Holland: Fruchtbarste Steueroase in Europa

Oase klingt nach Karibik. In Wirklichkeit finden sich die schönsten Paradiese in Europa: Die Niederlande sind die neuen Bermudas. Das Land ist die fruchtbarste Oase für europäische Firmen, da sind sich die Experten einig. In einschlägigen Handbüchern wird Holland als das Land „für flexible Steuerzahler“ ebenso gelobt wie für das „Entgegenkommen“ ihrer Steuerbehörden gegenüber ausländischen Konzernen. Die wichtigsten Steuertricks der Holländer.

Holland: Fruchtbarste Steueroase in Europa

Das Land zeichnet sich durch äußerst großzügige Regeln, etwa bei der Besteuerung von Lizenzgewinnen und Zinsen aus. Auf diese Weise verstehen es die Holländer, Firmen - oder zumindest deren Briefkästen - anzuziehen. 12.000 mitarbeiterlose Finanzfirmen hat die Zentralbank registriert, Tausende Offshore-Unternehmen, deren einziger Zweck es ist, die Steuerlast zu drücken.

Europäische Konzerne bringen ihre Gewinne am häufigsten in Holland in Sicherheit

Von Holland aus können Europas Konzerne ihre Gewinne in Sicherheit bringen können. Bei deutschen Firmen erfolgen bereits nahezu alle Zahlungsflüsse ins nichteuropäische Ausland über Konzerneinheiten in den Niederlanden, so das Ergebnis einer Untersuchung von Ökonomen der Universität Nürnberg-Erlangen. Die Niederlande liegen in deren Ranking der Steueroasen unangefochten auf Platz eins; die Schweiz haben sie überrundet, Inseln in der Karibik erscheinen nur unter ferner liefen.

Zahl der Tochtergesellschaften in Holland hat sich versechsfacht

Die Zahl der Tochtergesellschaften deutscher Konzerne in den Niederlanden hat sich binnen zwölf Jahren mehr als versechsfacht. Damit liegt der Staat weit vorne im Wettbewerb, wer die meisten Unternehmer anwirbt, und sei es mit Steuergeschenken. „Holland ist ein Vorreiter, andere Staaten ziehen nach: Luxemburg, Belgien, Großbritannien“, so Professor Christoph Spengel vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim.

So ist laut Informationen der Deutschen Bank bei deutschen Firmen mit 825 Niederlassungen in Holland bereits die beliebteste Steueroase, gefolgt von der Schweiz, wo sich 644 Töchter deutscher Unternehmen niedergelassen haben. Nummer drei ist Polen mit 529 Gesellschaften. Weit abgeschlagen mit 213 Briefkastenfirmen in Singapur und 208 in Hongkong.

1. Geld steuergünstig von holländischer Tochtergesellschaft leihen

Die Niederlande bietet Konzerne unterschiedliche Möglichkeiten Steuern zu sparen. Ersten können Unternehmen Steuern sparen, wenn sie die Finanzströme umleiten. Braucht ein Unternehmen in Österreich oder Deutschland Kapital und leiht es sich von der Tochterfirma in Holland, muss es dafür Zinsen zahlen. Dafür fallen Kosten an, schmälern so den Gewinn in der Heimat - und damit die Steuer darauf. Die in Holland anfallenden Zinserträge dagegen rutschen ziemlich unberührt durch die Bilanz.

Da diese multinationalen Konzerne keine Motoren oder Sandsäcke um den Globus schippern, sondern Patente und Markenrechte, ist es tatsächlich schwierig festzustellen, wo der Wert entsteht, in welchem Land der Gewinn vom Fiskus abzuschöpfen ist. Das wiederum fordert den Erfindungsgeist der Steuerabteilungen heraus, die Holländer sind gerne behilflich.

2. Gewinne, die in Europa erwirtschaftet werden, verlassen den Kontinent, ohne dass ein Cent Steuern eingehoben wird

Besonders beliebt sind auch Konstrukte wie das „Double-Irish-Dutch-Sandwich“: Patent-Holdings und Briefkastenfirmen in den Niederlanden ermöglichen es, dass „Gewinne, die in Europa erwirtschaftet werden, den Kontinent verlassen, ohne dass darauf ein Cent Steuern erhoben wird, wie die Wirtschaftsforscher vom ZEW herausfanden.

3. Konzern überträgt intellektuelles Eigentum an Firma in Holland und zahlen für Einnahmen daraus so gut wie keine Steuern

Innerhalb Europas läuft noch ein anderes Spiel wie im Schnürchen. Der Fachbegriff dafür: Patent-Box. Überträgt ein Konzern sein intellektuelles Eigentum an eine Firma mit Sitz in Holland, bleiben deren Einnahmen daraus vom Finanzamt so gut wie unbehelligt. Die Mutter in Österreich zahlt sogar für die Nutzung der Rechte, das wiederum mindert in der Zentrale den Gewinn, die entsprechenden Erträge in Holland fallen durch den Rost, womit sich die Steuern oft nur im einstelligen Prozentbereich bewegen.

Doch das ist alles legal. Nicht von Steuerhinterziehung ist hier die Rede, sondern von Steueroptimierung, Fachleute nennen das gemeinhin auch „aggressiver Steuergestaltung“.