn keine Untersuchungen wegen Steuervergehen laufen.

Italien unternimmt damit einen weiteren Schritt, um die Steuerhinterziehung zu bekämpfen. Erst seit wenigen Monaten wird ein neues elektronisches Kontrollsystem namens "Redditometro" eingesetzt, das 100 Ausgabenposten der Steuerpflichtigen mit den deklarierten Einkommen vergleichen. Mit hochmodernen Computerprogrammen werden die Ausgaben der Steuerpflichtigen, deren Einkommen, die sie in der Steuererklärung angegeben haben, und die Ersparnisse auf den Bankkonten verglichen.

Rotes Tuch für "Don Silvio"

Die neue Strategie im Kampf gegen die Steuerhinterziehung ist ein rotes Tuch für Ex-Premier Silvio Berlusconi, der dem Fiskus Methoden eines "Polizeistaats" vorwirft. Während des Wahlkampfes hatte Berlusconi in den vergangenen Wochen einen allgemeinen Strafnachlass für Steuersünder versprochen.

Bei großen Geldnöten hatten italienische Regierungen in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder zum Strafnachlass für Steuersünder (condono) gegriffen, um die Löcher in der Staatskasse behelfsmäßig zu stopfen. Zuletzt hatte die Regierung Berlusconi im Jahr 2002 einen Strafnachlass für Steuersünden über die Bühne gebracht. Damit konnten Steuerpflichtige schuldige Steuerbeträge zu günstigen Bedingungen begleichen. 2009 hatte die Regierung Berlusconi eine Amnestie zur Rückführung von Fluchtkapital beschlossen, wobei mit einer anonym entrichteten Steuer die Verstöße gegen die Steuerbestimmungen bereinigt werden konnten.

Fruchtgenussrecht: So sichern Sie sich Einfluss und Einnahmen

Steuertipps

Fruchtgenussrecht: So sichern Sie sich Einfluss und Einnahmen

Zehn Tipps für den Steuerausgleich

Steuern

Zehn Tipps für den Steuerausgleich

Start-ups

Steuern sparen für Anfänger: Zehn Tipps für Start-ups